Fantasy Filmfest Nights 2016 – Unsere Vorschau

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Fantasy Filmfest Nights 2016

Schon wieder ist ein Jahr rum. Diesen Monat ziehen die Fantasy Filmfest Nights wieder ihre Spur durch sieben deutsche Städte (nachdem Hamburg aufgrund unglücklicher Umstände bei den neu eingeführten White Nights im Dezember außen vor gelassen wurde) und bringen ein hochinteressantes Programm mit sich. Das Angebot der Fantasy Filmfest White Nights war trotz 2-3 Highlights insgesamt eher enttäuschend, doch es gibt bei jedem langjährigen Festival Höhen und Tiefen. Angesichts des Lobs, die diverse Filme der Fantasy Filmfest Nights 2016 im Vorfeld schon eingeheimst haben, kann man mit gutem Recht darauf hoffen, dass das Programm die White Nights weit übertreffen wird.

Auch dieses Jahr werde ich natürlich in Tagebuch-Form (und mit einigen Langkritiken) von den Nights berichten. Für mich wird es bereits der 10. Besuch bei den FFF Nights sein und der 23. bei einem Event des Fantasy Filmfests insgesamt. Auch wenn ich natürlich jedes Jahr auf Leute treffe, die schon deutlich länger dabei sind, kann ich mich so langsam auch zu den alten Hasen zählen. Ermüdungserscheinungen kommen aber auch nach all den Jahren keineswegs auf und ich bin jedes Mal wieder aufs Neue im Vorfeld aufgeregt und voller Vorfreude darüber, umgeben von Gleichgesinnten Filme abseits des großen Mainstream zu sehen. Dass auch einige Nieten (oder im Festival-Jargon "Gurken") dabei sind, ist unvermeidlich, gehört aber auch dazu. Ich habe es jedenfalls noch nie bereut, einen Film beim Festival gesehen zu haben, unabhängig von dessen Qualität. Es mag vielleicht überhypt klingen, doch diese Nights haben tatsächlich die Chance, zu den besten in der Geschichte der Veranstaltung zu gehören. Zwei der insgesamt elf Filme im Angebot habe ich nämlich schon gesehen und war von beiden restlos begeistert. Das sind schon sehr gute Grundvoraussetzungen, insbesondere, da die meisten der restlichen neun auch sehr interessant klingen.

Die Fantasy Filmfest Nights 2016 finden am 2.-3. April in München und Nürnberg statt, am 9.-10. April in Köln, Berlin und Stuttgart und beenden ihre Tour am 16.-17. April in Hamburg und Frankfurt. Alle Informationen zum Vorverkauf, den Spielzeiten und den Stargästen findet Ihr hier auf der offiziellen Website des Festivals.

In unserer folgenden Vorschau präsentieren wir alle elf Filme der Fantasy Filmfest Nights 2016, samt deren Trailern.

Emelie

Fantasy Filmfest Nights 2016 EmelieSpätestens seit John Carpenters Halloween bilden Babysitter die Basiszutat vieler Horrorfilme und Psychothriller. Meist sind sie Opfer von Serienkillern oder finsteren, übernatürlichen Mächten, doch gelegentlich wird der Spieß auch umgedreht und die eigentliche Gefahr geht von den Babysittern aus. Die starke Wirkung auf die Zuschauer liegt dabei darin, dass es (in der Regel) Frauen sind, die auf das Wertvollste in dem Leben einer Familie aufpassen – ihre Kinder. In Filmen wie Die Hand an der Wiege und William Friedkins Das Kindermädchen terrorisierten Babysitterinnen aus der Hölle die Familien. In dieser Gesellschaft würde sich auch die Titelheldin von Emelie wohl fühlen. Gespielt von Sarah Bolger, die wir letztes Jahr bei den Nights noch als Protagonistin in The Lazarus Effect sahen, ist Emelie auf den ersten Blick die coolste Babysitterin überhaupt. Sie springt kurzfristig ein und rettet den Thompsons ihren Pärchenabend, nachdem das eigentliche Kindermädchen abgesagt hat. Die drei Kinder finden sie auf Anhieb cool, denn sie ist fröhlich, liebenswürdig und lässt sie gegen die strengen Regeln der Eltern verstoßen. Doch wenn ihr Benehmen zunehmend seltsamer und unheimlicher wird, geht dem ältesten Sohn Jacob auf, dass Emelie etwas Finsteres im Schilde führt und nun muss er seine beiden Geschwister  beschützen.

In den USA erntete der Film schon viele positive Kritiken, die vor allem Sarah Bolgers intensive und unberechenbare Performance loben. Das Konzept klingt sehr simpel und zugleich effektiv. Ich würde mit Emelie kein neues Thriller-Meisterwerk erwarten, erhoffe mir jedoch kurzweilige und spannende 80 Minuten

Green Room

Fantasy Filmfest Nights 2016 Green RoomIn Green Room spielt Patrick Stewart einen gefährlichen Neonazi. Mehr muss man eigentlich nicht sagen, um den Film schmackhaft zu machen, oder? Wer doch mehr wissen will, dem sei gesagt, dass Green Room der neue Film von Jeremy Saulnier ist, dessen Blue Ruin vorletztes Jahr ein absoluter Geheimtipp und die größte Überraschung beim Fantasy Filmfest war und in bester Weise an die Frühwerke der Coen-Brüder erinnerte. Glaub man den Vorschusslorbeeren von diversen US-amerikanischen Filmfestivals ist ihm mit Green Room ein mehr als würdiges Zweitwerk gelungen. Anton Yelchin (Star Trek) spielt darin den Frontmann einer erfolglosen Punkband, die nach einem Konzert in einem Kaff in Oregon Zeuge eines brutalen Mords wird. Da die dafür verantwortlichen Neonazis, angeführt vom diabolischen Patrick Stewart, keine Zeugen gebrauchen können, werden die Bandmitglieder zur Zielscheibe und verschanzen sich im Green Room des Clubs. Es wird eine lange Nacht, die nicht alle unbeschadet überstehen werden…

