Ein riskanter Plan (2012)

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ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

Man on a Ledge, USA 2012 102 Min • Mit: Sam Worthingon, Elizabeth Banks, Jamie Bell, Anthony Mackie, Ed Harris, Kyra Sedgwick Regie: Asger Leth FSK: Ab 12 Jahren Kinostart: 26.01.2012 Deutsche Website

Handlung

Ein Mann (Sam Worthington) betritt ein Zimmer des Roosevelt Hotels in New York im 21. Stockwerk. Nachdem er sich eine Mahlzeit auf das Zimmer bestellt und diese in aller Ruhe verspeist hat, klettert er aus dem Fenster und stellt sich auf den Fenstersims, gute 70 Meter über der 45th Street. Nicht lange dauert es bis die Passanten auf den vermeintlichen Selbstmordkandidaten aufmerksam werden, die Polizei anrückt und die ganze Gegend absperrt. Doch der Fremde weigert sich mit irgendjemandem außer mit der in Ungnade gefallenen Polizeipsychologin Lydia Mercer (Elizabeth Banks) zu verhandeln. Als diese am Ort des Geschehens ankommt, findet sie schnell heraus, dass es sich bei dem Mann um den aus dem Gefängnis entflohenen Ex-Polizisten Nick Cassidy handelt. Mit der ganzen Aktion will Cassidy seine Unschuld beweisen. Er soll einen wertvollen Diamanten von einem Immobilienmogul (Ed Harris) gestohlen und stückweise verschachert haben. Doch sein Aufmerksamkeitsappell hat auch ein anderes Ziel – im Gebäude gegenüber brechen sein Bruder (Jamie Bell) and dessen Freundin (Genesis Rodriguez) in den gut gesicherten Tresor des angeblich Bestohlenen ein, um den Diamanten zu finden und so der Öffentlichkeit Cassidys Unschuld zu beweisen. Ein Katz-und-Maus Spiel beginnt.

Kritik

Selten beschreibt ein Filmtitel die Prämisse des Films so treffend wie der Originaltitel von diesem Film – Man on a Ledge (wörtlich: Mann am Fenstersims). Der Verleiher entschied sich in diesem Fall für den generischeren Titel „Ein riskanter Plan“, der allerdings genauso gut passt. Denn während der Originaltitel nur einen Teil von Cassidys halsbrecherischem Plan wörtlich, als auch seinen Gemütszustand metaphorisch beschreibt, bleibt der gleich wichtige Einbruch in den Tresor außer Acht. Dieser spielt aber eine gleich wichtige Rolle in der Handlung und sorgt für die mindestens genauso spannenden Momente.

Insgesamt mag die Prämisse des Films zwar durchaus interessant klingen, doch originell ist hier fast gar nichts. Der Film bedient sich diverser Versatzstücke aus anderen (und vor allem besseren) Filmen wie Verhandlungssache, Nicht Auflegen! und Inside Man. Insbesondere an die Handlung von Joel Schumachers Nicht Auflegen! erinnert ein Teil dieses Films. In Nicht Auflegen! wird Colin Farrells Charakter fast über die gesamte Länge des Films von einem gesichtslosen Scharfschützen in einer Telefonzelle in Schach gehalten. Trotz (oder gerade wegen) einer solch stark eingeschränkten Location, schaffte Schumacher einen durch und durch spannenden Thriller. Die Voraussetzungen hier sind ähnlich. Fast 90% seiner Szenen verbringt Sam Worthington, dessen Rolle im Megablockbuster Avatar ihn zum Weltruhm katapultierte, auf dem Fenstersims des Hotels. Dennoch gelingt es dem Regie-Neuling Asger Leth, der vorher nur die Dokumentation Ghosts of Cité Soleil gedreht hat, nicht, einen ähnlichen Grad an Spannung heraufzubeschwören. Worthington macht das Beste aus seiner nicht allzu ausgearbeiteten Rolle. Trotzdem fehlt hier die konstante „Wird-er-oder-wird-er-nicht“-Spannung, die in Nicht Auflegen! die ganze Zeit präsent ist. Es gibt keinen Sinn für imminente Gefahr hier, denn Cassidy scheint die Lage immer unter Kontrolle zu haben, während Colin Farrell Charakter in Nicht Auflegen! gar keine Kontrolle über sein Schicksal hatte. In seinem Zusammenspiel mit Elizabeth Banks mag auch gar keine Chemie aufkommen. Umso dankbarerer muss man sein, dass der Drehbuchautor nicht versucht, eine romantische Geschichte den beiden aufzuzwingen. Elizabeth Banks ist eine sehr sympathische Schauspielerin und versucht ihr Bestes hier, aber es ist schwer gegen eine so wenig ausgereifte und klischeebehaftete Charakterschreibung anzukommen. Die Schnelligkeit, mit der sie Nick Cassidys Geschichte Glauben schenkt, erscheint doch fragwürdig.

