Bloodline Staffel 4

Quelle: The Hollywood Reporter

Kein US-Sender, ob im öffentlichen oder im Kabelfernsehen, produziert heutzutage so viele eigene Serien wie der Video-On-Demand-Anbieter Netflix. Nahezu 30 eigene Serien streamt Netflix bereits, unzählige weitere sind in Arbeit und allein bis zum Ende des Jahren erwarten uns Serienstarts von "Marvel’s Luke Cage", "Easy", "The Crown" und vielen weiteren. Für nächstes Jahr sind bereits mehr als ein Dutzend neuer Serien geplant. Die Frage, wer die Zeit haben soll, all das zu schauen, stellt sich mir immer wieder. Das Besondere bei den Netflix-Serien ist es, dass die Streaming-Plattform dafür bekannt ist, ihre eigenen Serien (bislang) nie nach nur einer Staffel abzusetzen. Sogar die extrem kostspielige Historienserie "Marco Polo", deren erste Staffel angeblich $90 Mio verschlang und die weder zu einem Zuschauer- noch einem Kritikerliebling geworden ist, erhielt eine weitere Staffel. Genau genommen hat Netflix bis dato lediglich zwei eigene Serien eingestellt: "Lilyhammer" und "Hemlock Grove" nach jeweils drei Seasons.

Diese kurze Liste wird jetzt durch eine dritte Serie ergänzt: "Bloodline". Die bereits bestellte dritte Staffel des schwerfälligen Familiendramas wird die letzte sein, wie Netflix bekanntgegeben hat. Die Ankündigung kommt früh genug, sodass die Serienmacher Todd A. Kessler, Daniel Zelman und Glenn Kessler genug Zeit haben, die Geschichte um den zwielichtigen Rayburn-Clan zu einem Abschluss zu führen. Allerdings entspricht ein Ende nach drei Staffeln nicht den ursprünglichen Vorstellungen der drei. Daniel Zelman erzählte letztes Jahr noch, dass die Serie auf fünf bis sechs Staffeln angelegt ist. Auch wenn es häufig schade ist, wenn die Macher einer Serie ihre ursprüngliche Vision nicht verwirklichen dürfen (wie beispielsweise Bryan Fuller bei "Hannibal", die auf sieben Staffeln ausgelegt war), empfinde ich das im Falle von "Bloodline" als einen Segen. Es ist nicht so, dass die Serie jemals wirklich schlecht war, doch bereits in den ersten zwei Staffeln gab es so viele zähe Strecken, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass es genug spannende Geschichte rund um die Rayburns für weitere drei oder vier Staffeln zu erzählen gibt.

Dass "Bloodline" abgesetzt wurde, ist keine wirkliche Überraschung. Obwohl Netflix nie die offiziellen Zuschauerzahlen für die eigenen Serien veröffentlicht, ist es kein Geheimnis, dass "Bloodline" trotz ihres prestigeträchtigen Casts die Beliebtheit von "House of Cards", "Daredevil" oder "Orange is the New Black" nicht einmal annähernd erreichte. Das bestätigten auch die geschätzten Zuschauerzahlen einer Statistik-Agentur, die eine Studie über die meistgesehenen Netflix-Serien veröffentlichte. Auf dieser Liste war "Bloodline" sehr weit unten zu finden, sogar hinter Serien wie "Master of None" oder "Grace and Frankie". Hinzu kommt noch, dass die ersten beiden Staffeln von den steuerlichen Anreizen in Florida profitierten, doch diese gibt es nicht mehr, sodass die Produktion der Serie, die weiterhin in Florida gedreht wird, um einiges teuerer geworden ist. Also traf Netflix die finanziell sinnvolle Entscheidung, die nächste Staffel auch die letzte werden zu lassen. Staffel 3 wird, wie schon die zweite Staffel, zehn Folgen umfassen und soll 2017 bei Netflix Premiere feiern.

Es würde mich nicht wundern, wenn Netflix sich demnächst auch von "Marco Polo" trennen würde. Bei einem so regen Nachschub von frischer Ware muss der Stall gelegentlich auch ausgemistet werden.