LOL (2012)

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ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

LOL, USA 201297 Min Mit: Miley Cyrus, Demi Moore, Ashley Hinshaw, Thomas Jane, Jay Hernandez, Ashley Greene, Gina GershonRegie: Lisa AzuelosFSK: Ab 12 JahrenKinostart: 31.05.2012Deutsche Website

Handlung

Lola (Miley Cyrus) ist eine ganz gewöhnliche 16-jährige Schülerin aus Chicago, die von ihren Freunden liebevoll Lol genannt wird. Nach den Sommerferien erfährt sie, dass ihr Freund Chad (George Finn) ihr in den Ferien nicht treu geblieben ist. Erzürnt und verletzt, lügt die jungfräuliche Lola ihm vor, sie habe in der Zeit auch einen One-Night-Stand gehabt. Doch damit fangen ihre Probleme erst richtig an. Ihr bester Freund Kyle (Douglas Booth), der mit Chad befreundet ist und mit ihm in einer Band spielt, macht offensichtlich, dass er auch Gefühle für sie hat. Auch bei ihrer besten Freundin Ashley (Ashley Hinshaw) ist das Liebesleben nicht ohne Probleme, denn sie hat sich schwer in den Mathe-Lehrer Mr. Ross (Austin Nichols) verknallt. Zu allem Überfluss wird die einst harmonische Beziehung zwischen Lola und ihrer alleinerziehenden Mutter Anne (Demi Moore) auf die Probe gestellt. Anne kann einfach nicht Anschluss zu der Facebook-Youtube-Generation ihrer Tochter finden. Zu allem Überfluss unterhält sie auch noch eine kaum geheime Affäre mit ihrem Ex-Mann (Thomas Jane), während ein Polizist (Jay Hernandez) ihr ebenfalls eindeutige Avancen macht. Turbulenzen sind also sowohl bei Mutter als auch bei Tochter vorprogrammiert!

Kritik

Was haben Michael Hanekes Funny Games, Ole Bornedals Nachtwache und Lisa Azuelos‘ LOL gemeinsam? Hauptsächlich ist es die Tatsache, dass es sich bei allen drei Filmen um nicht-englischsprachige Filme handelt, die in Hollywood von den eigenen Regisseuren noch einmal neuverfilmt wurden. In allen drei Fällen schneiden die Remakes auch schlechter ab als die Originalfilme, wobei es in Hanekes Film vor allem an schierem Mangel an Originalität liegt, da er Funny Games Bild-für-Bild neuverfilmte. Azuelos lässt sich bei ihrem zweiten Anlauf mit LOL mehr Freiraum, aber ein gelungener Film kommt dabei trotzdem nicht heraus.

Ein großer Unterschied zwischen diesen drei Filmen ist nämlich, dass der Originalfilm im Falle von LOL bereits kein großartiger oder bemerkenswerter Film war. Vielmehr war die Mischung als Komödie und Drama ein typischer Coming-Of-Age Teenie-Film, nur eben aus Frankreich. Schon das Original war ein absoluter Mainstream-Streifen. Diesem universellen Appeal verdankt er wohl auch die Entscheidung, den Film für das amerikanische Publikum erneut zu verfilmen. Zugleich war das Original dennoch unterhaltsam und mit Sophie Marceau in der Rolle von Lolas Mutter clever besetzt. Marceau erlange nämlich genau durch solche Art Filme (La Boum – Die Fete) große Berühmtheit. Der Film stellte für sie eine Art umgedrehte Rückkehr zu ihren Wurzeln dar. Diese amüsante Anspielung geht mit dem Casting von Demi Moore im Remake natürlich verloren. Dabei liefert Moore dennoch die überzeugendste Performance des Films ab, indem sie die Wärme, aber auch die Verwirrung der überforderten Mutter gut darstellt. Mit Cyrus hat sie auch eine solide Chemie, sodass man den beiden das Mutter-Tochter-Paar problemlos abkauft.

Leider entschieden sich die Filmemacher (wie schon im Original) dafür, sich auch diversen Nebencharakteren zu widmen, sodass die Beziehung zwischen Lola und ihrer Mutter nie über oberflächliche Eindrücke hinausgeht. Unglücklicherweise sind die Nebencharaktere hier noch weniger interessant als die nicht sonderlich spannenden Figuren aus dem französischen Film. Viel Platz wird Ashley Hinshaws Figur eingeräumt und so süß Hinshaw auch sein mag, so uninteressant und vorhersehbar ist ihr Charakter der besten Freundin. Bei ihr und bei den anderen High School Kids wird man nie das Gefühl los, Probleme von überprivilegierten Jugendlichen zu btrachten. Das macht die Charaktere nicht sonderlich sympathisch. Versuche durch einige Nebenhandlungen (Kyles Vater hält nichts von der Musiker-Karriere seines Sohnes) den Figuren mehr Tiefe zu verleihen scheitern kläglich. Auch die guten Schauspieler wie Thomas Jane, Gina Gershon und Fisher Stevens (die letzten beiden spielen Freunde von Lolas Mutter) werden in undankbaren Rollen verschwendet.

Miley Cyrus selbst macht eine passable Figur und schafft es immerhin, sich nicht zu blamieren. Man wird zwar nie den Eindruck los, auch bei ihr nur einen verwöhnten Teenager zu sehen, doch in den besten Momenten hat ihr Charakter genug Authentizität, dass man ihren Gefühlswirbel nachvollziehen kann. Leider sind diese Momente selten und für den größten Teil begnügt sich der Film mit Oberflächlichkeiten und schlecht getimten Versuchen, etwas Humor in die Sache reinzubringen. Das bereits im Original vorhandene zweckentfremdete Huhn ist auch hier wieder dabei und ist immer noch witzig. Doch die Klassenreise nach Frankreich (im Original fährt Lola mit ihrer Klasse nach England), die wohl eine Anspielung auf die französischen Wurzeln des Films sein soll, verkommt zu einer leicht peinlichen Ansammlung an überspitzten Klischees. Anbetung von der Jungfrau von Orléans und Schafshirn zum Abendessen für die amerikanischen Schüler ist sogar nach US-Massstäben zu albern. Umso überraschender ist es, dass ausgerechnet eine französische Regisseurin all diese Übertreibungen über das eigene Land serviert. Ansonsten wird der Ausflug nach Paris als exotischen Setting für Lolas erstes Mal (wo sonst, wenn nicht in der Stadt der Liebe?) und eine schnelle Vorstellung der berühmten Sehenswürdigkeiten der Stadt genutzt.

Schließlich ist der Film kein komplettes Desaster, aber es gibt keinen besonderen Grund, warum man sich diese generische Erwachsenwerden-Geschichte zu Gemüte führen sollte. In keinster Weise schafft er es, aus der nicht unerheblichen Masse ähnlicher Filme herauszustechen. Die Botschaft des Films über Kommunikationsprobleme der Facebook-Generation untereinander und zwischen den Generationen geht gnadenlos unter. Es reicht nicht nur jede Menge an Gesimse und Facebook-Chats zu zeigen, um dies auf den Punkt zu bringen. Doch alles andere hätte dem Film wohl mehr Tiefe gegeben als er verdient.

Fazit

LOL ist ein lauwarmes Remake eines bereits im Original nicht sonderlich herausragenden Films. Cyrus und Moore geben ein glaubwürdiges Mutter-Tochter Paar ab, doch gegen die Klischees und die Belanglosigkeit des Films kommen auch sie nicht an.

Trailer

https://youtu.be/r2QsUIDjgX4