Pitch Perfect 2-Regisseurin und Star Elizabeth Banks im Interview

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Elizabeth Banks Interview Pitch Perfect

Liebe Filmfutter-Fans,

wir sind beim Finale und meinem persönlichen Highlight unserer Interviewreihe zu Pitch Perfect 2 angelangt. Ohne diese Frau hätte es die Pitch-Perfect-Reihe gar nicht gegeben und nachdem sie gemeinsam mit ihrem Ehemann den ersten Film produziert hat, machte sie bei Teil 2 einen großen Schritt und übernahm erstmals in ihrer Karriere auch die Regie. Die Rede ist von Multitalent Elizabeth Banks, deren gelegentlich unterschätztes Talent mir bereits vor einem Jahrzehnt erstmals aufgefallen ist. Die meisten Kinogänger werden sie heutzutage als die schrille, aber gutherzige Effie Trinket aus Die Tribute von Panem kennen oder vielleicht von ihren Nebenrollen in "30 Rock" oder "Scrubs". Ihr Durchbruch gelang ihr mit ihrem kurzen, aber unvergesslichen Part in Jungfrau (40), männlich, sucht…. Kurz darauf spielte sie die Hauptrolle im kultigen Horrorfilm Slither. In drei Spider-Man-Filmen flirtete sie mit Tobey Maguires Peter Parker, in Kevin Smiths lustigem und warmherzigem Film Zack and Miri Make a Porno drehte sie ein Amateurporno mit Seth Rogen. Trotz Karriereerfolg blieb Banks meist im Hintergrund, entweder in markanten Nebenrollen oder in Hauptrollen eher kleinerer und leider weniger erfolgreicher Filme.

Als Produzentin und nun auch Regisseurin könnte es für sie allerdings kaum besser laufen. Pitch Perfect und dessen Fortsetzung sind phänomenale Erfolge, ein dritter Teil ist bereits in Planung und es würde mich wundern, wenn Banks nicht bald zu einer gefragten Regisseurin in Hollywood werden würde. Auch vor der Kamera zeigt sie in beiden Teilen als A-cappella-Wettbewerbsmoderatorin an der Seite von John Michael Higgins Einsatz und bringt auch in diese kurze Rolle den Humor und die unwiderstehliche Ausstrahlung ein, für die ihre Fans sie schon lange lieben.

In unseren Interview sprach die sehr energetische und von ihrer Arbeit begeistert schwärmende Schauspielerin über den Humor ihrer Filme, verrückte Ideen für Pitch Perfect 3, ihre Rolle in Magic Mike XXL und über…ähm…Vaginas. Lest selbst:

Filmfutter: Glückwunsch zu einem wirklich gelungenen Film! Fortsetzungen sind eine schwierige Angelegenheit. Einerseits will man den Zuschauern das gleiche, vergnügliche Erlebnis bieten, das sie beim ersten Mal hatte, aber andererseits will man ihnen nicht einfach nur eine Kopie des ersten Films geben, denn dann sind sie enttäuscht. Wie bekommt Pitch Perfect 2 diese Balance hin?

Elizabeth Banks: Ein wichtiges Ziel für uns war es, mehr von der Welt von a cappella zu zeigen. Der erste Film war eine eher kleine Geschichte von einer kleinen College-Band, die gegen eine andere College-Band antrat. Es war wirklich Mädels gegen Jungs und die Geschichte wurde aus Anna Kendricks Sicht erzählt. Man traf all die Charaktere, die sie auch traf. Beim zweiten Film haben wir uns entschieden, dass wir es uns verdient haben, auch anderen Figuren mehr Spielraum zu geben. Wir mussten nicht mehr erklären, was a cappella überhaupt ist. (lacht) Wir mussten auch die Band nicht mehr zusammenstellen. Wir haben diese zusätzliche Zeit also genutzt, um die Welt des Films zu öffnen. Das Thema von Pitch Perfect 2 ist es, die Uni zu verlassen, in die weite Welt zu gehen, Erwachsene zu treffen. Es geht um junge Frauen, die erwachsen werden und mit dem Erwachsenendasein konfrontiert werden. Also haben wir den Film auch mit deutlich mehr erwachsenen Figuren bevölkert: Bosse, professionelle a-cappella-Teams, man sieht auch mehr von John und Gail (Anm. der Red.: Figuren, die von John Michael Higgins und Elizabeth Banks gespielt werden).

