The Hangover Part III, USA 2013 • 100 Min • Regie: Todd Phillips • Mit: Bradley Cooper, Zach Galifianakis, Ed Helms, Justin Bartha, Ken Jeong, John Goodman, Heather Graham, Mike Epps • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 30.05.2013Deutsche Website

Handlung

Zwei Jahre nach den wilden Ereignissen in Bangkok ist Ruhe in das Leben der “Wolfsrudel“-Mitglieder eingekehrt – mit der Ausnahme des emotional volatilen Alan (Zach Galifianakis). Er setzt in Eigenregie seine Medikamente ab und lässt seinen unvorhersehbaren Impulsen freien Lauf. Als dann sein geliebter Vater (Jeffrey Tambor) plötzlich das Zeitliche segnet, fällt Alan in eine noch tiefere persönliche Krise, mit der seine verbliebene Familie nicht mehr zurechtkommt. Es liegt nun an seinen Freunden und Hangover-Leidensgenossen Phil (Bradley Cooper), Stu (Ed Helms) und Doug (Justin Bartha), ihm mittels einer Intervention zu helfen. Gemeinsam machen sie sich auf zu einem Road Trip zur vielversprechenden Reha-Einrichtung „New Horizons“ in Arizona. Sie kommen dort jedoch nie an. Unterwegs werden die Freunde von dem fiesen Gangster Marshall (John Goodman) und seinen mit Schweinemasken getarnten Schergen von der Straße gedrängt und überwältigt. Leslie Chow (Ken Jeong), der wahnsinnige, dauergeile, koksende Kriminelle hat Marshall vor einigen Jahren um Gold im Wert von 21 Millionen erleichtert. Jetzt ist er aus einem thailändischen Gefängnis entkommen. Aufgrund der besonderen Beziehung zwischen Alan und Chow, glaubt Marshall, dass das Wolfsrudel die besten Chancen hat, ihn aufzuspüren. Als Absicherung nimmt Marshall Doug mit. Alan, Stu und Phil haben nun weniger als 24 Stunden Zeit, um Chow samt Gold zu liefern, sonst muss ihr Kumpel daran glauben. Die Jagd nach dem labilen Katastrophenmagnet führt das Trio zunächst in die gefährliche Unterwelt von Tijuana und dann dorthin, wo alles begann – Las Vegas.

Kritik

Der erste Hangover-Film war ein Glücksgriff. Als er 2009 in die Kinos kam, hat sich Todd Phillips bereits mit Old School und Road Trip als Regisseur von derben, aber sehr lustigen Komödien profiliert. Kaum jemand hätte jedoch erwarten können, dass sein neuster Film so sehr den Nerv des Publikums treffen würde. Mit größtenteils (damals) wenig bekannten Darstellern (Mike Tyson war wohl der größte Star des Films) erweckte der Film im Vorfeld keine sonderlichen Erwartungen. Doch seine Rückwärts-Struktur, dank welcher die Zuschauer die ereignisvolle Nacht gemeinsam mit den Protagonisten entdecken konnten, hat tatsächlich dem Genre etwas Neues hinzugefügt und mit Zach Galifianakis als Alan ging scheinbar ein neuer Stern am Comedy-Himmel auf. Diese Struktur, die dafür sorgt, dass viele Lacher unerwartet um die Ecke kommen, ist aber zugleich auch dafür verantwortlich, dass der Film einen nicht sonderlich hohen Wiederanschauungswert hat. Erlebt man den Film aber zum ersten Mal, ist es ein Lachfest sondergleichen. Genau daran scheiterte auch sein Nachfolger. Es ist nicht so, dass die Gags an und für sich unlustig waren. Sie unterschieden sich ja nicht stark von denen, die im ersten Film so gut funktionierten, lediglich noch eine Spur derber und gemeiner. Man hatte aber das Gefühl, den Film bereits gesehen zu haben.

