Quelle: AFI

Das American Film Institute (AFI), eine vom Regisseur George Stevens Jr. vor fast 50 Jahren ins Leben gerufene Organisation zur Förderung der Film- und Serienkunst, benennt jährlich die zehn besten Filme und TV-Serien des jeweiligen Jahres. Da es sich dabei um die Förderung von US-amerikanischen Werken geht, ist dies auch ein Ausschlusskriterium für die Listen: nur US-amerikanische Filme und Serien werden in Betracht gezogen. Bei Koproduktionen wird dieses Kriterium jedoch meist großzügig ausgelegt.

Dieses Jahr überraschte das AFI jedoch alle, als plötzlich erstmals 11 anstelle von 10 Filmen benannt wurden. Bei den Serien blieb man weiterhin bei der runden Zahl. Die diesjährigen Gewinner der AFI Awards für die besten Filme und Serien könnt Ihr unten nachlesen

Die besten Filme von 2014

Birdman
Boyhood
Foxcatcher
The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben
Interstellar
Into the Woods
Nightcrawler
American Sniper
Selma
Unbroken
Whiplash

Die besten TV-Serien von 2014

„The Americans“
„Fargo“
„Game of Thrones“
„How to Get Away with Murder“
„Jane the Virgin“
„The Knick“
„Mad Men“
„Orange is the New Black“
„Silicon Valley“
„Transparent“

Durch die Zusammensetzung der Mitglieder des AFI aus Filmschaffenden, aber auch aus Mitgliedern der akademischen Community, bestehen teilweise (wenn auch in der Regel kleine) Überschneidungen mit den Mitgliedern der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die letztlich für die Oscars abstimmen. Dadurch bedingt, gelten die AFI Awards Jahr für Jahr als recht solide Prädiktoren der Oscar-Nominees in der Kategorie „Bester Film“. Natürlich muss man dabei immer bedenken, dass nicht-US-amerikanische Produktionen hier erst gar nicht berücksichtigt werden. So haben es The King’s Speech und The Artist beispielsweise nicht auf die AFI-Top-10 ihrer jeweiligen Jahre geschafft, gewannen aber bei den Oscars in der Königsklasse „Bester Film“.

Dennoch ist es so, dass die meisten späteren „Bester Film“-Nominees auf AFIs Liste zu finden sind. Wenn ein US-Film es nicht in die AFI-Top-10- schafft, ist es selten ein gutes Zeichen für dessen Oscarchancen. So hat das American Film Institute letztes Jahr sieben der neun „Bester Film“-Kandidaten bereits in seiner Top 10 gehabt. Philomena kam als britischer Film nicht in Betracht und lediglich Dallas Buyers Club schaffte es auf die Oscarliste trotz Nichtbeachtung seitens des AFI. Im Jahr davor hatte das AFI sogar acht von neun späteren Oscarkandidaten auf seiner Liste und Liebe fehlte als französisch-österreichische Koproduktion. Auch 2011 waren die AFI Awards ein guter Prädiktor und nannten sieben von neun „Bester Film“-Nominees (The Artist und Extrem laut und unglaublich nah fehlten).

Im Hinblick auf diese Statistiken wurde David Finchers Gone Girl durch seine Abwesenheit auf der AFI-Liste (trotz 11 Plätze!) hart in dessen Oscarchancen getroffen. Der Film bleibt natürlich weiterhin ein Kandidat, doch es überrascht, dass dieser (sehr amerikanische) Streifen, ein Publikumsliebling mit tollen Kritiken, auf der AFI-Liste fehlt und stattdessen Angelina Jolies mittelmäßig rezensierter Unbroken einen Platz hat. Erfreulich überraschend ist die Nennung von Nightcrawler. Vor einigen Monaten hätte ich dem düsteren und zynischen Film trotz seiner tollen Qualität keine Oscarchancen zugerechnet, doch seine Position wird immer stärker. Auch American Sniper von Clint Eastwood profitiert von der AFI-Nennung. Nicht dabei ist natürlich Die Entdeckung der Unendlichkeit als britische Produktion. Grand Budapest Hotel wurde als europäische Koproduktion ebenfalls nicht aufgenommen. Stattdessen war The Imitation Game dem AFI offensichtlich als Koproduktion amerikanisch genug.

Mittlerweile dürften Selma, Boyhood, Birdman und The Imitation Game als todsichere Kandidaten für eine „Bester Film“-Nominierung bei den Oscars gelten und die restlichen sieben Film von AFIs Top 11 haben zumindest einen wichtigen Schritt in Richtung einer Nominierung gemacht.

Eine noch viel größere Überraschung als die Abwesenheit der umjubelten HBO-Serie „True Detective“ auf der Serienliste, eine Entscheidung, die ich in absolut nicht nachvollziehen kann. Hat das AFI vielleicht etwas generell gegen Krimis dieses Jahr? Kann man ernsthaft behaupten, dass zehn Fernsehserien dieses Jahr besser waren als „True Detective“? Dafür darf sich der Sender The CW erstmals über eine AFI-Nennung freuen (für die neue Serie „Jane the Virgin“).