Dark Shadows (2012)

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ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

Dark Shadows, USA 2012113 MinMit: Johnny Depp, Eva Green, Michelle Pfeiffer, Chloë Grace Moretz, Jackie Earle Haley, Johnny Lee MillerRegie: Tim BurtonFSK: Ab 12 JahrenKinostart: 10.05.2012Deutsche Website

Handlung

Wir schreiben das Jahr 1752. Die Familie Collins kommt von Liverpool in der die neue Welt und siedelt an der Küste von Maine. Binnen kurzer Zeit baut sie ein Fischerei-Imperium auf, so groß, dass die kleine Stadt nach der Familie benannt wird – Collinsport. Der junge Sprössling der Familie ist Barnabas Collins. Fast 20 Jahre später fängt Barnabas (Johnny Depp) eine heiße Affäre mit dem Dienstmädchen Angelique (Eva Green) an, doch als sie ihm ihre Liebe gesteht, zeigt er ihr die kalte Schulter. Nur zu blöd, dass die Verschmähte eine waschechte Hexe ist, die fortan nur noch die Zerstörung des Collins Klans als Ziel vor den Augen hat. Nachdem sie den Tod seiner Eltern verursacht und seine geliebte Josette (Bella Heathcote) in den Selbstmord treibt, belegt sie schließlich Barnabas mit dem ultimativen Fluch – sie macht ihn zu einem Vampir, dazu verdammt auf ewig auf der Erde zu wandeln und das Leid seiner Familie mitzuerleben. Als wäre dies nicht genug, hetzt sie die Einwohner der Stadt gegen Barnabas, die ihn in einen Sarg sperren und tief vergraben. Fast 200 Jahre später wird der Sarg auf einer Baustelle ausgegraben und Barnabas endlich freigelassen. Nachdem er seinen Blutdurst an den Bauarbeitern gesättigt hat, begibt er sich zu Collins Manor. Zu seiner Freude wird das einst imposante und nun heruntergekommene Anwesen noch von seinen Collins Nachfahren bewohnt. Doch leider hat seine Familie den Reichtum und den Glanz von einst längst verloren. Elizabeth Stoddard (Michelle Pfeiffer) ist die eiserne Matriarchin der Familie, die versucht die dysfunktionale Sippe zusammenzuhalten. Dabei muss sie jedoch gegen ihre aufmüpfige pubertierende Tochter Carolyn (Chloë Grace Moretz), ihren Nichtsnutz von einem Bruder (Johnny Lee Miller), der nur am eigenen Wohlbefinden interessiert ist und sich um seinen, um den Tod der Mutter noch trauernden Sohn David (Gulliver McGrath) nicht kümmert und die sich bei der Familie eingenistete Psychotherapeutin Dr. Julia Hoffman (Helena Bonham Carter) ankämpfen. Und dann ist da noch die neue Gouvernante von David, Victoria Winters (Bella Heathcote), die ein Spiegelbild seiner verstorbenen Josette ist. Trotz der diversen Probleme sich in dem fremden Zeitalter anzupassen, nimmt sich Barnabas zum Ziel, alles zu tun, um den Ruhm der Collins Familie wieder herzustellen. Doch dabei rechnet er nicht mit Angelique, die nach 200 Jahren immer noch innige Liebe und tiefsten Hass gegenüber Barnabas birgt…

Kritik

Eine Daytime Soap aus den 1960er Jahren erscheint auf den ersten Blick nicht gerade als der Stoff, dessen sich ein erfolgreicher und angesehener Regisseur wie Tim Burton annehmen würde. Beim genauen Hinschauen erklärt sich aber schnell, warum die Verfilmung der Fernsehserie von Dan Curtis schon lange ein Herzensprojekt für Burton war. Bei der Serie handelt es sich um eine gotisch angehauchte Fantasy-Soap mit Vampiren, Werwölfen, Zombies und anderen Skurrilitäten. Die Welt von Dark Shadows scheint wie geschaffen für den Regisseur zu sein, der seine Karriere auf seinem ausdrucksstarken gotischen visuellen Stil und der Vorliebe für dunkle Fantasy-Stoffe aufgebaut hat. Oft wird Tim Burton, nicht (immer) zu Unrecht, vorgeworfen, er würde sich mit seinen Filmen immer wiederholen und alle nach einem Muster machen. Immer steht ein surreales, märchenhaftes oder skurriles Setting im Vordergrund und die Charaktere sind auf die eine oder andere Weise skurril, schrullig oder schlicht verrückt. Das Ganze wird immer in unverkennbare schöne Bilder verpackt. Mit Dark Shadows erfindet Tim Burton seinen Stil wahrlich nicht neu und die bisherigen Verweigerer werden auch hiervon nicht überzeugt sein. Für seine Fans allerdings sollte Dark Shadows ein richtiges Fest sein, serviert uns Burton doch seinen besten und harmonischsten Film seit über zehn Jahren.

