Goldene Kamera: Preisverleihung entlarvt sich mal wieder als Farce

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Am Samstagabend wurden in Hamburg bei der 51. Ausgabe der Goldenen Kamera wieder jede Menge Preise an Personen aus der Film- und Fernsehbranche verliehen. Ihr habt die Sendung nicht gesehen? Da habt ihr nicht wirklich viel verpasst. Alljährig selbstbeweihräuchern sich deutsche Stars für ihre Leistungen in den zumeist eindimensionalen, blutleeren und vor Wiederholung triefenden deutschen Weltkriegs- und DDR-Dramen, die von der eierlosen und vergreisten deutschen Filmförderung finanziert werden und seit jeher dem deutschen Genrefilm den Weg versperren. Die Sieger in den einzelnen Kategorien werden von einer gewiss hochqualifizierten Jury der Hörzu (ehemals Axel Springer-Verlag) auserkoren.

In der Kategorie bester deutscher Hauptdarsteller gewann Jörg Hartmann für seine Darbietung in der DDR-Dramaserie "Weissensee", als beste Hauptdarstellerin gewann Marion Simon für den Psychotrhiller "Silvia S. − Blinde Wut". Der ZDF-Fernsehfilm "Ein großer Aufbruch" über das sensible Thema Sterbehilfe bekam die goldene Kamera für den besten deutschen Fernsehfilm. Als beste Miniserie wurde mit "Deutschland 83" überraschenderweise erneut eine DDR-Dramaserie prämiert.

Bei den Preisverleihungen für die internationalen Kategorien behielt die Jury der Hörzu ihre bewährte Strategie der vergangenen Jahre bei: wer kommt, gewinnt! So erklärt sich auch, wie Gerard Butler die Auszeichnung als bester internationaler Darsteller gewinnen konnte, obwohl sein letzer Film aus dem Jahr 2013 datiert. Für welchen Film Butler letzlich ausgezeichnet wurde, erfährt man nämlich nicht. Er hat einfach gewonnen, weil er vorbeikam – eine übliche Praxis bei der Goldenen Kamera. Oder war die Jury etwa so gefesselt von Butlers letztem Leinwandauftritt in dem Actionthriller "Olympus Has Fallen" von vor drei Jahren, dass sie den Schotten kurzerhand (bzw. langerhand in Anbetracht der verstrichenen Zeit) mit dem Preis bedachten? Zugegeben, Butlers Rolle als Terroristen-Unschädlichmacher in jenem filmischen Meisterwerk, das ein völlig realistisches Szenario von einer Entführung des US-Präsidenten durch nordkoreanische Terroristen im weißen Haus zeichnet, war echt oscarverdächtig. Und trotzdem beschleicht mich der leise Verdacht, dass es vielleicht eher so ablief: der Hörzu-Praktikant telefoniert eine lange Liste von Hollywood-Agenten ab. Eine Absage reiht sich an die andere, und dann macht’s bei Nr. 86 schließlich klick: Gerard Butlers Agent versichert die Teilnahme seines Mandanten an der Zeremonie – freilich aber nur dann, wenn er auch den Preis erhielte.

Aber vielleicht ist das auch nur eine Verschwörungstheorie von mir und die Jury war tatsächlich sehr angetan von "Olympus Has Fallen". Oder hat man ihn gar rückwirkend für seine Traumleistung in "Tomb Raider 2" aus dem Jahr 2003 ausgezeichnet? Butlers Laudator Til Schweiger jedenfalls schwärmte in seiner Anrede von der gemeinsamen Zeit mit Butler während der Dreharbeiten zu der Videospieleverfilmung mit Angelina Jolie. Und falls die Jury in den nächsten Jahren keinen Hollywood-Star mehr finden sollte, kann man ja immer noch Til Schweiger den Preis hinterherwerfen, der nimmt garantiert den Hörer ab.

Nunja, zumindest bei den Damen gab man sich diesmal nicht der Lächerlichkeit bloß: Julianne Moore gewann den Preis als beste internationale Darstellerin, nachdem sie im vergangenen Jahr den wohlverdienten Oscar für ihre großartige Rolle im Alzheimer-Drama "Still Alice" einheimste. Geht doch. Den Ehrenpreis am denkwürdigen Abend gewann Hellen Mirren.

Hier geht’s zur kompletten Gewinnerliste

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