Banshee Season 4

Quelle: Cinemax

"Banshee – Small Town. Big Secrets" (unsere Kritik zu Season 1) ist nicht gerade eine Serie, die viele als ein hochwertiges Produkt in der heutigen Fernsehlandschaft, geprägt von bahnbrechenden Serien wie "True Detective", "Breaking Bad" oder "Game of Thrones", bezeichnen würden. Doch ihre hemmungslose Mischung aus Sex, Gewalt und Action hat Fans gefunden und diese wird es freuen zu erfahren, dass der US-Sender Cinemax die Serie um eine vierte Season verlängert hat, die 2016 starten wird. Der einzige Wermutstropfen: die vierte Season wird nur acht Folgen beinhalten, zwei weniger als die ersten drei. Ob dies an der anstehenden Verlagerung des Drehorts von North Carolina nach Pittsburgh, Pennsylvania liegt oder an der mangelnden Zuversicht des Senders, was die Einschaltquoten betrifft, kann man nicht sagen.

Einer der Schöpfer der Serie, Jonathan Tropper, hat vor einiger Zeit gesagt, dass er sich für "Banshee" sechs Staffeln wünscht, um die Geschichte zu erzählen, die er sich vorstellt. Jetzt ist die Serie diesem Ziel einen Schritt nähergerückt.

"Banshee" handelt von einem Meisterdieb (Antony Starr), der nach der Entlassung aus dem Gefängnis in der Kleinstadt Banshee die Identität des Sheriffs Lucas Hood annimmt und prompt in Koflikt mit dem Geschäftsmann Proctor (Ulrich Thomsen aus Adams Äpfel) gerät, der sich als über dem Gesetz stehend ansieht. In Deutschland ist die Serie, die bislang nur auf dem Bezahlsender Sky Atlantic HD ausgestrahlt wurde, kaum bekannt, lohnt sich aber zumindest als solide, temporeiche Unterhaltung für zwischendurch.

  • eskapist

    Kein hochwertiges Produkt? Sagt wer? Leute, die keine Sexszenen mögen? Leute, die kein Blut sehen können? Fans von "Downton Abbey"? Habe noch keine Serie gesehen, die so auf klassische Rollenbilder verzichtet wie diese. Keine Action, keine Sexszene ohne Grund, alles kommt aus der Tiefe der Geschichte. Man darf die Story gern als Fantasy abtun, aber auch die muss erst mal stimmig geschrieben werden. Nur wenige Serien haben einen so ausgewogenen und hochengagiert agierenden Cast. Hat schon jemand bemerkt, wie stimmig die Waffen klingen (AK-47 und M-16 lassen sich akustisch korrekt unterscheiden, das ist Liebe zum Detail – und wer sich mit amerikanischen Haushaltsgeräten auskennt, weiß wie peinlich hier schlampige Arbeit wirken würde). Ihr wisst schon, dass Staffel 1 einen Emmy für die Special Effects bekam? Schaut in der letzten Folge der ersten Staffel bei der "Schlacht von Banshee" mal genauer hin. Was da in Zehntel-Sekunden-Momenten gezeigt wird, würde man anderswo einen Schocker nennen. Folge 8 der ersten Staffel enthält die längste Prügelei mit einer Frau seitdem es den Film gibt – und wie herrlich choreografiert sie ist. Das ist allerfeinstes Handwerk mit ganz hohem Anspruch. Ihr glaubt, das ist nur ein Spätprogrammfüller für Cinemax, den Sender für die, die es schlicht lieben? Ist es nicht, Freunde. Ist es überhaupt nicht.

    Nur eine "solide, temporeiche Unterhaltung für zwischendurch"? Was guckt Ihr sonst so? Ich brauche danach nichts anderes mehr. Fehlen Euch die Drachen? Braucht ihr ein blondes Mädchen, das man vor den Bösen schützen muss, langweilt ihr euch, wenn es keinen Polizisten mit übersinnlichen Fähigkeiten gibt? Braucht ihr eine starke Mutti, die in letzter Sekunde die Jungs aus der Klemme holt? Ha! Willkommen im Erwachsenen-Fernsehen.

