Da geht noch was! (2013)

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Da geht noch was! (1996) Filmkritik
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

Da geht noch was!, D 2013 • 106 Min • Regie: Holger Haase • Mit: Florian David Fitz, Henry Hübchen, Leslie Malton, Thekla Reuten, Marius V. Haas • FSK: ab 6 Jahren • Kinostart: 12.09.2013Deutsche Website

Handlung

Conrad (Florian David Fitz) möchte eigentlich nur mit seiner Familie in den Urlaub fliegen. Bevor er in den Flieger steigen kann, steht allerdings noch ein kurzer Besuch bei den Eltern an, da seine Mutter (Leslie Malton) Geburtstag hat. Die offenbart ihm in einem Café ganz nebenbei, dass sie sich von Conrads mürrischem und strengen Vater Carl (Henry Hübchen) getrennt hat, was seine Welt ein wenig ins Wanken bringt. Auf Wunsch der Mutter willigt er ein, kurz im Elternhaus vorbeizuschauen und einen Umschlag für den Vater zu hinterlassen. Nach einer kurzen Diskussion hat Carl jedoch einen Unfall und ist mehr oder weniger auf die Hilfe seines entfremdeten Sohnes angewiesen. Um das Leben des alten Herrn wieder einzurenken, zieht Conrad mit seinem Sohn Jonas (Marius Haas) kurzzeitig wieder in sein altes Kinderzimmer ein und lernt eine Menge über seinen Vater, seinen Sohn und vor allem auch über sich selbst.

Kritik

Florian David Fitz ist ein Arbeitstier. Es reicht ihm mittlerweile nicht mehr, einfach nur vor der Kamera zu stehen. Er werkelt an Drehbüchern und führt auch gerne mal selbst Regie. In „Da geht noch was!“ kann man also fast schon sagen, dass er sich zurückgehalten hat, da er neben der Hauptrolle „nur“ noch als Co-Autor des Drehbuchs fungierte.

Da geht noch was! (2013) Filmbild 2Die Prämisse, die dem Film zugrunde liegt, ist so einfach wie genial: Was wäre, wenn man als erwachsener Mann mit eigener Familie nochmal zurück ins Elternhaus – oder noch genauer: ins eigene Kinderzimmer – ziehen muss? Die Vorstellung findet vermutlich niemand so richtig prickelnd, weswegen man auch die Handlungen von Hauptfigur Conrad wunderbar nachvollziehen kann. Wobei man eigentlich nicht von einer Hauptfigur sprechen kann, da sich relativ schnell herausstellt, dass es ein Leitungsduo auf der Leinwand gibt. Florian David Fitz ist mit seinem Conrad zwar der Mittelpunkt der Geschichte, aber sein Schauspielkollege und Filmvater Henry Hübchen entpuppt sich in seiner Rolle als mürrischer und altmodischer Carl relativ schnell als heimlicher Star des Films. Die dritte männliche Hauptfigur Jonas, gespielt von Marius Haas, nimmt in der Männer-WG zwar den kleinsten Part ein, ist aber für die Gruppendynamik äußerst wichtig.

Conrads Problem besteht nämlich darin, dass er weder zur alten, noch zur jungen Generation seines Stammbaums einen richtigen Draht hat. Seinen Vater kann er nicht leiden, weil dieser in seiner Kindheit in seinen Augen viel zu streng war und zudem auch seine Mutter schlecht behandelt hat. Bei seinem eigenen Sohn wollte er deswegen wohl alles anders machen, was allerdings dazu führt, dass Jonas ein kleiner aber ungezogener Rebell ist, der seinen Vater ebenfalls nicht sonderlich toll findet. Als die drei dann durch Carls Unfall gezwungenermaßen alle unter einem Dach wohnen, geschieht dann jedoch das zunächst Undenkbare: Carl und Jonas verstehen sich nach und nach richtig gut und lernen sogar voneinander. Jonas hilft seinem Opa beim Umgang mit neumodischem Technikequipment wie dem Handy inklusive SMS-Versand und Carl zeigt seinem Enkelkind wie man sich bei Mädchen beliebt macht.

Da geht noch was! (2013) Filmbild 1Die eigentliche Hauptfigur Conrad ist in dieser Konstellation leider etwas außen vor, doch dieser hat neben der unerwarteten Wohnsituation auch noch mit anderen Problemen zu kämpfen. Zum Einen ist da seine Mutter, die nun alleine lebt, sich auf eine neue Beziehung eingelassen hat und zudem auch noch ausgerechnet die „Flüsterschubladen“ der Konkurrenz gekauft hat. Zum Anderen gibt es da noch seine eigene Frau, die schon im Urlaubsparadies angekommen ist und wenig Verständnis für die Verzögerungen ihres Mannes aufbringt. Conrad gibt sein Bestes, um an allen drei Fronten alles zu einem halbwegs positiven Ende zu bringen, doch leider kann er nicht überall gleichzeitig sein. Während er versucht, diesen Balance-Akt zu meistern, kommen ihm zu allem Überfluss noch Zweifel, ob sein Leben wirklich so verläuft, wie er es sich wünscht.

„Da geht noch was!“ ist keineswegs die Art von Komödie, bei der man vor Lachen auf dem Boden liegt. Hin und wieder ist der Humor sogar etwas zu seicht, doch die Stärke des Films ist etwas ganz anderes. Die Atmosphäre, die sich im Elternhaus aufbaut, gepaart mit der Chemie der Hauptdarsteller ist etwas ganz Besonderes und wird wohl beinahe jedem Zuschauer genau ein Wort ins Gedächtnis rufen: Familie.

Die Konstellation der drei männlichen Vertreter ist ein nahezu exaktes Abziehbild der heutigen Durchschnittsfamilie. Man kann jederzeit nachvollziehen, wie sich die Akteure fühlen und warum sie gerade so handeln, wie gezeigt. Schön ist auch, dass jedem Mann eine Frau an die Seite gestellt wurde, auch wenn diese insgesamt etwas kurz kommen. Conrads Mutter Helene hat da noch den größten und auch wichtigsten Part, denn sie bringt mit der Trennung von Carl die Geschichte erst ins Rollen. Conrads Frau Tamara (Thekla Reuten) ist als gestresste und urlaubsreife Geschäftsfrau nur selten zu sehen und Nachbarskind Kim (Jamie Bick) ist ohnehin nur für die kleingehaltene Storyline von Jonas wichtig.

Doch egal wie groß oder klein die Rollen im Film sind, die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank weg großartig oder im „schlechtesten Fall“ gut. Wahrscheinlich ist „Da geht noch was!“ ein Film, den man sich in ein paar Jahren nochmal ansehen kann und noch mehr Details findet, denen man im eigenen Familienleben ebenfalls begegnet.

Fazit

In „Da geht noch was!“ werden fast schon mühelos die männlichen Vertreter aus drei Generationen zu einer stimmigen Einheit verschmolzen. Die Charaktere, die einzeln betrachtet eher unsympathisch wirken, sind im Zusammenspiel einfach herrlich und kreieren eine wahrlich familiäre Atmosphäre. Zuschauer jeden Alters werden in diesem Film eine Bezugsperson finden, da vom Jungen in der Pubertät bis zum ergrauten Familienoberhaupt alles vorhanden ist.

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