Beauty and the Beast, USA 2017 • 129 Min • Regie: Bill Condon • Mit: Emma Watson, Dan Stevens, Luke Evans, Josh Gad, Kevin Kline, Ewan McGregor, Ian McKellen, Emma Thompson • FSK: ab 6 Jahren • Kinostart: 16.03.2017 • Deutsche Website

Handlung

Belle (Emma Watson) ist eine emanzipierte, junge  Frau, die in einem kleinen, konservativen Dorf in Frankreich lebt und von der großen Welt träumt, in die sie nur durch ihre Bücher entfliehen kann. Trotz ihrer umwerfenden Schönheit gilt sie aufgrund ihres Wissensdursts und ihres fortschrittlichen Denkens unter den engstirnigen Dorfbewohnern als sonderbar. Dennoch sieht der gutaussehende, aber selbstverliebte und dümmliche Soldat Gaston (Luke Evans) in ihr die Frau, die er ehelichen möchte, und lässt sich auch nicht davon abschrecken, dass sie seine Avancen zurückweist. Lediglich Belles Vater Maurice (Kevin Kline) hat Verständnis für die Wünsche und Träume seiner Tochter. Als er sich auf einer Reise zum Markt im Wald verirrt, landet Maurice in einem geheimnisvollen Schloss. Dort wird er als Eindringling von einem furchterregenden Biest, dem Hausherr des Schlosses, angegriffen und in den Kerker gesperrt. Auch die besorgte Belle findet ihren Weg zum Schloss und bietet dem Biest ihre Freiheit im Austausch für die ihres Vaters an. Maurice wird freigelassen und Belle bleibt im merkwürdigen Schloss zurück, in dem alles ein Eigenleben zu führen scheint. Was sie noch nicht weiß: das Schloss ist verzaubert. Einst lebte darin ein eitler Prinz (Dan Stevens), der für seine Herzlosigkeit von einer Zauberin zum Biest verwandelt wurde und seine Dienerschaft in lebende Haushaltsgegenstände. Nur die wahre Liebe kann den Fluch brechen, doch die Zeit rennt davon, denn sobald das letzte Blütenblatt der magischen Rose, die die Zauberin zurückgelassen hat, gefallen ist, wird der Prinz für immer ein Biest bleiben. Langsam knüpfen die anfangs verängstigte Belle und das schroffe Biest zarte Bande…

Kritik

Die Schöne und das Biest (2017) Filmbild 1Für viele Zuschauer und Kritiker gilt das Zeichentrick-Musical Die Schöne und das Biest aus dem Jahr 1991 als der Höhepunkt der Disney-Renaissance, die zwei Jahre zuvor mit Arielle – Die kleine Meerjungfrau begann. Es war auch lange Zeit der einzige Animationsfilm, der von der Academy in der Königsklasse „Bester Film“ nominiert wurde. Im Zuge der Welle von Realadaptionen von Disneys Zeichentrickklassikern war es also nur eine Frage der Zeit, bis das Studio auch Die Schöne und das Biest mit Schauspielern aus Fleisch und Blut auf die Leinwand bringen würde, was aber gerade angesichts der großen Beliebtheit des Originals eine Herausforderung darstellte, denn niemand möchte die Erinnerungen von Millionen an einen Film, mit dem sie aufgewachsen sind, mit einem lauen Neu-Aufguss ruinieren. Doch wenn die großen Kassenerfolge von Alice im Wunderland, Maleficent, Cinderella und The Jungle Book eins gezeigt haben, dann dass Disney ganz genau weiß, wie man mit Nostalgie bei alten Fans Punkte sammelt und eine neue Generation von Kindern für die märchenhaften Geschichten begeistert.

