Quelle: ABC

Keine Frage, Einschaltquoten sind weiterhin häufig das ausschlaggebende Argument, eine Serie um eine weitere Season zu verlängern – jedoch nicht das einzige. Was für die Sender auch zählt, ist der Prestigefaktor, den manche Serien dem Sender einbringen, sei es durch sehr positive Kritiken oder gewonnene Auszeichnungen wie die Emmys oder die Golden Globes. Aus diesem Grund dürfen Serien wie HBOs „Halt and Catch Fire“ und FX‘ „The Americans“ weiter existieren. Prestige zählt jedoch noch mehr für Network-Sender, deren Serien in den letzten Jahren immer seltener bei großen Preisverleihungen eine Rolle spielten und meist von den Serien der Konkurrenten Showtime, HBO, AMC oder FX in den Schatten gestellt wurden. Deshalb hält ABC an der Anthologie-Serie des oscarprämierten 12 Years a Slave-Autors John Ridley, „American Crime“, weiterhin fest und verlängerte diese trotz niedriger Zuschauerzahlen um eine dritte Staffel.

„American Crime“ erzählt, gemäß dem Vorbild von Ryan Murphys „American Horror Story“ und „American Crime Story“ (es besteht keinerlei Verbindung zu diesen beiden Serien von FX!), jede Staffel eine neue in sich abgeschlossene Geschichte, die viele Schauspieler in unterschiedlichen Rollen neu „verwerten“. In der ersten Season ging es um den brutalen Mord an einem jungen Kriegsveteran, in dessen Folge vier Verdächtige verhaftet werden. Themen wie Rassendiskriminierung und Probleme des US-amerikanischen Justizsystems wurden in der gefeierten Staffel offengelegt. Für die Season erhielt „American Crime“ drei Golden-Globe– und zehn Emmy-Nominierungen und gewann den Emmy für Regina King als „Beste Nebendarstellerin“. King kehrte neben Felicity Huffman, Timothy Hutton und Richard Cabral auch in der zweiten Staffel zurück, in der alle Schauspieler in neue Rollen schlüpften. In dieser ging es um den Vorwurf einer Vergewaltigung eines Schülers an einer elitären Privatschule. Themen wie Homophobie und soziale Ungleichheit standen diesmal im Vordergrund.

Während Kritiker sich bei „American Crime“ mit Lob überschlugen, reagierten die Zuschauer weitgehend mit Gleichgültigkeit. Im Laufe der ersten Staffel sanken die Einschaltquoten kontinuierlich von etwa 8,4 Millionen für den Serienauftakt auf knapp die Hälfte dessen für das Staffelfinale. Dennoch verlängerte ABC die Serie um eine zehnteilige zweite Season (eine Folge weniger als in Staffel 1), deren Zuschauerzahlen nach den ersten beiden Episoden nicht einmal 4 Millionen pro Folge erreichten.

Doch „American Crime“ bedeutet für ABC mehr als nur kommerziellen Erfolg. Nach dem Ende von „The Good Wife“ bleibt „American Crime“ die einzige Dramaserie im öffentlichen US-Network-Fernsehen, die als ernstzunehmender Kandidat ins Emmy- und Golden-Globes-Rennen ziehen wird. Aus diesem Grund bewilligte der Sender im Rahmen der Upfronts eine weitere Season, was gerade die Fans hochwertiger Serienunterhaltung sehr freuen sollte. Hierzulande strahlte 13th Street die zweite Staffel in Doppelfolgen zwischen Anfang März und Anfang April aus.

Es würde schon nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn die zweite Staffel der Serie nicht ebenfalls jede Menge Emmy-Nominierungen diesen Sommer einheimsen sollte, auch wenn die Hauptpreise in der Miniserien-Kategorie mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit an die ähnlich betitelte „American Crime Story: The People v. O.J. Simpson“ gehen werden.

Ob Huffman, Hutton, King und andere Darsteller der ersten beiden Staffeln auch in der dritten Season der Serie zurückkehren werden, ist noch unbekannt. Der einzige Hinweis, den Produzent Michael McDonald auf den Inhalt der dritten Staffel gab, war, dass es ihn interessieren würde, sich mit der enormen Einkommensungleichheit in der US-amerikanischen Gesellschaft auseinanderzusetzen. Wir bleiben gespannt.