FF: Möchtest Du eines Tages auch einen Film inszenieren, der nicht jugendfrei ist?

EB: Nun, wir haben für die ersten beiden Filme ursprünglich keine Jugendfreigabe bekommen und mussten etwas zurückschrauben. Wir gehen gerne an die Grenze, überschreiten sie ein wenig und gehen dann zurück.

FF: Also welche Gags mussten der Zensur zum Opfer fallen?

EB: Beispielsweise die Szene mit Rebels (Wilson) Vagina am Anfang. Wir mussten die Szene auf mehrere Weisen drehen, um herauszufinden, was man zeigen darf, was man nicht zeigen darf, ob man es verpixeln kann. Dann war da noch die Frage, wie häufig man überhaupt „Vagina“ sagen darf, ohne eine höhere Altersfreigabe. Nicht so häufig, wie sich herausstellte. Sie haben sehr viel Angst vor der Vagina und wir mussten einige Erwähnungen davon zensieren. (lacht)

FF: Das ist lustig, weil der erste Film in Deutschland ohne Altersbeschränkung freigegeben ist.

EB: Nun ja, ihr habt wohl kein großes Problem mit Vaginas, schätze ich. (lacht)

FF: Es gefällt mir, dass die beiden Filme sich etwas mehr trauen in ihrem Humor, als man es von solchen Filmen erwarten würde.

EB: Ich denke einfach nicht, dass es sonderlich interessant ist, auf Nummer sicher zu gehen. Es ist ein Film über eine Gruppe von Außenseitern und eine Sache, die die Zuschauer an den Filmen mögen, ist ihr überraschender Ton. Es ist nicht einfach ein Film über junge, singende Mädchen. Die Charaktere sind real und zugleich auch wirklich ausgefallen.

FF: Dein Ehemann (Max Handelman), der den Film auch mitproduziert hat, erzählte mir, dass obwohl viele Schauspieler als ihr erstes Regieprojekt einen kleineren, Independent-Film bevorzugen, er wirklich wollte, dass Du direkt mit etwas Größerem loslegst. Hast Du davor einen kleineren Film in Betracht gezogen?

EB: Ich habe aktiv nach einer Regiearbeit seit etwa fünf Jahren gesucht und eine Zeitlang sollte ich ein Drehbuch zu einem kleineren Film inszenieren. Es hatte auch eine weibliche Protagonistin und war sehr lustig. Vieles davon hängt vom Timing ab. Man fragt die Schauspieler immer, warum sie nicht häufiger Regie führen und die Wahrheit ist, dass wir als Schauspieler ein schönes Leben haben. Es gibt einen Grund, weshalb Ben Affleck in seinen eigenen Filmen mitspielt. Wenn man ein Jahr seines Lebens an einen Film opfert, dann kann man da genau so gut auch mitspielen und die eigene Schauspielkarriere weiter vorantreiben. Als Familie haben wir uns die Zeit genommen, um diesen Film zu machen. So oder so wäre ich nach Louisiana gegangen, also konnte ich genau so gut auch Regie führen.

Elizabeth Banks Interview 1

FF: Hast Du Dich schnell an Deine neuen Verpflichtungen, wie das Casting anderer Schauspieler, gewöhnt?

EB: Ich habe in Vergangenheit schon Versionen dieses Jobs gemacht. Ich habe Theaterstücke am College inszeniert, ich drehe seit etwa fünf Jahren Kurzfilme und Werbespots. Dann habe ich einen großen Film mit Bruce Willis produziert, Surrogates, und darauf den ersten Pitch Perfect… Ich liebe Schauspieler und ich liebe Vorsprechen. Ich liebe es, dass Leute sich dahinstellen und sich so öffnen, bereit für Ablehnung oder Bewunderung. Es ist sehr mutig.

FF: Als der Film zu Ende war, war ich absolut bereit für einen dritten Teil. Allerdings machen die meisten Hauptfiguren in Pitch Perfect 2 ihren Uni-Abschluss, sodass es ab einem gewissen Punkt wenig Sinn machen würde, sie für einen kompletten Film zurückzubringen, wenn es wieder um College-a-cappella gehen soll. Glaubst Du, dass die Filme und die Barden Bellas unzertrennlich mit der aktuellen Besetzung verbunden sind oder haben sie einen eigenen Geist und könnten auch mit einem anderen Cast genau so gut funktionieren?