Die Schöne und das Biest (2017) Filmbild 2Nachdem bereits bei The Jungle Book einige Lieder aus dem Zeichentrickfilm eingearbeitet wurden, ist Die Schöne und das Biest das erste waschechte Musical der Adaptions-Welle von Disney. Um die Magie des Originals einzufangen wäre ein anderer Ansatz auch kaum vorstellbar gewesen, denn schließlich haben Alan Menkens und Howard Ashmans Songs wie „Be Our Guest“ („Sei hier Gast“) und „Beauty and the Beast“ („Die Schöne du das Biest“) entscheidend dazu beigetragen, dass der Film von 1991 zu einem zeitlosen Klassiker geworden ist. Alle dessen Songs finden sich auch in dieser Neuauflage wieder. Das bringt einen natürlich zu der Frage: wenn man so nah an der animierten Vorlage bleiben möchte, was kann man dieser noch hinzufügen, um eine Neuauflage zu rechtfertigen? Dieses Problem beschäftigte offensichtlich auch die Drehbuchautoren Stephen Chbosky und  Evan Spiliotopoulos und wurde zumindest in Ansätzen gut gelöst. Zum einen wird die Beziehung zwischen Belle und ihrem Vater näher beleuchtet, wodurch der Film eine neue emotionale Komponente erhält, wenn die Zuschauer in einer neuen, rührenden Sequenz endlich das Schicksal von Belles Mutter erfahren. Auch rücken im Film Belles Emanzipation und Selbstbestimmung noch mehr in den Vordergrund und werden stärker in Kontrast zum rückschrittlichen Denken der Dorfbewohner gesetzt. Wenn Belle versucht, einem kleinen Mädchen das Lesen beizubringen und dafür von den anderen missmutig beäugelt wird, hat das heutzutage leider immer noch eine schmerzliche Relevanz. Etwas weniger gelungen ist die zusätzliche Familiengeschichte des Prinzen, die erklärt, wie er überhaupt so gefühllos und herablassend geworden ist. Die Original-Idee, dass jemand, der von Anfang an unausstehlich war und durch seine Strafe Demut lernt, bleibt simpler und wirkungsvoller. Zudem wird Luke Evans’ Gaston durch eine Tat noch verachtenswerter gezeichnet, als er es in der Vorlage schon eh war.

Abgesehen von diesen Neuerungen, hält der Film keine Überraschungen für die Zuschauer bereit. Da die Laufzeit von 84 Minuten auf über zwei Stunden aufgebläht worden ist, wurden von Alan Menken und Oscarpreisträger Tim Rice (Der König der Löwen) drei brandneue Songs geschrieben, von denen aber höchstens Dan Stevens’ melancholisches „Evermore“ einprägsam ist, keiner jedoch die Höhen des Original-Soundtracks erreicht.

Die Schöne und das Biest (2017) Filmbild 3Der Film hat viele magische Momente und die große Tanzszene zwischen Belle und dem Biest zu den Klängen von „Beauty and the Beast“ lässt die Herzen immer noch so hoch schlagen wie vor 25 Jahren. Doch es fällt auf, dass der Film nahezu alle seine schönsten Momente der Vorlage zu verdanken hat und weniger dem Einfallsreichtum seiner Macher. Die Choreographien und die musikalischen Darbietungen sind allesamt solide, nichts fällt aus dem Rahmen, aber es ragt auch nichts besonders heraus. Handwerklich ist Die Schöne und das Biest makellos inszeniert. Kostümdesignerin Jacqueline Durran kann bereits Platz im Regal für ihren zweiten Oscar machen (den ersten gewann sie für Joe Wrights Anna Karenina) – es ist schwer vorzustellen, dass ein Film dieses Jahr ihre opulenten Kreationen toppen wird. Auch in puncto Ausstattung, Kamera und visuelle Effekte, die neben dem Biest auch Lumière, Von Unruh, Madame Pottine und den restlichen Haushalt des Biests zum Leben erwecken, bleibt der Streifen makellos. Er tut sich jedoch damit schwer, was der Originalfilm in einer deutlich  kürzeren Laufzeit geschafft hat: echte Emotionen. Wie leider alle bisherigen Realadaptionen von Disney, wirkt auch diese über weite Strecken zu steril, glatt und durchkalkuliert, und Gefühle ersticken immer wieder unter dem visuellen Prunk und der Opulenz. Dass Die Schöne und das Biest dennoch ein besserer Film ist als Cinderella oder The Jungle Book liegt unter anderem daran, dass seine Vorlage auch besser ist als deren.

Den Schauspielern kann man jedoch nichts vorwerfen. Emma Watson sieht zwar immer noch etwas zu jung für ihr Alter aus, bezaubert jedoch in der Rolle und legt weitgehend überzeugende Gesangsqualitäten an den Tag. Von ihrer ersten Szene an lässt sie wenig Zweifel übrig, dass sie die richtige Wahl für Belle war. Dan Stevens ist angemessen charmant, aufgeblasen oder wütend, je nachdem, was seine Szenen jeweils verlangen. Doch als eitler Gockel, dessen dunkle Abgründe sich nach und nach offenbaren, stiehlt Luke Evans allen die Show  – ein Satz, von dem ich nie gedacht hätte, dass ich ihn über Evans schreiben würde, erst recht nicht in einem Film, in dem auch Kevin Kline, Ian McKellen, Ewan McGregor, Stanley Tucci und Emma Thompson mitspielen. Insofern konnte mich der Film doch noch überraschen.

Fazit

Die Realversion von Disneys Die Schöne und das Biest ist ein opulentes Märchen-Musical mit einer bezaubernden Hauptdarstellerin, das seine besten Momente und Songs der animierten Vorlage verdankt. Große Gefühle gehen jedoch leider in der beeindruckenden, aber sterilen Effekte-Flut unter.

Trailer