Mark Wahlberg im Interview: "Ich mache keine Filme wegen Kritikern."

0

Am 17. Juli startet "Transformers 4: Ära des Untergangs" in den deutschen Kinos – zu diesem Anlass hatten wir Gelegenheit, mit dem Hauptdarsteller Mark Wahlberg zu sprechen. Wahlberg gewährt Einblicke in sein Innenleben und spricht mit uns über seinen Umgang mit der harten Kritik an dem neuen Transformers-Film, seine Ambitionen in der Musikbranche, seinen nachgeholten High-School-Abschluß und was er über Deutschland denkt.


FILMFUTTER: Ihre Hand ist bandagiert. Haben Sie sich verletzt?

Mark Wahlberg: Das ist gar nichts. Eine alte Sportverletzung, die sich jetzt wieder gemeldet hat. Es ist nichts gebrochen, sondern die alte Wunde macht einfach wieder ein bisschen Ärger. Das Boxen hat mir das damals eingebracht. Kein Grund zur Sorge.

Wie gefällt Ihnen Ihr heutiger Aufenthalt in Berlin?

Ich liebe Berlin. Leider habe ich es bisher nur aus dem Hotelfenster und dem fahrenden Auto gesehen. Immer wenn ich hier bin ist mein Terminplan so voll, dass ich mir nichts ansehen kann. Auch dieses Mal: Ich war zwar gestern gut essen und werde heute nochmal gehen, aber abends muss ich abreisen, weil meine Frau nächsten Dienstag Geburtstag hat. Ich sehe also wieder kaum etwas von Deutschland. Ich würde theoretisch auch mal auf Urlaub hierher kommen, aber meine Frau sucht unsere Reiseziele aus und weil sie aus Florida kommt, mag sie eher karibisches Klima. Ich überhaupt nicht. Ich bin kein großer Strand-Typ. Wenn die Kinder ein bisschen älter sind, packe ich sie vielleicht ein und mache Urlaub hier.

Im "Transformers 4" sind Sie ein Vater, der seine Tochter beschützt – vor allem vor Jungs. Wie gehen Sie in dieser Hinsicht mit Ihren Töchtern um?

Ich bin in dieser Hinsicht verrückt. Noch schlimmer verrückt als meine Figur in "Transformers". Ich habe mit meinen Kindern viel Spaß, aber wenn es um meine Tochter und einen Jungen geht, dann hört für mich der Spaß auf (lacht). Ich habe da einen enormen Beschützerinstinkt. Ich meine: Jungs sind echte Idioten. Wenn es nach mir geht, dann sollten meine Töchter erst mit Jungs ausgehen, wenn ich unter der Erde liege.

Was macht einen guten Vater aus?

Für mich ist ein guter Vater in jeden Lebensbereich seiner Kinder involviert. Ich hatte einen Vater, der mich sehr geliebt hat, aber als meine Eltern sich getrennt haben, habe ich mit ihm nicht so viel Zeit verbringen können wie ich mir gewünscht hätte. Er hat enorm hart gearbeitet, um Essen auf den Tisch zu stellen. Er hat für mich und meine Geschwister gesorgt, aber mit involviert meine ich nicht finanzielle Versorgung. Ein guter Vater kümmert sich meiner Meinung nach vor allem auf emotionaler Basis. Er ist jemand, dem die Kinder vertrauen können, dem man alles anvertrauen und auf den man immer zählen kann.

Hat Ihr Vater Ihnen Männlichkeit vermittelt?

Ich war von genügend Männlichkeit umgeben. Ich hatte sechs Jungs um mich, meinen Vater und dann auch noch unseren Block. Dafür hat mein Vater mir etwas anderes vermittelt: Meine Liebe zum Kino. Wir haben damals oft Filme gesehen und er hat seine Leidenschaft dafür an mich weitergegeben.

Was lieben Sie so sehr am Film?

Grundsätzlich liebe ich das Geschichtenerzählen. Ich mag es, wie ein Film dich aus deinem Leben in eine andere Welt mitreißen kann. Man lernt dazu und wird mit anderen Kulturen, anderen Orten und Sitten vertraut gemacht. Das ist für mich die höchste Form von Kunst und Entertainment.

Zu welcher Art Filme hat Ihr Vater Sie mitgenommen?