Desweiteren nehmen die Übergänge zwischen den Einbruchsequenzen und den Szenen mit Worthingtons Charakter etwas weg von der Spannung. Beide Teile des Films an und für sich funktionieren ganz gut, an der Passung der beiden mangelt es allerdings. In der Tat ist es vor allem der Einbruch in den Tresor, der zu den spannenderen Aspekten des Films gehört. Obwohl Leth auch hier nichts Neues an den Tisch bringt und vom Zuschauer verlangt, von jeglichem Realismus abzusehen, so sind diese Szenen doch gut inszeniert und mit einer ständigen Spannung behaftet. Es hilft, dass Jamie Bell wie immer eine natürliche Präsenz ausstrahlt, während Genesis Rodriguez für visuelle Reize sorgt. Erfrischend kommt hier die Interaktion zwischen den beiden hinzu. Die ständigen Kabbeleien zwischen den beiden und kleine menschliche Fehler sorgen für einige humorvolle Momente, die in diesem ernsten Film für gute Abwechslung sorgen. Dabei muss man sich dennoch auf die Idee einlassen, dass zwei komplette Amateure in der Lage sein können, innerhalb eines Jahres allein in Theorie zu lernen, wie man in einen enorm gut gesicherten Tresor einbricht und dies dann in Praxis umsetzen. Doch die Bankraub-Filme solcher Art strotzen in der Regel sowieso nicht vor Realismus und man kann dieses Detail angesichts der sonst gut umgesetzten Einbruchsszenen vernachlässigen.

Im Finale des Films springt die Logik jedoch vollkommen aus dem Fenster, was der Unterhaltung schon schadet und den Film fast ins Lächerliche zieht. Einige Überraschungen und Auflösungen kommen schon fast zu bequem, während sich bestimmte Charaktere einfach unerklärlich und unrealistisch verhalten, bloß um den Film voranzubringen. Nach 80 Minuten geht scheinbar die Puste aus und es wird versucht den Film möglichst passend und bequem zu Ende zu bringen, ungeachtet der daran leidenden Logik und Spannung.

Nichtsdestotrotz hat der Film definitiv seine guten Momente und wirkt zu keiner Minute langweilig. Die Handlung wird schnell vorangetrieben und der Film ist auf technischer Ebene sehr solide umgesetzt. Ferner überzeugt Ed Harris als ein sehr moderner Bösewicht. Hier ist das Böse nicht ein Irrer, oder vom organisierten Verbrechen, sondern, passend in die modernen Zeiten, ein vermögender Betrüger. Nur zu schade, dass Harris nur wenige Szenen in diesem Film hat. Man hätte ihm mehr Platz einräumen können und stattdessen Kyra Sedgwicks sensationsgeile Reporterin aus dem Film komplett streichen können, denn das Fehlen ihres Charakters wäre sicherlich niemandem aufgefallen.

Fazit

Trotz einer solide Prämisse und einiger gut inszenierter Spannungsmomente, schafft es der Regisseur nicht, den Film als etwas Eigenständiges zu etablieren und nicht bloß als einen Mischung von altbekannten Elementen aus besseren Filmen.

Trailer