EB: Ich weiß es wirklich nicht. Ich denke, es gibt etwas inhärent Schönes daran, zu sehen, wie ein Team zusammenkommt und singt und tanzt im Film. Die zwei Dinge, die unsere Filme ausmachen und vom Rest abheben, sind der Sinn für Humor und die Musiknummern. Diese beiden Elemente werden nie verschwinden, egal welche Version von Pitch Perfect wir machen. Aber ich glaube auch, dass die Zuschauer wirklich an diesen Mädels hängen. Ich weiß noch nicht, wie der dritte Film sein wird. Eins der Themen im zweiten Film war, dass man sich von einer Barden Bella zu einer Bella fürs Leben entwickelt. Also täuscht euch nicht, ich bin sehr froh, dass wir die Welt des Films auch jenseits des Universitätslebens erforscht haben.

FF: Eine große Newcomerin bei den Bellas ist Hailee Steinfeld, die Emily spielt. Welche Dynamik brachte sie zum bereits bestehenden Ensemble?

EB: Sie war die perfekte kleine Schwester! Sie wurde von mir sehr gut besetzt. (lacht) Sie war 17, als wir den Film gemacht haben und sie war beim ersten nicht dabei. Insofern durchlebte sie genau das Gleiche wie ihre Filmfigur Emily. Sie kommt dazu, sie möchte akzeptiert werden, weil sie dieses Talent hat, aber sie ist neu in der Gruppe, also muss ihren Platz noch finden. Es ist erstaunlich, wie sich das abgespielt hat. Es war wirklich schön zu sehen, wie die Mädels ihre Arme um sie gelegt und sie aufgenommen haben. Ich weiß, dass sie Dinge taten, über die Hailees Mutter nicht glücklich wäre. (lacht)

FF: Gab es einige Songs, die Du wirklich in dem Film haben wolltest, aber nicht bekommen hast?

EB: Leider einige. Entweder bekamen wir nicht die Rechte oder sie waren zu teuer oder sie wollten einfach nicht, dass der Song im Film auftaucht. Ich hatte ein wirklich interessantes Gespräch mit jemandem, der seinen Song für Sound Machine nicht freigeben wollte, weil er nicht wollte, dass der Song von der Verlierer-Band gesungen wird. Ich verstehe vollkommen den psychologischen Gedanken dahinter. Der Prozess der Musikauswahl und –zusammenstellung war wie ein ganz eigener Film für sich. Er begann noch während wir das Drehbuch geschrieben haben.

Elizabeth Banks Interview 2

FF: Wir werden Dich bald in Magic Mike XXL wieder vor der Kamera sehen. Musstest Du Dich erst wieder daran gewöhnen, einfach nur Schauspielerin zu sein und niemanden am Set herumzukommandieren?

EB: Das musste ich tatsächlich. Es war eine tolle mentale Pause. Ich war darüber so glücklich. Ich war mittendrin beim Filmschnitt von Pitch Perfect 2, aber es ist immer gut, sich einfach eine Auszeit zu nehmen. Auch jetzt, wenn ich mir den Film ansehe, sehe ich überall nur Fehler, die uns unterlaufen sind. Ich brauchte auf jeden Fall eine kurze Pause. Ich war am Set von Magic Mike nur drei Tage für ein Cameo. Meine Figur veranstaltet die Stripper-Convention, zu der die Männer im Film reisen.

FF: Wie viele halbnackte Kerle hast Du in dieser Zeit gesehen?

EB: Ich habe sie alle gesehen, ich habe Fotos auf meinem Handy! (lacht) Sie sind die nettesten Typen, man kann sich gar keine nettere Gruppe an Kerlen vorstellen, mit denen man zusammenarbeitet. Sie sind absolute Gentlemen, mit wunderschönen Bauchmuskeln.

FF: Die größten Konkurrenten in dem Film ist eine deutsche A-cappella-Band. Warum ausgerechnet die Deutschen?