Er hat mich zu Filmen mitgenommen, die für Kinder meines Alters absolut unangemessen waren. Keine Pornos, aber "Hard Times" war zum Beispiel der erste Film, den ich je gesehen habe. Ich war damals noch winzig. Die Kampfszenen haben sich damals tief in meinen Kopf eingebrannt.

Haben Sie Ihre Kinder zu "unangemessenen Filmen" wie "Transformers" mitgenommen?

Ja. Meine Kinder waren noch nie so stolz auf meinen Beruf. Ich finde aber nicht, dass "Transformers 4" in dieser Hinsicht unangemessen oder bedenklich ist. Es ist klar, dass die Leinwandgeschehnisse völlig irreal sind. Meine Kinder haben das sofort verstanden.

Wie ist es plötzlich von der Ein-Mann-Armee zum Vater gecastet zu werden?

Ich mag es, heute diese Art von Rollen spielen zu dürfen und ich habe kein Problem damit älter zu werden. Wo ich herkomme hat die Vaterrolle aber gar nichts mit dem Alter zu tun. Die Jungs sind da mit 35 schon Großväter. Was ich an meiner Rolle in "Transformers" am meisten nachvollziehen kann, ist übrigens sein Wunsch, die Tochter vor dem Fehler zu bewahren, den er selbst gemacht hat – in der High School ein Kind bekommen. Er will, dass sie die Schule beendet und studieren kann, bevor sie sich mit Jungs trifft.

Apropos Schule – Sie haben gerade die High School beendet, richtig?

Ja, ich habe vergangenen Juni meinen Abschluss gemacht. Die Schule abgebrochen zu haben war die Sache, die ich in meinem Leben mit am meisten bereut habe. Ich will nicht, dass meine Kinder zu mir kommen und mich fragen, warum sie die Schule zuende machen sollen, wenn ich es doch auch nicht getan habe. Ich musste aber nicht die Schulbank drücken, um den Abschluß nachzuholen. Während ich herum gereist bin, konnte ich die Kurse online machen und mir von einem Tudor helfen lassen. Die ganze Sache war gar nicht so leicht. Manche Dinge waren leichter als andere und manche waren als würde ich Chinesisch lernen. Aber jetzt habe ich zumindest die Option studieren zu gehen, wenn ich das gerne möchte. Vielleicht nehme ich ein paar Kurse am College oder studiere Filmwissenschaften.

Haben Sie Ambitionen, in die Regie zu gehen?

Absolut. Vor allem jetzt, wo ich zweimal mit Michael Bay zusammenarbeiten durfte. Wenn ich sehe, wie er sich auf dem Set bewegt, dann bekomme ich noch mehr Lust auf die Regie. Ich habe niemals jemanden getroffen, der mehr über jeden einzelnen Aspekt des filmischen Prozesses weiß als Michael. Ich habe mit tollen Regie-Talenten gearbeitet und von ihnen allen etwas gelernt, aber Michael ist ein Visionär. Es ist unglaublich, was er zum Leben erweckt. Dass diese Welten in seinem Kopf existieren und dann herausschießen, ist enorm.

Wie haben Sie auf das Rollenangebot für "Transformers" reagiert?

Michael hat mich persönlich gefragt, als wir "Pain&Gain" miteinander angesehen haben. Er fragte, ob ich Lust auf eine zweite Zusammenarbeit habe und ich habe ihm sofort zugesagt. Er hat mir erst später verraten, um was es geht. Ich habe mir dann das Pro und Contra überlegt und Pro hat eindeutig überwogen. Wir hatten eine tolle Zusammenarbeit hinter uns – er wusste, worauf er sich mit mir einlässt und ich habe ihm die Art von Charakter gegeben, die er nach "Pain&Gain" von mir erwartet hat.

"Transformers" hat auch eine kritische Seite. Wie sehen Sie selbst den technischen Fortschritt?

Ich kann den kritischen Aspekt nur bestärken. Wir haben heute großartige und sinnvolle Fortschritte zu verzeichnen, aber großartige Technik in den falschen Händen kann unglaublich gefährlich werden.

Sind Sie technisch versiert? Wie ist es zum Beispiel mit Autoreparaturen?

Ich bin eine Zeit lang einen alten Truck gefahren und habe oft in der Garage gearbeitet. Ich bin also ziemlich geschickt, was diese Art von Technik betrifft.

Im Film ist Ihre Figur Erfinder. Haben Sie je etwas erfunden?