Hangover 3 Bild 3Wenn man Todd Phillips und seinem Hangover 3-Co-Autor Craig Mazin eins nicht vorwerfen kann, dann ist es die an Selbst-Plagiat grenzende Redundanz von Teil 2. Es war mutig, trotz mehr als einer halben Milliarde an weltweitem Einspiel, auf die Kritiker zu hören und mit dem Abschlussfilm der Trilogie einen ganz anderen Weg einzuschlagen. Dies ist zugleich auch das größte und vielleicht einzige Kompliment, das ich dem neuen, und hoffentlich letzten, Hangover-Film machen kann. Es gibt diesmal keinen „Hangover“ in der Haupthandlung, also keinen Katermorgen, an dem die Details der vergangenen Nacht vergessen sind. Es gibt keine Suche nach Indizien und niemand wurde unter Drogen gesetzt. Traurig, aber wahr: eben diese Elemente, die man dem zweiten Film noch vorgeworfen hat, schamlos von seinem Vorgänger abgekupfert zu haben, vermisst man in dem neuen Streifen. So ist ironischerweise der beste Gag des Films und der einzige Moment, der an den haarsträubenden Humor und den Esprit der beiden Vorgänger erinnert, gleichzeitig auch ein direkter Verweis auf diese. Da er aber leider erst im Abspann kommt, fühlt er sich beinahe fehl am Platze an, in diesem nahezu selbsthassenden, trockenen Film.

Hangover 3 Bild 5Genau genommen, hat Hangover 3 mit den ersten beiden Teilen lediglich seine Charaktere gemeinsam, obgleich Phillips und Mazin versuchen, mit dem neuen Antagonisten eine (ausgesprochen vage) Verbindung zum ersten Film herzustellen und so das Gefühl entstehen zu lassen, als würde sich ein Kreis schließen. Auch Heather Graham und Mike Epps hat man in völlig verschwendeten Kurzauftritten zurückgebracht, um sie dann auch möglichst schnell wieder verschwinden zu lassen. Der entscheidende Punkt bleibt aber, dass Hangover 3 nicht mehr gänzlich dem Komödiengenre zuzuordnen ist. Ja, Ihr habt richtig gelesen. Das zweite Sequel zu dem Film, der weltweit für Lachtränen und Zwerchfellschmerzen gesorgt hat, ist kaum noch eine Komödie. Damit meine ich nicht, dass er nicht lustig ist (wobei das auch hinzukommt). So sind beispielsweise Voll abgezockt und Ghost Movie immer noch reine Komödien, wenn auch der Humor hier komplett flach fällt. Mit Hangover 3 wagt Todd Phillips aber, nach der Kritik an dem zweiten Film, einen abrupten Genrewechsel hin zu einem Thriller/Road Movie mit einigen schwarzhumorigen Momenten. Leider hat man vergessen, ihm zu sagen, dass andres nicht automatisch gut ist. Denn von einer generischen Komödie wechselte Phillips zu etwas Anderem, aber nicht minder Generischen. So verbringt der Film den Großteil seiner Laufzeit damit, dass das Wolfsrudel dem umtriebigen Mr. Chow hinterherjagt, dabei in Luxusanwesen oder Hotelsuiten einbricht (Ocean’s Eleven und Mission: Impossible lassen grüßen). Doch auch diese Szenen sind so uninspiriert und beliebig inszeniert, dass man sich ständig fragt, ob der Regisseur und sein Team überhaupt Lust auf den Film hatten.

Hangover 3 Bild 2Die Antwort darauf scheint ein lautes „Nein“ zu sein. Man könnte meinen, dass Phillips, davon frustriert, wie erfolgreich der Vorgänger trotz eines Minimums an Kreativität war und dennoch nicht willens ein wahrscheinlich hohes Honorar für en letzten Teil abzulehnen, zum Abschied dem Publikum den Spiegel vorhält und/oder den Stinkefinger zeigt. Nur so lässt sich erklären, wie böswillig und dafür streckenweise völlig humorfrei der Film sich gibt. Anstatt gut angelegten Gagsequenzen mit einem Tiger oder einem Drogendealer-Äffchen, müssen im neuen Film alle Tiere dran glauben. Eine Giraffe verliert den Kopf, Kampfhähne werden erschossen oder langsam mit einem Kissen erstickt und Wachhunden wird der Hals umgedreht. Das Ganze wird mit sehr geringem nicht vorhandenem Humoranteil und dafür einer ausgesprochenen Wut ausgespielt. Auch mit seinen menschlichen Charakteren geht der Film nicht zimperlich um. Klar, auch in den Vorgängern wurden Zähne gezogen, Finger abgeschnitten und Gesichter tätowiert, doch stand das noch alles im Dienste der Komödie, werden hier Charaktere schlicht erschossen und es wird weitergemacht.