Mit geringen Mitteln zeigte Saulnier bei Blue Ruin bereits, dass ein großartiger Filmemacher in ihm steckt. Bei Green Room hatte er dann nicht nur mehr Geld zur Verfügung, sondern mit Stewart, Yelchin und der süßen Imogen Poots, die an Yelchins Seite im Fright-Night-Remake schon zu sehen war, auch eine namhafte Besetzung, die im Film zur Hochform auflaufen soll. Für mich gehört Green Room im Vorfeld auf jeden Fall zu den großen Highlights des diesjährigen Angebots.

Hardcore

Fantasy Filmfest Nights 2016 HardcoreMeine ausführliche Kritik zum hyperenergischen First-Person-Actioner Hardcore könnt Ihr bereits hier nachlesen. In den Genuss des vielleicht besten reinrassigen Actionfilms seit Jahren kommen nur die Festivalbesucher in München, wo der Film im Rahmen eines Special Screenings am Samstag, den 2. April in Anwesenheit des Regisseurs Ilya Naishuller gezeigt wird. Doch keine Sorge, Hardcore startet schon am 14.04. regulär in den deutschen Kinos. Zur Handlung muss man eigentlich nicht viel sagen. Der Protagonist, durch dessen Augen wir in bester Ego-Shooter-Manier den gesamten Film erleben, wacht ohne jegliche Erinnerungen als eine Art RoboCop in einem Labor auf, wird von seiner Ehefrau (an die er sich ebenfalls nicht erinnern kann) begrüßt, die just von einem machtbesessenen und telekinetisch begabten Albino-Bösewicht entführt wird. Mithilfe eines mysteriösen Fremden (brillant: Sharlto Copley) setzt Henry Himmel und Hölle in Bewegung und ballert sich durch ganz Moskau, um seine Holde zu retten. Der hyperaktive ADHS-Stil des Films mit einer gehörigen Portion Wackelkamera wird nicht Jedermanns Geschmack sein, doch wer einen in seinem Gewaltgrad kompromisslosen und sehr innovativen Actioner sehen will, sollte sich nicht die Gelegenheit entgehen lassen, Hardcore auf der Leinwand zu erleben.

High-Rise

Regisseur Ben Wheatley ist mittlerweile Dauergast beim Fantasy Filmfest und hat mit jedem seiner Filme – der knallharten und komplexen Kill List, der bitterbösen Komödie Sightseers und dem halluzinogenen Trip A Field in England – die Zuschauer gespalten. Für seine Filme finden sich sowohl leidenschaftliche Befürworter als auch sehr ablehnende Gegner. Wie auch immer man seine Filme findet, sie lassen einen nicht kalt. Ich war von seinem bisherigen Werk durchweg begeistert und laut meinem Kollegen Hardy enttäuscht auch sein neuster Film High-Rise (Kritik) nicht. Mit Marvel-Star Tom Hilddeston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans und Elisabeth Moss hat diese Adaption von J.G. Ballards dystopischem Roman auf jeden Fall die größte Starbesetzung von all seinen Filmen. Hiddleston spielt darin Dr. Robert Laing, der auf der Suche nach Abgeschiedenheit und einem Neuanfang in ein luxuriöses Hochhauskomplex zieht und sich dort dem exzessiven Leben von Partys und Sex hingibt, bis die gesellschaftliche Ordnung innerhalb des High-Rise völlig aus dem Ruder gerät…

The Lobster

Fantasy Filmfest Nights 2016 The LobsterDer vermutlich schrägste Film des diesjährigen Programms handelt von einer Zukunft, in der Single-Dasein inakzeptabel ist. Wer plötzlich ohne Lebenspartner dasteht, zieht in ein Luxushotel, in dem er oder sie 45 Tage Zeit hat, einen Seelenverwandten zu finden. Schafft man es nicht in dieser Zeit, wird man in ein Tier der eigenen Wahl verwandelt. Ja, Ihr hab es richtig gelesen. Findet man keinen Partner, wird man zu einem Hund, einer Kuh oder eben einem Hummer, den Colin Farrels Figur beim Einzug ins Hotel als Wunschtier angibt. Man kann seinen Aufenthalt und die Zeit für die Suche nach dem perfekten Partner auch verlängern, indem man in den Wäldern mit Betäubungsgewehren wild lebende Singles jagt, die gefangen genommen und sofort in Tiere verwandelt werden. Liest man diesen Plot zum ersten Mal, gibt es dafür ein fettes WHAT THE FUCK?, doch der Film des griechischen Regisseurs Yorgos Lanthimos (Dogtooth), der bei den Filmfestspielen von Cannes letztes Jahr den begehrten Preis der Jury gewann, funktioniert in seiner eigenen, verdrehten Welt als emotionale Beziehungsparabel, in der die Liebe schließlich über alle äußeren Regeln triumphiert. Ich habe den Film bereits vor einigen Monaten sehen dürfen und kann jetzt schon sagen, dass er für alle anderen Beiträge dieses Jahr die Messlatte sehr hoch legt. Ihr werdet vermutlich keinen schrägeren Film bei den Fantasy Filmfest Nights 2016 sehen, aber vielleicht auch keinen Besseren.

Auf Seite 2 setzen wir unsere Vorschau mit Hexen, Zombies und Endzeitstimmung fort.