Elysium (2013)

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Box-Office USA - 9.-11.08.2013 Zusammenfassung und Analyse
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
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Elysium, USA 2013 • 109 Min • Regie & Drehbuch: Neill Blomkamp • Mit: Matt Damon, Jodie Foster, Sharlto Copley, William Fichtner, Diego Luna, Alice Braga, Wagner Moura• FSK: ab 16 • Kinostart: 15.08.2013

Neill Blomkamp war im Jahr 2009 ein gefragter Mann: dem ehemaligen Live-Action-Kurzfilmregisseur gelang mit seinem Kinodebüt "District 9" ein Kassenschlager, der von Zuschauern und Kritikern unisono positiv rezipiert wurde. Bei einem überschauberen Budget von 30 Mio. Dollar für einen verhältnismäßig aufwändigen Science-Fiction-Film, der seine Kosten mehrfach wieder einspielen konnte, war relativ schnell klar, dass sich der junge Südafrikaner bei der Finanzierung seines nächsten Filmprojekts keine Gedanken mehr machen musste. Mit großzügigem Budget von 115 Mio. Dollar begünstigt und routinierten Hollywood-Darstellern wie Matt Damon, Jodie Foster, William Fichtner und Diego Luna an Bord, versucht Blomkamp mit seinem aktuellen Dystopie-Thriller "Elysium" den Vorschußlorbeeren seines Erstlingswerks gerecht zu werden.

Die Welt im Jahr 2154 ist eine Zweiklassengesellschaft: die Erde ist nur noch ein dreckiger, heruntergewirtschafteter Morast, der den Bodensatz der Menschheit beherbergt: die Arbeiter. Auf der Raumstation Elysium hingegen, eine Wohlfühloase mit fortgeschrittener medizinischer Versorgung, die nahezu alle Krankheiten heilen kann, hausen die Eliten der Menschheit: die Superreichen, die Politiker und die Geschäftsleute. Inmitten der sozialen, von Robotern kontrollierten Barberei auf der Erde fristet Max (Matt Damon) sein Dasein, ein aufsäßiger Arbeiter mit langem Vorstrafenregister. Doch dann überschlagen sich für ihn die Ereignisse: nachdem er seine Jugendliebe Frey (Alice Braga) wiederfindet, verunglückt er auf der Arbeit in einer Fabrikanlage und wird radioaktiv verstrahlt. Dem Tode geweiht, setzt er alles daran, um mit Hilfe des Cyber-Kriminellen Spider (Wagner Moura) nach Elysium zu gelangen, um sich dort zu kurieren und sein Leben zurückzuholen. Doch dafür muss er es mit Elysiums unerbittlicher Ministerin für Verteidigung Delacourt (Jodie Foster) und ihrem sadistischen Söldner Kruger (Sharlto Copley) aufnehmen.

weltraumstation_elysium"Elysium" zeigt die dystopische Welt von Blomkamp aus der Perspektive von Max, einem ganz gewöhnlichen Kerl aus der Arbeiterklasse, der sich ein bisschen schwer tut mit Autoritäten. Zumindest ist das der erste Eindruck, den man von ihm bekommt, doch anstatt die Illusion zu erhalten, dass ein Allerweltsmann wie er die Welt verändern kann, entscheidet sich der Film für eine spirituelle Richtung und versucht uns im weiteren Verlauf in zahlreichen Flashbacks, die uns Max' Kindheit zeigen, einzureden, dass Max eine Art Auserwählter ist, der die sozialen Probleme in Neill Blomkamps Zukunftsvision lösen soll. Diese bedeutungsschwere Botschaft hätte es gar nicht gebraucht, sie blockiert vielmehr den Zugang zu Max, der sich durch die nüchtern-distanzierte Figurenzeichnung ohnehin schon schwer tut, den Zuschauer für sich einzunehmen. Dieser Umstand ist ein wenig bedauerlich, denn Neill Blomkamp, der sich ebenfalls für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, hat Max durchaus als vielschichtigen Antihelden angelegt, der zunächst aus purem Eigensinn handelt, als er beispielsweise ablehnt, der todkranken Tochter seiner wiederentdeckten Jugendliebe Frey zu helfen.

Umso mehr überzeugt Max' Gegenspieler Kruger, ein dreckiger, kaltblütiger Söldner, der mit äußerst harten Bandagen Erdenbürger bekämpft, die nach Elysium fliehen wollen. Sharlto Copley, der in "Disctrict 9" noch in die Rolle des Antihelden schlüpfte, geht in der Rolle des Psyhopaten regelrecht auf: er darf herrlich verrückt, sadistisch und emotionslos zu Werke gehen und sorgt für ein starkes Gegengewicht zu Matt Damon. Jodie Foster spielt Ministerin Delacourt, eine Hardlinierin, die bei dem Klassenkampf-Szenario am längsten Hebel sitzt und mit einem Putschversuch die Kontrolle über Elysium an sich reißen will. Routiniert spielt sie ihren Part runter, bleibt uns dabei aber den Superschurken schuldig, den stattdessen viel eher Copley verkörpert. Alles in allem sind aber alle Figuren etwas zu holzschnittartig und fallen in die üblichen Schwarz-weiß-Raster zurück.

Die Effekte von Elysium sind erwartungsgemäß das Prunkstück des Films und tragen Blomkamps Erfahrungen als Grafiker für Visuelle Effekte Rechnung. Das Design der Raumstation Elysium sieht sehr hübsch aus und schafft mit seinen luxuriösen Bauten und seinen piekfeinen Bewohnern einen angemessenen Kontrast zu den schmutzigen, überbevölkerten Slums auf der Erde. Die Action-Szenen sind flott geschnitten und bieten jede Menge Abwechslung, eine Affinität zur Wackelkamera vorausgesetzt.

Die Story schleppt sich dahingegen sehr mühsam von einem Plotpoint zum nächsten und steuert mit aufgesetzten Scheuklappen und einem trivialen Held-rettet-die-Welt-Szenario geradewegs auf sein Ziel zu. Das wäre auch halb so wild, wenn Neill Blomkamp die minimalistische Story, die den Zuschauer über vieles im Unklaren lässt, etwas mehr ausgebaut hätte. Ein paar Minuten mehr Film, um seinen Erzählkosmos etwas mehr zu konkretisieren und dabei die Figuren präziser zu zeichnen, hätten sicher nicht geschadet. War "District 9" noch eine intelligente Sozialkritik, die gleichzeitig optische Reize setzte, drückt sich Elysium vor den wichtigen sozialen Fragen und legt das Augenmerk auf seine optische Brillanz. Zurück bleiben kratergroße Logiklöcher – in etwa vergleichbar mit Michael Bays "Die Insel". Blomkamp muss sich den Vorwurf gefallen lassen, seine düstere Zukunftsvision nicht zu Ende gedacht zu haben. Beispiel: Welchen Sinn hat die angepeilte Machtergreifung von Elysium? Sollen alle Menschen von dem überbevölkerten Planeten auf die kleine Weltraumoase Elysium umgesiedelt werden? Wenn die Erde jetzt schon überbevölkert ist, was wird erst passieren, wenn alle Menschen aufgrund der medizinischen Technologie auf Elysium nahezu unsterblich werden? Fragen, die wohl im Blockbuster-Kino keinen Platz mehr haben.

Fazit

Interessanter Ansatz, teilweise holzschnittartige Figuren, Story nach bewährtem Gut-Böse-Schema ohne Tiefgang, herausragende Effekte und krachende Action. Elysium bleibt gefangen in der Blockbuster-Falle und ist nicht viel mehr als gehobener Durchschnitt.

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