Kiss the Cook – So schmeckt das Leben (2014)

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Kiss the Cook (2014) Filmkritik
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

Chef, USA 2014 • Laufzeit: 115 Min • Regie: Jon Favreau • Mit: Jon Favreau, Dustin Hoffman, Sofía Vergara, Scarlett Johansson, Robert Downey Jr., Oliver Platt, Bobby Cannavale, John Leguizamo, Emjay Anthony  • FSK: ab 6 Jahren. • Kinostart: 28.05.2015 • Deutsche Website

Dieser Film macht echt hungrig, aber leider auch nicht satt. Die Geschichte hat im Kern irgendwo Herz, wird aber völlig zur Nebensache, da sie von eigentlichen Nebensächlichkeiten überrannt wird. „Kiss the Cook“ ist astreiner Food-Porn, quasi eine Ode an das Kochen und das stets mitessende Auge. Eine Ode ist der Film auch an seinen Sponsor Twitter. Noch nie flogen so viele blaue Zwitschervögel über die Leinwand, um von dezenter Werbung und Product Placement zu einem nervigen, reinen Selbstzweck zu verkommen. Der Soundtrack ist zwar erste Sahne, aber auch hier hat man das Gefühl unter einer Schiffsladung von Dauerschleife an alten und neuen kubanischen Evergreens begraben zu werden. Bei all dem plakativen Ballast werden die Figuren weitestgehend monodimensional gezeichnet und eine interessante Geschichte gibt es eigentlich nicht. Diese würde dem Marketing von sozial Netzwerken und Instant-Messenger-Diensten auch nur im Wege stehen. Resultat: Völlig versalzen.

Kiss the Cook (2014) Filmbild 1Ihre Leidenschaft ist das Kochen. Chefkoch Carl Casper (Jon Favreau) und seine Mit-Köche Martin (John Leguizamo) und Tony (Bobby Cannavale) arbeiten für den Restaurantbesitzer Riva (Dustin Hoffman), der leider nur kreativlose Speisekarten runterkochen lässt. Früher waren Kritiker von Carl Casper mehr als angetan, doch als ein Star-Food-Blogger (Oliver Platt) Caspers Kochkunst im Internet verreißt, kündigt Casper mit einer Schimpftirade, die prompt im Internet landet. Schlimmer noch: Er äußert sich unglücklich via Twitter dazu. Der Ex-Freund seiner Ex-Frau (Sofía Vergara) namens Martin (Robert Downey Jr.) ist ein blasiertes Schlitzohr und überreicht Carl einen versifften Imbisswagen. Dieser wird aufgemotzt und Freunde als auch Familie packen bald alle mit an. Carl nimmt seinen Sohn Percy (Emjay Anthony) zusammen mit seinen Koch-Kumpels mit auf einen Road Trip durch die südlichen USA. Dabei kocht er sich von Stadt zu Stadt wieder in die Herzen der Kunden und kann vielleicht das Verhältnis zu Sohn und Ex-Frau aufpolieren.

Kiss the Cook (2014) Filmbild 2Willkommen beim Seminar „Social Media Marketing für Dummies“. Leider muss das dauernde Twitter-Gezwitscher erneut erwähnt werden, um den nervigen Überfluss zu verdeutlichen. Aber nun zu weiteren Gedanken: Der schale Beigeschmack bleibt irgendwie ständig erhalten. Will Jon Favreau auf der einen Seite die erdrückenden Fesseln des Künstlers zeigen, wenn er sich den Vorgaben und Konventionen von Arbeitgebern bzw. Geldgebern unterwerfen muss, so präsentiert er uns einen dermaßen abgerundeten Film ohne Ecken und Kanten, als würde er sichergehen wollen, dass seine Sponsoren mit dem Film nicht auch nur einen Millimeter um den Mainstream-Fraß herumessen. Diese Parabel auf Independent-Filme (oder überhaupt irgendwas Indie-mäßiges) erstickt sich somit selbst, bevor sie eine Wirkung entfalten kann. Zu einfach und konform sind ebenfalls die Antworten gestrickt, wenn es darum geht, eine zerrüttete Ehe zu kitten oder ein sich anbahnendes Entfremden zum Sohnemann abzuwenden. Mach etwas, wo du gut drin bist und der restliche Himmel klart auch auf. Ob Ich-AG wirklich die Abkürzung zum Glück ist, bleibt fraglich, da sie hier als Allzweckwaffe vorgeschlagen wird.

Kiss the Cook (2014) Filmbild 3Die Schauspieler bewegen sich alle im Mittelmaß. Das liegt an der geradlinigen Charakterzeichnung, die man dann nur schwerlich füllen kann. Carl wird dauerhaft als Sympathieträger hingestellt, der gegen die Widrigkeiten seines Alltages bestehen muss. Die Fehler liegen meist nicht direkt bei ihm, sondern die Umstände sind der Knackpunkt. Sein Sohn Percy bringt ihm schließlich bei, wie man Twitter nutzt. Der Nutzen dabei ist, dass die online Sympathie für den Food-Truck-Koch durch das Bild fliegt. Robert Downey Jr. liefert seine unangefochtene Fließbandware als eine Arroganz-Schleuder, da seinem Facettenreichtum eine weitere Nuance widerlicher, amüsanter, übersteigerter, narzisstischer Eitelkeit fehlte. Scarlett Johansson wird bäuerisch und plump als Sex-Appeal-Blickfang platziert. Es könnte ewig so weitergehen über die Hilfsköche oder Sofía Vergara als Ex-Frau. Der halbwegs kundige Kinogänger wird schon wissen, dass diese Figuren im ersten Fall nur dafür herhalten, während des Kochens One-Liner rauszuhauen und dass im zweiten Fall die Ex-Frau von anfänglichen Misstrauen zu Euphorie umschwenkt. Genug geschimpft. Was eine beschwingte Familienkomödie mit Herz hätte werden können, ist leider im Ergebnis mehr Selbstdarstellung und Product Placement als genussvolles Filmvergnügen.

Trailer