Dabei sollte der Film gar nicht so gut funktionieren wie er es tut, denn es gibt schon erhebliche Diskrepanzen in dem Ton des Films. Die erste Hälfte des Streifens ist die typische Fisch-auf-dem-Trockenen Geschichte, in der sich Johnny Depps Barnabas in der ungewöhnlichen Welt der Moderne zurecht finden muss. Dazu gehört der altbekannte müde Witz über kleine Menschlein im Fernsehen, aber auch einige clevere Einlagen, wie ein Seitenhieb auf McDonald’s. Lobenswert ist auch der Entschluss, den Film in den 1970ern spielen zu lassen. Zu leicht hätte man sich dazu verführen lassen können, den Film in der heutigen Zeit anzusiedeln. Das Setting wird nicht völlig ausgereizt, sorgt aber dennoch für eine erfrischende Momente, wenn Barnabas sich zum Beispiel in einer Runde von Hippies wiederfindet. Auch die ernsthafteren Aspekte der damaligen Zeiten werden angesprochen, wie die Zwangseinweisung von Kindern in eine psychiatrische Anstalt und eine anschließende Behandlung mittels Elektroschocktherapie. Burtons Film ist aber auch eine Verneigung vor den 1970er Jahren und vor allem vor der Musik der damaligen Zeit. Der großartige Soundtrack beinhaltet Songs von Iggy Pop, The Carpenters und Alice Cooper, wobei der letztere auch einen Gastauftritt als er selbst in dem Film absolviert. Der Nostalgiefaktor wird nie zu stark aufgetragen oder gezwungen, aber man spürt dennoch Burtons (und wahrscheinlich auch Depps) Liebe zu der Zeit.

In der zweiten Hälfte nimmt die Beziehung zwischen Barnabas und Angelique den Mittelpunkt des Films ein und so unterhaltsam die erste Hälfte des Films auch sein mag, hier kommen nun die wahren Höhepunkte des Films. Die Szenen zwischen Johnny Depp und Eva Green knistern nur so vor Spannung zwischen den beiden und die Wort- und Kampfduelle, die die beiden sich liefern, sind grandios. Die beiden verbindet ein starker Hass und eine gleichzeitige Anziehungskraft, derer sie sich nicht entziehen können. Diese kulminiert in einer höchst amüsanten und destruktiven Liebesszene. Insgesamt spielt Johnny Depp Barnabas sehr routiniert, aber solide. Es gibt nichts an seiner Performance, was man nicht schon in einem anderen Burton Film mit ihm nicht gesehen hätte, wobei sein theatralisch ausdrucksstarkes Spiel mit den Händen eine amüsante Anspielung an die Vampirfilme der alten Zeiten, wie Nosferatu – Symphonie des Grauens, ist. Lobenswert ist noch zu erwähnen, dass an seinem Charakter wenig von heutzutage üblicher verklärter Vampirromantik gibt. Er ist nicht böse, aber er tötet dennoch viele Unschuldige, um seinen Durst zu stillen und zu überleben und dabei geht er nicht gerade zimperlich vor.

