Links: Ghostbusters © 2016 Sony Pictures
Mitte: Ben Hur © 2016 MGM
Rechts: Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln © 2016 Walt Disney Pictures

Quelle: The Hollywood Reporter

Von The First Avenger: Civil War über Pets und Findet Dorie bis Suicide Squad: es gab viele mal mehr, mal weniger überraschende Riesenhits in den Kinos diesen Sommer. Doch das Geld, das den meisten Menschen für Kinobesuche zur Verfügung steht, ist begrenzt und mehr denn je müssen sich die Kinogänger heutzutage bei der riesigen Auswahl an Filmen ganz genau überlegen, für welchen sie denn nun die Geldbörse zücken. Überall wo es Hits gibt, gibt es deshalb auch Flops, und die Diskrepanz zwischen den Kinohits und den Box-Office-Flops bzw. -Enttäuschungen ist dieses Jahr größer denn je zuvor. Um das zu veranschaulichen, reicht es, einen kurzen Blick auf die vorläufigen Jahres-Charts 2016 in den USA zu werfen. Ganze acht Filme haben dieses Jahr mehr als $300 Mio an den nordamerikanischen Kinokassen eingespielt. Der bisherige Jahres-Rekord lag bei sechs Filmen. Dafür gibt es bislang keinen einzigen Film, der in Nordamerika zwischen $200 Mio und $300 Mio einspielte. Genau genommen ist der neunterfolgreichste Film des Jahres (Suicide Squad belegt mit $307,5 Mio aktuell Platz 8) Jason Bourne mit weniger als $160 Mio US-Einspiel. In einfachen Worten bedeutet das, dass die Menschen bei ganz großen Filmen in Massen in die Kinos strömen und bei allen, die nicht als Events eingestuft werden, lieber auf die Heimkino-Veröffentlichung warten. Das Mittelfeld stirbt aus.

Mit der Sommer-Saison endgültig vorüber, hat das Branchenblatt The Hollywood Reporter einen Blick auf die größten kommerziellen Flops des Sommers geworfen. Für die Schätzung der Verluste werden das Produktionsbudget und die Marketingausgaben den Einnahmen entgegengehalten. Dazu sollte man wissen, dass die Studios nur etwa 55% des nordamerikanischen Einspiels eines Films zurückbekommen und der Anteil an den weltweiten Einnahmen noch deutlich niedriger liegt. Daher ist ein Film, dessen reines Produktionsbudget $150 Mio betrug (ohne Werbekosten) und der $300 Mio weltweit einspielte, ein klarer Kinoflop.

Letztes Jahr gehörte Disney mit A World Beyond der größte Flop des Sommers und dieses Jahr ist Disney gleich mit zwei Titel in der Flop 4 vertreten. Der wenig beneidenswerte Spitzenplatz geht jedoch an MGMs und Paramounts Ben Hur. Die Neuauflage des Monumentalepos hat bei $100 Mio Produktionskosten, zu denen noch ein heftiges Marketingbudget hinzukommt, bislang $66 Mio weltweit eingespielt. Der Film ist bereits in mehr als der Hälfte seiner Märkte angelaufen und steuert auf einen Gesamtverlust von $120 Mio oder mehr zu. Damit dürfte er nicht nur der Flop des Sommers, sondern auch des gesamten Jahres werden.

Eins der Probleme von Ben Hur war, dass mit der Ausnahme von Morgan Freeman keine bekannten Namen am Projekt mitwirkten und der Film nie aus dem Schatten seines oscarprämierten Vorgängers herauskam.

Doch auch Starpower und bekannte Namen retten ein Film nicht immer vor Versagen. Steven Spielberg ist der erfolgreichste Regisseur aller Zeiten, doch seine Roald-Dahl-Adaption BFG – Big Friendly Giant wurde zum zweitgrößten Flop des Sommers. Der Film kostete $140 Mio (ohne Marketing), spielte bislang $165 Mio weltweit ein und visiert einen Verlust von $90-100 Mio an, was ihn zum größten kommerziellen Misserfolg von Spielbergs Karriere macht.

Das Interessante am Flop von BFG ist, dass der Film, im Gegensatz zu vielen Box-Office-Flops, bei der Kritik gut wegkam. Jedoch konnte er nie das Interesse der Zuschauer wecken und die direkte Konkurrenz durch Pets und Disneys eigenem Findet Dorie machte ihm das Familienpublikum streitig.

Gute Kritiken konnten auch das Ghostbusters-Reboot nicht retten. Der Film kostete $144 Mio und nahm weltweit bislang $227 Mio ein. Das Problem hier sind v. a. die internationalen Ergebnisse, denn in Nordamerika selbst lief der Film im Gegensatz zu den anderen Filmen auf der Flopliste solide. Sony hätte einfach niemals ein so hohes Budget für den Film bewilligen dürfen. Laut plausiblen Expertenschätzungen wird Ghostbusters Sony einen Verlust von mindestens $70 Mio bescheren.

Zu guter Letzt gehörte Disney mit Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln ein weiterer Flop. Der Nachfolger zum $1-Milliarden-Erfolg von 2010 spielte knapp unter $300 Mio weltweit ein und kostete $170 Mio. Für das Studio bedeutet das einen geschätzten Verlust von mindestens $65 Mio. Disney wird das überleben, denn mit Civil War, Findet Dorie, Zoomania und The Jungle Book produzierte das Studio auch die vier größten Hits des Jahres.

Eine Erwähnung verdienen hier auch Star Trek Beyond und Independence Day: Wiederkehr. Mit $185 Mio Budget und nur $319 Mio Einspiel weltweit hat Star Trek Beyond seine Kosten mit Sicherheit noch nicht wieder eingenommen, doch immerhin scheffelt er in China gerade noch ordentlich Kohle und könnte mit etwas Glück im Heimkino auf schwarze Zahlen kommen. Das Independence-Day-Sequel nahm weltweit $386 Mio ein, kostete $165 Mio und hat die Kinos ebenfalls mit einem Minus verlassen.