Fantasy Filmfest 2013 Tagebuch – Tag 4

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Fantasy Filmfest 2013 Reviews

Nach 16 Kinofilmen in drei Tagen (davon 12 beim Fantasy Filmfest) gönnte ich mir am Sonntag eine Verschnaufpause – es standen "nur" zwei Filme auf dem Programm. Einer davon wurde zu meinem bisherigen Favoriten der diesjährigen FFF-Ausgabe…

TAG 4

Sweetwater

Fantasy Filmfest 2013 Reviews - SweetwaterIn Sachen Western gibt es nicht mehr viel, was auf der Leinwand nicht bereits gesagt, gezeigt und erzählt wurde. Das diesjährige "Centerpiece" des Fantasy Filmfests, Sweetwater, ist dabei keine Ausnahme. Solide, aber nicht herausragend inszeniert, ist es ein kleiner Rache-Western mit einigen interessanten darstellerischen Leistungen, der aber keinen Fan des Genres vom Hocker reißen wird. Im Mittelpunkt des Films stehen drei Charaktere auf Kollisionskurs. Zum einen ist da ein rassistischer, selbstgerechter, religiöser Fanatiker, gespielt von Jason Isaacs, dem britischen Bösewicht vom Dienst. Dieser scheut nicht davor, alles und jeden, der ihm quer kommt, ins Jenseits zu befördern. Zum anderen gibt es den exzentrischen neuen Sheriff Cornelius Jackson (Ed Harris), der das Verschwinden zweier Reisender untersucht (deren Leben auf das Konto des Predigers gehen). Zu guter Letzt haben wir noch die von January Jones mit nur einem einzigen Gesichtsausdruck gespielte ehemalige Prostituierte Sarah, die sich auf einen Rachefeldzug begibt, nachdem der Prediger ihren Mann getötet und sie vergewaltigt hat.

Auch wenn im Mittelpunkt des Marketings bei Sweetwater Sarahs Rache steht, findet der Großteil dieser vor allem in der dritten Filmhälfte statt. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn Sweetwater ist sowieso interessanter, wenn er sich den Charakteren von Jason Isaacs und Ed Harris zuwendet. Isaacs gibt einen wahnsinnigen Bösewicht zum besten, der trotz all seiner Missetaten immer noch daran glaubt, ein Mann Gottes zu sein. Ed Harris wiederum erinnert in seiner nicht minder verrückten Performance sehr an den Charakter von Willem Dafoe in Der blutige Pfad Gottes. Wenn Harris und Isaacs auf der Leinwand sind, insbesondere in den wenigen gemeinsamen Szenen der beiden, dann erlebt der Film seine Höhepunkte. Das kann man von Jones' stereotyper kalter Rächerin nicht behaupten, was vor allen daran liegt, dass ihr die emotionale Vielschichtigkeit fehlt, um die Rolle interessant zu gestalten. Jones wirkt stets kühl und distanziert – egal, ob sie gerade vom Tod ihres Mannes erfährt, eine Fehlgeburt erleidet, vergewaltigt wird oder ihre Peiniger erschießt. Sie verändert sich nicht und macht es dem Zuschauer ungemein schwer, sich für ihren Charakter zu interessieren (auch die aufgezwungene Szene  mit ihrer Filmmutter ändert nichts daran). Dass man dennoch möchte, dass sie gewinnt, liegt vor allem daran, dass Isaacs den unangenehmen Bösewicht so überzeugend spielt, dass man ihn gerne bestraft sehen würde.