Ich habe meine Karriere "erfunden". Meine ganze Zeit ist dafür drauf gegangen, das muss also reichen. Obwohl es Millionen von Dingen gibt, die ich gerne erfunden hätte. Das I-Phone zum Beispiel – dann wäre ich jetzt nicht hier (lacht). Eigentlich alles, das uns das Leben erleichtert.

In der Debatte Technik gegen Glaube – auf welcher Seite stehen Sie da?

Mein Glaube und meine Familie sind die wichtigsten Dinge in meinem Leben. Jemand hat mich heute schon gefragt, ob ich an Aliens glaube. Ich habe geantwortet: "Nein, ich glaube an Jesus." So einfach ist es für mich.

Auch im Film überragt die Menschlichkeit kritisches und technisches Moment…

Das menschliche Moment ist alles, worauf wir uns beim Geschichtenerzählen konzentrieren können, oder nicht? Das hat Michael mit "Transformers 4" wirklich gut gemacht, denn er hat einen Vater, der außergewöhnliche Dinge tut, um seiner Tochter das Leben zu retten. Der Ausgang soll Hoffnung geben.

Was sagen Sie zu der harten Kritik am Film?

Ich mache keine Filme wegen Kritikern. Ich mache jede Art von Film und bin mit jedem Genre einverstanden, aber obwohl ich immer hoffe, dass ein Film den Leuten gefallen wird, ist es nie das letzte Ziel. Manchmal mögen die Leute den Film, manchmal nicht und manchmal kommt etwas anderes dabei heraus als man sich erhofft hat, aber darum alleine sollte es einem Schauspieler nicht gehen. Man versucht das Bestmögliche daraus zu machen.

Sind Sie zu diesem Zeitpunkt Ihrer Karriere noch an Art-House interessiert?

Ja. Nach "Transformers" habe ich einen sehr kleinen Film gemacht. Das Projekt heißt "The Gambler" und ich spiele einen Literaturwissenschaftsprofessor, der mit ernstzunehmenden Suchtproblemen kämpft. Der Film könnte sich kaum mehr von "Transformers" unterscheiden: Es ist ein winziges, charaktergesteuertes Stück. Die Rolle hat mich als Schauspieler sehr herausgefordert. Hier sieht mich das Publikum von einer Seite, die man nicht von mir kennt. Ich habe den Film mitproduziert und stehe wirklich hinter dem Projekt, weil es eine großartige Geschichte erzählt. Ich habe selbst eine dramatische Vergangenheit, daher hat mir die Geschichte umso mehr gefallen.

Gibt es für Sie als Schauspieler einen Unterschied zwischen Art-House und Blockbuster-Projekt?

Schauspielerisch gehe ich alle Filme grundsätzlich auf die gleiche Weise an, aber natürlich ergeben sich auch mal Unterschiede. Mit "Transformers 4" hatte ich den großen Vorteil, dass Michael mich improvisieren lassen hat. Ich durfte den Chrakter zu meinem machen und ihn interessanter werden lassen. Trotzdem ist "Transformers" Michaels Vision, ich war nur für die Figur zuständig. "The Gambler" ist da aber etwas völlig anderes, weil ich hier in jeden Aspekt des Filmes eingebunden war.

Neben Ihren Filmprojekten sollen Sie gemeinsam mit Ihrem Bruder an einen Burgerladen in Berlin denken. Ist das wahr?

Absolut! Wir haben mit "Wahlburgers" ein aufsteigendes Unternehmen und wollen expandieren. Wir werden an vielen verschiedenen Orten eröffnen, nicht nur in Berlin. Wo wir auch eröffnen: Es wird ein Erfolg sein. Ich kenne meinen Bruder und das Projekt, daher bin ich sicher, dass das gar nicht schief gehen kann.

Apropos Bruder – Ihr Bruder Donnie würde Sie sicher noch immer gerne in die Musik entführen. Ist Ihre Musikvergangenheit für Sie wirklich endgültige Vergangenheit?

Ich habe mir gerade erst 2 Alben downgeloadet: Eins davon von Adele, das andere von Kanye West. Ich höre beide ununterbrochen an. Das eine am Tag und am Abend setze ich Kopfhörer auf und lasse mich von Adele in den Schlaf singen. Das ist das Äußerste, was ich heute mit Musik zu tun habe (lacht).

 

von Sima Moussavian