Quelle: Variety

Der kommerziell erfolgreichste Film der Brüder Joel und Ethan Coen ist das Western-Remake True Grit, während deren von der Kritik am meisten gefeierter und mit Preisen überschütteter Film No Country for Old Men ist, der vor acht Jahren vier Oscar gewann, von denen drei direkt an die Coens gingen. Fragt man jedoch die Coen-Fans nach dem größten Kultfilm der Brüder, mit dem sie automatisch in Verbindung gebracht werden, würde man vermutlich am häufigsten einen ganz anderen Titel hören: The Big Lebowski. Der Inbegriff eines Kultfilms war kein Erfolg an den Kinokassen, hat jedoch in den Jahren nach seinem Release 1998 eine riesige Fangemeinde gewonnen. Der Film popularisierte Bowling und White Russians, führte zur Entstehung des jährlichen Events Lebowski Fests, das in mehreren US-Städten seit 2002 abgehalten wird und sogar zur Gründung einer neuen Philosophierichtung, Dudeismus, die der Lebenseinstellung des Dude aus dem Film, gespielt von Jeff Bridges, folgt und viele Anhänger weltweit hat. Zusammengefasst: kein anderer Film der Coens hat ein so großes Erbe hervorgebracht wie The Big Lebowski und wenn der Kult um einen Film so groß wird, kommt irgendwann unausweichlich die Frage nach einer Fortsetzung (siehe Clerks von Kevin Smith). Schauspieler John Turturro ist seinerseits immerhin seit Jahren schon an einem Spin-Off-Film zu seinem Charakter Jesus Quintana interessiert.

Jedoch sind die Coens Regisseure, die für ihre Originalität bekannt sind und nicht gerade dafür, Sequels zu ihren Filmen zu produzieren. Das soll sich auch bei The Big Lebowski nicht ändern, wie die beiden gegenüber Variety bestätigten. Ethan Coen sagte schlicht: (aus dem Englischen)

Tara Reid kündigt ein Sequel so gerne an, wie (George) Clooney Hail. Caesar! ankündigt. In diesem Fall glaube ich nicht, dass wir dem Folge leisten werden.

Mit dem Kommentar spielt Ethan Coen darauf an, dass Clooney sie dazu gebracht hat, Hail, Caesar! zu schreiben, indem er der Presse gegenüber den Film als sein nächstes Projekt ankündigte, bevor es überhaupt feststand, dass die Coens den Film machen würden. Da der Film aktuell sehr positive Kritiken von der Presse erhält und bald schon die Berline eröffnen wird, hat sich diese Zuversicht offenbar bezahlt gemacht.

Zusätzlich hat Ethan Coen auch die Möglichkeit eines Jesus-Quintana-Spin-Offs mit Turturro zurückgewiesen.

Dennoch scheint es so, als sei das Duo nicht prinzipiell allen Sequels zu ihren Filmen abgeneigt. Ein Film, deren Fortsetzung Joel und Ethan Coen sich durchaus vorstellen können, ist Barton Fink, eins der Frühwerke der beiden, der 1991 bei den Filmfestspielen von Cannes gleich drei Auszeichnungen (Goldene Palme, „Beste Regie“ und „Bester Darsteller“) abräumte:

Wir werden irgendwann ein Sequel zu Barton Fink machen. Es wird um Turturro in Berkeley in den Sechzigern gehen. Das ist  der eine Film, der eine Fortsetzung verdient. Der Film wird Old Fink heißen. Aber wir werden ihn nicht machen, bevor Turturro alt genug ist. Er ist aber schon auf dem Weg dorthin.

Ob Old Fink ein ernsthafter Plan der beiden ist oder nur eine laut ausgesprochene Überlegung, wie einst Kill Bill Vol. 3 von Tarantino? Der Film benötigt kein Sequel, wie auch jeder andere von den Coens, doch ich wäre natürlich neugierig zu sehen, wie sie zu einem ihrer alten Filme zurückkehren, insbesondere nachdem mehr als 25 Jahre vergingen, in denen die Coens sich weit entwickelt haben als Filmemacher. Hauptsache Ein (un)möglicher Härtefall 2 kommt nie…