Ansonsten ist Sweetwater ein Western, wie er im Buche steht – mit weitläufigen Prärie-Aufnahmen und vielen rauchenden Colts. Zum Genre trägt er nichts Neues bei und als "Centerpiece" gehört er, über die letzten Jahre betrachtet, zu den schwächeren Vertretern, doch dank Isaacs, Harris und schönen Naturaufnahmen kann Sweetwater anspruchslose Western-Fans dennoch zufrieden stellen. 3/5

Big Bad Wolves

Fantasy Filmfest Reviews - Big Bad WolvesDas ist es, das erste wirklich große Highlight des diesjährigen Fantasy Filmfests. Nachdem Rabies von den Regisseuren Aharon Keshales und Navot Papushado  vom Publikum eher gespalten aufgenommen wurde, sollte Big Bad Wolves schon eher einhelliger Lob zustehen. Bei dem Film handelt es sich um ein perfides, über lange Strecken kammerspielartiges Stück, weches sich vehement dagegen sträubt, eindeutig einem Genre zugeordnet zu werden. Dabei klingt die Prämisse zunächst eher simpel. Ein junges Mädchen wird entführt. Ein Verdächtiger ist schnell gefunden – der harmlose, unscheinbare Schullehrer Dror. Dieser wird allerdings von einigen Polizisten auf eigene Faust misshandelt und muss deshalb freigelassen werden. Kurze Zeit darauf taucht die Leiche des Mädchens, kopflos und an einen Stuhl gefesselt, auf. Einer der Polizisten, die sich Dror geschnappt haben, wird suspendiert und macht sich auf, um aus Dror im Alleingang ein Geständnis zu erzwingen. Doch jemand kommt ihm zuvor – der Vater des Mädchens, ein Ex-Militär, entführt kurzerhand Dror und den Polizisten in ein Landhaus, wo der Lehrer nach allen Regeln der Kunfst gefoltert werden soll, bis er ein Geständnis ablegt.

An dieser Stelle noch mehr zu verraten, wäre eine Schande, denn Big Bad Wolves gehört zu der Sorte Film, bei der man im Vorfeld möglichst wenig dazu lesen sollte. Der Film lebt von seinen kleinen verrückten Einfällen und diversen Wendungen, die beinahe spontan wirken. Was an dem Film aber besonders auffällt, ist der pechschwarze Humor, mit dem der gesamte Film durchtränkt ist. Es ist Humor von der schwärzesten und bösesten Sorte, denn die wirklich harten Folterszenen lassen einem das Lachen mehr als nur einmal im Halse stecken. Doch bevor man sich versieht, lacht man wieder. Und ist dann wieder schockiert. Den Wechsel zwischen Folterhorror, Drama und schwarzer Komödie meistert Big Bad Wolves mit Bravour und ist womöglich der erste humorvolle Film, in dem die Entführung, Vergewaltigung und Ermordung eines kleinen Mädchens den Ausgangspunkt der Handlung bietet. Das klingt zunächst äußerst bizarr, absurd bis unangenehm. Doch es funktioniert, unter anderem dank dem tollen Schauspieltrio Lior Ashkenazi, Rotem Keinan und Tzahi Grad. Der Vater des Folterknechts, Dov Glickman, stiehlt mit seinem kurzen Auftritt allen die Show.

Big Bad Wolves schickt den Zuschauer gnadenlos durch ein Wechselbad der Gefühle. Wie auch der arme (?) Verdächtige, werden die Zuschauer hier nicht mit Samthandschuhen angefasst und der Streifen legt es darauf an, zu schockieren, im nächsten Moment zu amüsieren und dann schnell ein schlechtes Gewissen hervorrufen, weil man über schreckliche Sachen gelacht hat. Der Film hat sogar Zeit, mit einem scheinbar zufälligen Nebencharakter, auf humorvolle Art und Wiese auf das Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern anzuspielen. Vor allem bleibt aber Big Bad Wolves bis zur letzten Sekunden unvorhersehbar und versetzt dem Zuschauer in den letzten 10 Minuten mehr als nur einen Schlag in die Magengrube. Es leben die Wölfe! 4,5/5

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Bei der anstehenden Tag-5-Ausgabe des FFF-2013-Tagebuchs könnt Ihr Euch unter anderem auf Kurzkritiken zu Ben Wheatleys A Field in England und Stephen Sommers' Odd Thomas freuen.

Bisherige Ausgaben:

Tag 1

Tag 2

Tag 3