EB: Wir wussten, dass es seine europäische Band sein wird und dann schauten wir uns um, wo a cappella populär ist. Es stellte sich heraus, dass nach den USA Deutschland a cappella am meisten liebt. Es ist nicht besonders beliebt in Spanien, Frankreich oder Italien, also war es eine recht einfache Entscheidung. Wir bemühen uns, möglichst realistisch in gewissen Aspekten zu bleiben.

FF: Im ersten Film gewinnen die Bellas die Nationalmeisterschaft, im zweiten ist es die Weltmeisterschaft. Wenn die Filmreihe weitergeht, wie kann man sich da noch steigern?

EB: In den Weltraum vielleicht? (lacht) Es werden auf jeden Fall die Aliens sein. Oder singende Tiere. Es muss auf jeden Fall irgendeine vierte Dimension geben.

FF: Welche Musik-Performance aus dem Film ist Dein Favorit?

EB: Ich liebe das Finale. Es ist genau so, wie ich mir das vorgestellt habe. Die Performance von Sound Machine ist grandios und die von den Bellas ist so herzlich. Es war meine Idee, die alten Bellas zurückzubringen und ich liebe einfach diese Szene.

Elizabeth Banks Interview 3

FF: War es einfach, Beyonces Song für diese Nummer zu bekommen und war sie ebenfalls ein Fan?

EB: Das weiß ich leider nicht, ich habe sie nicht persönlich getroffen, aber sie hat uns sofort die Erlaubnis gegeben, den Song zu nutzen.

FF: Aber Du hast Snoop Dogg in dem Film.

EB: Oh ja, er hat mir den Arsch gerettet. Wir dachten, wir würden 50 Cent in dem Film haben. Ich weiß nicht mehr genau, was passiert ist, aber Snoop kam erst ziemlich spät im ganzen Prozess hinzu. Natürlich war ich begeistert. Er war so professionell, lustig und klang so toll bei seinem Song.

FF: Erzähl doch ein wenig von der Arbeit mit Rebel (Wilson). Wie viel Improvisationsfreiheit hatte sie beim Dreh?

EB: Sehr viel. Sie ist wirklich was Besonderes und hat ein sehr ausgeprägtes komödiantisches Talent. Sie ist außerdem sehr mit ihrer Figur verbunden. Sie ist Fat Amy, es gibt keine große Trennung zwischen den beiden. Sie beherrscht diese Rolle, wie es sonst niemand schaffen würde. Vor dem ersten Film haben wir das Drehbuch an einige Agenten geschickt und sie weigerten sich, es ihren Klienten zu zeigen, weil die Figur Fat Amy hieß. Unsere Stellung dazu war, dass wenn die Klientin Angst hatte, diesen Namen zu sagen, dann wäre sie sowieso nicht die Richtige für uns gewesen.

FF: Fat Amy hat auch eine schöne romantische Nebengeschichte im zweiten Film und Beca (Anna Kendricks Figur) hatte eine im ersten. Wenn Du noch einen machst, hoffe ich, dass Hana Mae Lees Charakter Lilly auch etwas Romantik erleben kann. Das wäre sicherlich sehr lustig.

EB: Wer weiß? Ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie auf Frauen oder auf Männer steht. Alles ist möglich.

FF: Planst du künftig noch mehr Filme selbst zu drehen oder willst Du primär Schauspielerin bleiben?

EB: Ich bin sicher, dass ich weiterhin häufiger schauspielern werde, weil ich in mehreren Filmen in einem Jahr mitspielen kann, als Regisseurin aber nur einen Film pro Jahr schaffe.

FF: Ich wünsche Dir viel Erfolg und vielen Dank für das Interview!

von Arthur Awanesjan
Elizabeth Banks Interview 4
Unser Redakteur Arthur Awanesjan mit Elizabeth Banks
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Weitere Interviews zu Pitch Perfect 2:

Rebel Wilson (Darstellerin)
Max Handelman (Produzent)

Jetzt fehlt nur noch eins, falls Ihr es noch nicht getan habt – schaut Euch diesen verdammt lustigen Film im Kino an und freut Euch auf Teil 3, denn er wird auf jeden Fall kommen und hoffentlich die meisten Barden Bellas zurückbringen. Ich hoffe, Ihr habt bei unserer Pitch-Perfect-2 -Reihe Spaß gehabt.

Bildmaterial © 2015 Universal Pictures