Pixar möchte mehr Originalfilme und weniger Sequels machen

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Pixar

Quelle: BuzzFeed

Kaum ein anderes Wort steht in Hollywood so sehr stellvertretend für langandauernden Erfolg und Qualität wie "Pixar". Das Animationsstudio unter John Lasseter und Ed Catmull, welches mittlerweile ein Teil von Disney ist, hat mit Toy Story 1995 sein Langfilmdebüt gefeiert und ab da brach die Erfolswelle nie ab. Zwölf Oscars, sechs Golden Globes und knapp $7,8 Mrd weltweites Gesamteinspiel für die bisherigen 13 Filme (knapp $600 Mio pro Film) – die Zahlen sprechen eindeutig für sich. Weltweit assoziiert man Pixar automatisch mit hochwertiger Unterhaltung für Jung und Alt. Es ist auch kein Wunder, dass zwei Pixar-Filme (Oben und Toy Story 3) zu den ersten Animationsfilmen seit Die Schöne und das Biest wurden, die bei den Oscars sogar in der Kategorie "Bester Film" nominiert wurden. Jedes Mal, wenn man dachte, Pixar könnte sich nicht mehr toppen, wurde man vom Gegenteil überzeugt. So auch ich – anfangs hielt ich den Jubel und den überschäumenden Lob für übertrieben. Obwohl ich Toy Story 2 klasse fand, haben weder Die Unglaublichen noch Ratatouille mich so umgehauen wie die Kinogänger und die Filmkritiker weltweit. Erst WALL-E war es, der mich endültig davon überzeugt hat, welch talentierte Köpfe sich hinter Pixar verbergen und Oben hat dies nur weiter bestätigt. Was aber noch viel beeindruckender ist, ist dass sich Pixar in meinen Augen noch keinen Patzer geleistet hat. Wohlgemerkt, Cars 2 habe ich (wahrscheinlich unterbewusst aus Angst vor bitterer Entäuschung) noch nicht gesehen, doch den ersten Cars fand ich deutlich besser als seinen Ruf. Alles in allem, schließe ich mich mittlerweile den Stimmen an, die Pixar als ein Wunderwerk loben.

Dennoch werden so langsam die Stimmen laut, Pixar würde das verlieren, was das Studio erst so groß gemacht hat – Kreativität und den Trieb, Grenzen auszutesten und neue Maßstäbe zu setzen. Als Auslöser für die Vorwürfe dienen die vermehrt auftretenden Fortsetzungen von Pixar. Dazu muss man sagen, unter den ersten zehn Filmen von Pixar, nur ein Sequel zu finden war (Toy Story 2). Seit 2010 waren jedoch drei der vier Pixar-Streifen Fortsetuungen – Toy Story 3, Cars 2 und Die Monster Uni, der gerade die Spitze der deutschen und der US-amerikanischen Kinocharts inne hat. Wurde Toy Story 3 noch mit sehr viel Wohlwollen und Lob empfangen (darunter befand sich auch ein Oscar für den "Besten Animationsfilm"), stieß die Entscheidung, Cars 2 zu produzieren den Fans sauer auf. Schlielich galt der erste Cars gemeinhin als der schechteste Pixar-Film bislang (auch wenn ich diese Meinung nicht teile). Der Entschluss schien rein finanziell motiviert zu sein – schließlich hat der Cars Disney und Pixar Milliarden durch Merchandise eingebracht. Die Skepsis wurde bestätigt als Cars 2 als erster Film von Pixar deutlich mehr schlechte Rezensionen erntetete als gute. Seitdem konne Pixar in den Augen der Fans keinen wirklichen Überflieger landen. Auch wenn ich den letztjäghrigen Merida – Legende der Highlands toll fand, warfen viele dem Film vor, lediglich ein Disney-Abklatsch zu sein. Die Monster Uni wurde zwar mit soliden Kritiken begrüßt, löste jedoch keine Begeisterungsstürme aus wie Oben, WALL-E, Findet Nemo oder Ratatouille. Für November 2015 wurde bereits Findet Dory angekündigt und über ein Sequel zu Die Unglaublichen redet man sowieso schon lange. Wird Pixar jetzt dem Sequelwahn Hollywoods verfallen? Das war die Befürchtung der Fans.

An den Pixar-Bossen ging sie scheinbar nicht vobei, denn der Pixar-Präsident und Mitbegründer Ed Catmull möchte nun in einem Interview mit BuzzFeed den Fans versichern, dass Originalfilme weiterhin die Priorität von Pixar bleiben sollen.

"Aus künstlerischen Gründen…ist es sehr wichtig, dass wir einen Originalfilm pro Jahr machen. Hin und wieder kommt ein Film, bei dem wir oder die Zuschauer mehr von dieser Welt sehen wollen – das ist der Gedanke hinter einem Sequel. Sie wollen diese Charaktere, das heißt wir sind mit ihnen erfolgreich. Aber wenn man das immer weiter macht, dann macht man keine originellen Filme mehr." (aus dem Englischen)

Das bedeutet also nicht, dass die Fans ihre Hoffnungen auf Die Unglaublichen 2 vergraben müssen (ernsthaft, wann kommt endlich dieses Sequel?!). Das heißt lediglich, dass Pixar bei den Sequels etwas zurückschrauben möchte. Catmull wurde diesbezüglich noch präziser:

"Wir werden jedes Jahr einen Originalfilm haben und jedes zweite Jahr machen wir eine Fortsetzung. Das ist die grobe Idee." (aus dem Englischen)

Wenn man sich das genau durchliest, bedeutet das nicht zwingend, dass Pixar in absoluter Zahl weniger Sequels machen wird. Vielmehr erscheint es als würde Pixar einfach insgesamt mehr Filme machen (die Aussage lässt darauf schließen, dass es jedes zweite Jahr zwei Pixar-Filme geben wird). Scheinbar geht es mit dem Plan ab dem kommenden Jahr schon los. Dann kommt nämlich mit The Good Dinosaur ein neuer Originalfilm von Pixar in die Kinos. 2015 gibt es dann zum ersten Mal zwei Pixar-Streifen in einem Jahr – Inside Out und Findet Dory. Für die nächsten drei Jahre wurden ebenfalls schon Termine für die Pixar-Filme festgelegt. Im Juni 2017 kommt ein bisher unbetitelter Pixar Film über den Tag der Toten (Dia de los muertos). Jeweils im Juni und im November 2017 erwarten uns zwei weitere Pixar-Filme und im Juni 2018 noch einer. Man kann, nach Catmulls Aussage, also davon ausgehen, dass einer der 2017-Filme von Pixar ebenfalls eine Fortsetzung sein wird. Ich gehe fest von entweder Die Unglaublichen 2 oder Toy Story 4 aus. Ob sich aber so nicht auf Dauer ein Pixar-Overkill einstellen könnte? Wir werden sehen.