Noch mehr Lob gebührt in dem Film Eva Green, deren Femme Fatale Charakter gleichwohl Gefahr und Erotik ausstrahlt. Green hat sichtlich Spaß an der Bösewichtsrolle und verkommt glücklicherweise nie zu einem eindimensionalen Charakter. Angelique Bouchard ist herrlich böse, aber sie ist auch in ihrem tiefsten Inneren verletzt und einsam. Green verkörpert alle Facetten des Charakters sehr glaubwürdig. Der Nachteil der exzellenten Szenen zwischen ihr und Johnny Depp ist es, dass die Love Story zwischen Barnabas und Victoria arg vernachlässigt wird, sodass man als Zuschauer nie wirklich an ihrem Ausgang interessiert ist. Sie scheint schon fast nebensächlich.

Sind die zwei Hauptdarsteller in ihren Rollen sehr solide, so werden die anderen zahlreichen Besetzungsmitgliedern eher an den Rand des Geschehens gedrängt. Michelle Pfeiffer hat als Hausherrin einige starke Momente, aber keine Entwicklung in ihrem Charakter. Johnny Lee Miller ist im Film absolut entbehrlich, während Chloe Moretz die halbwüchsige Rebellin überzeugend verkörpert. Jackie Earle Haley bekommt leider nicht annähernd genug Screentime, doch seine wenigen Szenen als trinkender Hausmeister sorgen bereits für diverse Lacher. Helena Bonham Carters Charakter wirkt eher deplatziert, auch wenn sie so aussieht, als wäre sie gerade vom Set eines beliebigen anderen Tim Burton Films rübergekommen, ohne das Makeup verändern zu lassen.

Auch technisch gibt es an dem Film kaum etwas auszusetzen. Colleen Atwood macht ihrem Ruf als eine der besten Kostümbilderinnen Hollywood Mal wieder alle Ehre und liefert erneut eine Reihe von beeindruckenden Gewändern ab. Die Optik ist sehr schön, auch wenn das Set-Design diesmal nicht so üppig ausfällt, wie in einigen anderen Burtonschen Werken. Dies ist wohl der Tatsache geschuldet, dass Dark Shadows im Gegensatz zu seinen neueren Werken weder in einer kompletten Märchenwelt spielt, noch in einem surreal gotisch verzerrten Historiensetting. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit kombiniert Burton starke übernatürliche Elemente mit der (halbwegs) modernen Welt. Dies lässt Dark Shadows an die glorreichen Zeiten von Beetlejuice oder Edward mit den Scherenhänden (OT: Edward Scissorhands) erinnern. Wie auch in Beetlejuice gerät eine menschliche Familie in das Kreuzfeuer von zwei übernatürlichen Parteien. Dark Shadows fehlt es an einem so einprägsamen Charakter wie Michael Keatons Beetlejuice, aber der allgemeine Tenor des Films erinnert stark an die Horrorkomödie, inklusive des fulminanten Showdowns, der leider auch die eine oder andere Schwäche offenbart. Während die visuellen Effekte makellos sind, der Actionfaktor hoch ist und Burton auch ein lustiges Zitat auf Der Exorzist (OT: The Exorcist) einbaut, wird die Konfrontation durch einen Deus ex machina beendet. Ein absolut unnötiger und sehr willkürlich erscheinender Twist sorgt auch nur für unnötige Verwirrung und die finale Auflösung der Liebesgeschichte zwischen Barnabas und Victoria ist alles andere als befriedigend, da die beiden im Laufe des Films auch nie so etwas wie Chemie aufbauen.

Dennoch ist der Film trotz des holprigen Schlussteils alles in allem eine ungemein spaßige Mischung verschiedener Genre-Elemente, die zusammengenommen mehr ergeben, als die Summe ihrer Teile. Eine tolle Eva Green und eine starke Regie verleihen Dark Shadows eine besondere Note. Nun hat sich Tim Burton auch an der Vampir-Hysterie beteiligt, ohne sich jedoch auf die typisch romantischen Klischees zu verlassen.

Fazit

Dark Shadows ist Tim Burtons Rückkehr zu seiner alten Form. Der Filmemacher bleibt seinem Stil sehr treu und beschreitet hier sicher keine neuen Wege, aber seine achte Zusammenarbeit mit Johnny Depp ist eine herrliche Mischung von Fantasy, Horror und Komödie, die mehr an seine alten Werke, denn an die neuen erinnert.

Trailer

https://youtu.be/ROkB79OUvlQ