Hangover 3 Bild 1Ein weiterer Fehlgriff seitens der Macher war es, Ken Jeongs Mr. Chow zu einem ebenbürtigen Hauptcharakter zu machen. Manchmal ist weniger wirklich mehr und selten trifft der Sprich so sehr zu, wie im Falle von Jeong, dessen „spezieller“ Humor bereits im ersten Film auf dem schmalen Grat zwischen herrlich witzig und ausgesprochen nervig wanderte. Es dauert keine fünf Minuten, nachdem das Wolfsrudel ihn aufspürt, bis es klar ist, auf welche Seite des Grats sein Auftritt in Hangover 3 fällt. Dachten Mazin und Phillips wirklich an irgendeinem Punkt in der Planungsphase, dass Chow beim Karaoke oder mit einem Fallschirm durch Las Vegas gleitend, singend und seine Liebe zu Kokain lauthals schreiend in irgendeiner Art und Wiese die Zuschauer zum Lachen bringen würde? Fast ebenso schlimm trifft es Zach Galifianakis als Alan. War er im ersten Film noch die große Entdeckung, so hat man bereits im zweiten Tel sein ausgefallenes Verhalten so weit getrieben, dass man weniger von Exzentrizität und eher von Geisteskrankheit reden konnte. Diese Linie wird in Teil 3 konsequent weiterverfolgt. Nur zu blöd, dass ausgerechnet Jeong und Galifianakis die unumstrittenen Hauptcharaktere des neuen Films sind. Diese groteske Alan/Chow-Parade führt zu insgesamt weniger Lachern als der Abspann vom ersten Film. Lediglich die kurzen Szenen zwischen Galifianakis und Melissa McCarthy in ihrem Gastauftritt als eine Art „weiblicher Alan“ funktionieren blendend.

Hangover 3 Bild 4Der Rest der Besetzung ist nahezu irrelevant. Bradley Cooper, dessen zynische Kommentare im ersten Film noch so gut funktionierten, wirkt nur noch gelangweilt und spielt auf Autopilot. Nach saftigen Rollen in Silver Linings und The Place Beyond the Pines, in denen er sein schauspielerisches Talent eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, scheint er unmotiviert zu sein, wieder in die Hangover-Welt zurückzukehren. Ed Helms ist kaum besser, spielt er doch nur wieder den selben neurotischen, schnell panisch werdenden Zahnarzt, dessen neu gewonnener Mut am Ende von Teil 2 scheinbar schnell verflogen ist. Justing Bartha darf wieder den ganzen Film aussitzen. Ob das diesmal für ihn aber als Pech oder Glück zu werten ist, ist keine einfache Frage.  Einzig und alleine John Goodman bringt als Fiesling Leben in den Film und man hätte noch mehr von ihm sehen können. Aber könnte nicht eigentlich fast jeder Film mehr John Goodman gebrauchen?

Auch wenn Phillips den Helden ein harmonisches Finale verpassen möchte, welches das Gefühl aufkommen lassen soll, es handle sich um das Ende einer epischen Kinoreihe (dabei scheitert er ebenfalls auf ganzer Linie), kauft man es einfach nicht ab. Das hat sich die Reihe mit nur einem tollen Film gar nicht verdient. Eins muss aber auch ich an dieser Stelle  zugeben: nach Hangover 3 erscheint aber auch der 2. Film plötzlich in einem deutlich positiveren Licht. Und dann gibt es noch diesen Abspann…

Fazit

Wo ist der Humor hin? Mit Hangover 3 legt Todd Phillips einen mutigen, aber nahezu grotesken Richtungswechsel hin, der zwar die Redundanzvorwürfe des zweiten Teils gekonnt vermeidet, dafür aber statt einer Komödie den Zuschauern einen halbgaren Thriller mit gelangweilten Darstellern und einigen wenigen schwarzhumorigen Einlagen vorsetzt.

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