Bridge of Spies, US 2015 • 141 Min • Regie: Steven Spielberg • Drehbuch: Matt Charman, Ethan Coen, Joel Coen • Mit: Tom Hanks, Mark Rylance, Amy Ryan, Billy Magnussen, Domenick Lombardozzi, Alan Alda • Kamera: Janusz Kaminski • Musik: Thomas Newman • FSK: ab 12 Jahren • Verleih: Studiocanal • Kinostart: 26.11.2015 • Deutsche Website

Bridge of Spies: Der Unterhändler heißt Steven Spielbergs neueste Kooperation mit Tom Hanks, und gleich auch der erste Film, in dem der Hollywoodgigant wieder Regie führt, seit er 2012 mit Lincoln seinen letzten Oscarfavoriten ins Rennen schickte. 12 Nominierungen bekam das biografische Drama damals, 2 Trophäen konnte es am Ende auch sein Eigen nennen. Auch Bridge of Spies handelt wieder von historischen Ereignissen, diese sind jedoch sowohl zeitlich als auch thematisch noch um einiges aktueller als sie es in Lincoln waren. Während der Zeit des Kalten Krieges soll der amerikanische Anwalt James B. Donovan (Tom Hanks) sich der Verteidigung des Sowjetspions Rudolf Abel (Mark Rylance) annehmen und es schaffen die Übergabe seines Klienten gegen die zweier gefangener Amerikaner zu organisieren. Nicht nur, dass diese Aufgabe in den kommunismusängstlichen USA auf viel Unverständnis stößt, auch die aufstrebende DDR, die sich immer weiter von der Sowjetunion lösen will, setzt ihm dabei ein gravierendes Hindernis im Weg.

Bridge of Spies 2Was soll man schon sagen, Spielberg schafft es doch immer wieder seinen Stil gekonnt mit den Themen seiner Filme zu vereinen. In Bridge of Spies wirkt das Zusammenspiel von Humor und Dramatik zwar nicht immer harmonisch, doch es funktioniert zum großen Teil und trägt, sicherlich auch durch die Hilfe der beiden Coen-Brüder, zur guten Unterhaltung des Films bei. Etwas aufgedunsen mag die eine oder andere Stelle da schon einmal wirken, doch der narrative Flair des sehr kurzweiligen Films, der immer wieder beide Seiten des Konfliktes hinterfragen will, weiß solide darüber hinwegzudeuten. Es fühlt sich zwar nicht an, als wolle Spielberg mit diesem Film eine große Bewegung in Gang setzen und sich Richtung Best Picture-Nominierung vorkämpfen, doch als aufrichtiges Drama rund um die Verhandlungspolitik des Kalten Krieges setzt er sich durch.

Das liegt nicht nur am cleveren Drehbuch, sondern auch an Spielbergs Regiestil, der sich wie immer lebendig erzählend durch die Geschehnisse bewegt. Eine makellose Kameraführung gepaart mit einem subtilen Thomas Newman-Soundtrack runden die Atmosphäre ab. Visuell hält sich Bridge of Spies zu großen Teilen an den damals gängigen Spionagestil, stellt die Dinge die er betonen will meist kalt und abschreckend dar, schafft es aber gleichzeitig, sich ihnen zu nähern, anstatt Distanz zu ihnen aufzubauen. Einzig und allein eine relativ unschön animierte Szene eines Flugzeugabsturzes, die sich zu lange streckt, sticht hier etwas negativ hervor.

Bridge of Spies 1Positiv zeichnen sich dagegen die Darsteller immer wieder ab. Tom Hanks ist sympathisch, fast schon zu freundlich und wie immer grandios in dem was er tut. Zusammen mit der größten Überraschung des Films, Mark Rylance, macht er am meisten Spaß. Rylance schafft es durch seine punktierten Dialoge und seine ruhige und humorvolle Ausdrucksweise zu begeistern, sich vielleicht sogar noch einen Platz in der Nominierungsliste für die Besten Nebendarsteller zu sichern. Er ist es, der durch seine Auftritte zu Anfang und Ende des Films sowohl dem Hauptcharakter, als auch dem Zuschauer Kraft einzuhauchen vermag sowie Hoffnung und Menschlichkeit verbreitet. Am Ende sind sowohl seine Figur als auch die von Tom Hanks nur zwei alte Männer, die sicher nach Hause zu ihren Familien kommen wollen.

Fazit

Tom Hanks und Nebendarsteller Mark Rylance machen viel Spaß in diesem routinierten Polit-Drama. Bridge of Spies: Der Unterhändler ist ein gewohnt guter Spielberg-Film, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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