Quelle: FOX Broadcasting

Vor 15 Jahren gestartet, leistete die FOX-Serie „24“ einen enormen Beitrag zur TV-Revolution bei, aus der das heutige Serien-Erleben hervorgegangen ist. In einer Zeit, in der viele Serienfans nicht jede Folge ihrer Lieblingsserie sklavisch Woche für Woche verfolgten, machte es „24“ mit ihrem Echtzeitformat unabdingbar, jede Episode der Serie zu sehen, um der Handlung problemlos folgen zu können. Über einen Zeitraum von 24 Stunden erzählte die Serie, wie Jack Bauer, ein Agent der Anti-Terror-Organisation CTU, erst einen Präsidentschaftskandidaten (Staffel 1), dann ganz Los Angeles (Staffel 2) und dann auch das gesamte Land (Staffel 3) rettete und dabei weder Toilettenpausen noch Schlaf benötigte.

„24“ ist eine Legende des Fernsehens und als die Serie 2010 nach acht Staffeln und 192 Episoden zu Ende ging, war eigentlich allen klar, dass sie nicht für immer tot bleiben würde, denn es bedarf schon mehr als einer Serieneinstellung, um Jack Bauer totzukriegen. Schließlich brachte „24“ in ihrer Glanzzeit FOX neben Traumquoten auch insgesamt 20 Emmys und zwei Golden Globes ein, darunter jeweils eine Auszeichnung als „Beste Dramaserie“. Vier Jahre nach dem Ende der Serie, kehrte Kiefer Sutherlands unverwüstlicher CTU-Agent im 12-teiligen, jedoch ebenfalls in Echtzeit erzählten Revival „24: Live Another Day“ zurück. Obwohl dieses am Ende durchaus die Möglichkeit einer Fortsetzung offen ließ, verkündete Sutherland kurz darauf, dass er mit Bauer fertig sei. Aus meiner Sicht waren wir dann auch mit „24“ fertig.

Doch FOX sah es anders und schickt deshalb das Quasi-Reboot „24: Legacy“ nächstes Jahr auf die Fernsehbildschirme. Nicht nur das: der Sender hat so viel Zuversicht in den Erfolg der Serie, dass sie für ihre Premiere den sehr begehrten Slot direkt im Anschluss an die Ausstrahlung des 51. Super Bowls am 5. Februar erhalten hat. Da der Super Bowl jährlich mehr als 100 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockt, kann FOX also mit bestmöglichen Voraussetzungen für den Neustart von „24“ rechnen. Regulär geht es für „24: Legacy“ dann ab dem 6. Februar immer montagabends weiter.

Das „Quasi“ steht beim Reboot, weil „24: Legacy“ technisch gesehen in der gleichen Welt spielt wie die gesamte bisherige Serie und Produzent Howard Gordon hat durchaus Anspielungen auf frühere Charaktere und Geschichten in Aussicht gestellt. Letztlich treten aber weder Sutherlands Jack Bauer noch irgendwelche andere Figuren aus der Originalserie in „24: Legacy“ auf, obwohl es einige Zeit im Gespräch war, Yvonne Strahovskis Kate aus „24: Live Another Day“ zur Hauptfigur der neuen Serie zu machen. Stattdessen setzt FOX voll und ganz auf die Formel der Originalserie (Terroristen, Action, Intrigen, Verrat, familiäre Dramen und ein Badass-Protagonist), die nun einer neuen Generation von Zuschauern nähergebracht werden soll. Das Problem aus meiner Sicht jedoch ist, dass als „24“ ihrerzeit angelaufen ist, es nichts Vergleichbares gab. Heutzutage ist der Serienmarkt mit hochwertigen Thrillerserien übersättigt. Gerade „Homeland“ hat die Lücke gefüllt, die „24“ hinterlassen hat. Es war in den letzten Jahren der Originalserie hauptsächlich Kiefer Sutherland als einer der coolsten Helden der Seriengeschichte, der „24“ wirklich sehenswert gemacht hat. Was ist also ein Reboot ohne ihn?

FOX hat jetzt den Trailer veröffentlicht, der sich jede Mühe gibt, wirklich aufregend und actiongeladen auszusehen, was ihm über weitere Strecken auch gelingt. Ein richtiges „24“-Feeling kommt aber in Sutherlands Abwesenheit einfach nicht auf. Lediglich die tickende Uhr am Ende der Vorschau sorgte bei mir für leichte Gänsehaut. Urteilt selbst:

In „24: Legacy“ übernimmt Corey Hawkins aus Straight Outta Compton die Rolle von Eric Carter, einem Elitesoldaten der U.S. Army Rangers, dessen Einheit sechs Monate vor den Ereignissen der Serie in Yemen auf Anordnung der CTU-Chefin Rebecca Ingram (Miranda Otto, die zuletzt auch bei „Homeland“ zu sehen war) den Terroristen-Anführer Sheik Ibrahim Bin-Khalid tötet. In Folge dessen schworen dessen Anhänger blutige Rache an den Soldaten und deren Familien, sodass Carter und seine Armeekameraden ins Zeugenschutzprogramm mussten. Natürlich bleiben sie dennoch nicht sicher, wie Carter bei einem Angriff auf sein Leben am eigenen Leib herausfinden muss. Um künftige Attacken abzuwehren, wendet sich Carter an Ingram, die ihren Posten als CTU-Leiterin mittlerweile aufgegeben hat, um ihren Mann Senator John Donovan bei seiner Präsidentschaftskampagne tatkräftig zu unterstützen. Jahrzehnte an schlaflosen Nächten und verpassten Hochzeitsjubiläen brachten sie an die Spitze in ihrer Karriere und nun muss sie sich die Frage stellen, ob sie sich mit der Rolle der First Lady zufrieden geben kann oder ob ihre Adrenalinsucht sie zurück ins gefährliche Spiel bringen wird, das sie hinter sich gelassen hat. Gemeinsam decken Carter und Ingram ein komplexes terroristisches Netzwerk auf, das einen verheerenden Anschlag auf US-amerikanischem Boden plant.

Teddy Sears („The Flash“) spielt in der Serie Keith Mullins, Ingrams Nachfolger als CTU-Chef, und Anna Diop wird als Nicole Carter zu sehen sein, die Frau des Protagonisten (also die neue Teri Bauer, die aber hoffentlich ein angenehmeres Schicksal erwartet).

Die Handlung klingt nach einer x-beliebigen „24“-Staffel und das muss natürlich auch nicht schlecht sein. Dass die Serie trotz Beibehaltung des Echtzeitformats bei 12 statt 24 Folgen bleibt (wie schon das Revival), ermöglicht ein deutlich strafferes Tempo, denn mit 24 Folgen pro Staffel gab es in fast jeder Season etwas Leerlauf (man erinnere sich an die „hochspannende“ Geschichte um Kim Bauer und den Puma…oder eigentlich an alle Kim-Bauer-Geschichten nach der ersten Staffel). Dennoch ist „24“ ohne Jack Bauer für mich wie ein Cheeseburger ohne Käse.