    • Arthur A.

      Jep, ein Emmy für Beste Spezialeffekte in einer Nebenrolle ist natürlich klarer Qualitätsbeweis 😀 Was fehlt, sind wohl eher komplexere Figuren und vielschichtigere Drehbücher, die im Fernsehen zum Standard werden. Das ist eben…Cinemax.

      • eskapist

        Mit "Banshee" eine Diskussion über Qualitätsfernsehen zu starten, klingt erst mal ein bißchen schräg. Da könnten wir ja gleich Dominic West mit Chuck Norris vergleichen. "Banshee" ist nicht "Boardwalk Empire", und hat nicht die gleiche Absicht. Aber zu behaupten, DAS Fernsehen hätte standardmäßig vielschichtigere Drehbücher, ist dann doch die verzerrte Weltsicht von jemandem, der – wie auch immer – alle wesentlichen Sender der Welt gleichzeitig genießen und sich jeden Abend ein hochwertiges Produkt reinziehen kann. Alle anderen bekommen gelegentlich eine Rosine serviert. Cinemax ist auch "The Knick". Cinemax wird doch erst interessant, weil es anderswo viel schwere Kost gibt. Wollen wir jeden Abend "The Affair", "Olive Kitteridge", "Downton Abbey" oder "The Wire" sehen? Ist das Filmkritikers Vorstellung vom Paradies? Ab und zu Horror und auch mal eine Erwachsenen-Comedy, die unter die Haut geht – das macht Fernsehen doch erst gut. Und ab und zu – wenn die Birne aus anderen Gründen schon raucht – eben "Banshee". Denn auch beim Abschalten muss es ein guter Stoff sein. Ich lese regelmäßig die Kritiken zum aktuellen "Tatort" (ohne ihn zu schauen, ich ertrage das "deutsche" Spiel der Akteure und die Dialoge nicht) und lese nichts von Vielschichtigkeit, von überragender Besetzung, von guter Filmtechnik oder gar – ach, das wär’s doch mal – einem starken Soundtrack. Ausnahme: die fünf Episoden mit Nina Kunzendorf, die einfach anders sind – ja, der Ansatz ist da, sie könnten, wenn sie wollten. Ich würde sagen: ein bißchen mehr "Banshee" täte dem deutschen Fernsehen auch gut. Wer "Banshee" mit den Augen des Filmkritikers sieht, dürfte doch auch bemerken, dass der Zuschauer in Staffel 1 in eine böse Falle gelockt wird: Der scheinbare "Bösewicht" rettet mit seinen unzulässigen Methoden die Welt der gesetzestreuen Guten – und alle Feierabendweltenretter freuen sich über den schrägen Helden und hoffen auf noch mehr Seitenhiebe auf Ordnung und Moral, aber in Staffel 2 wird ihm dann für seinen unmoralischen Lebenswandel die Rechnung serviert (danke Cinemax: auch das in schönsten Bildern). Das ist auch ein Unterschied: Im Billigfernsehen würde man Staffel 1 endlos weiterlaufen lassen und hätte genügend dumpfbackiges Publikum dafür.

        Gibt es im echten Leben "Action"? In der Regel nicht. Aber dass man beim Erfinden von Action-Geschichten viel falsch machen oder sein Publikum falsch einschätzen kann, haben wir doch über die Jahre inzwischen gelernt. Ich halte "Banshee" für ein Qualitätsprodukt in diesem Genre (und aus künstlerischer Sicht sogar ein bißchen darüber hinaus), und ich bin damit nicht allein. Chuck Norris-Fans fühlen sich hier nicht wohl, spätestens wenn sie sehen, wie hier die Frauen mit dem Helden umgehen. Das Frauenbild steht in dieser Serie geradezu im Widerspruch zum klassischen männerorientierten Actionstoff. Kein Qualitätsmerkmal?

        Und ein Emmy ist ein Emmy. So viele gibt’s nicht davon.