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Quelle: Boxofficemojo

Mit nur einem breiten Neustart, der auch noch mächtig enttäuschte, war das Halloween-Wochenende sehr ruhig an den nordamerikanischen Kinokassen. Die Top-12-Filme spielten insgesamt $78 Mio ein, 31% weniger als in der Vorwoche, aber immer noch 24% mehr als am gleichen Wochenende im Vorjahr. Es war die Ruhe vor dem Sturm, bevor das starke Duo aus Doctor Strange und Trolls kommendes Wochenende die Charts aufmischen wird.

Nachdem Tyler Perrys Horrorkomödie Boo! A Madea Halloween vorletztes Wochenende schon Tom Cruise in die Schranken gewiesen hat, gelang dem 7. Madea-Film diesmal die ultimative Überraschung und er setzte sich gegen Tom Hanks‘ Dan-Brown-Adaption Inferno durch. Boo! fiel um lediglich 39,6% an seinem zweiten Wochenende und spülte $17,2 Mio in die US-Kinokassen. Nach zehn Tagen steht der Film bei insgesamt $52,6 Mio. Für sein Studio Lionsgate ist es der erste Film dieses Jahr, der zwei Wochen an der Spitze verbringen konnte. Der verhältnismäßig milde Drop ist extrem ungewöhnlich für einen Tyler-Perry-Film. In der Regel fallen seine Madea-Filme, in denen er in einem Fatsuit die Titelfigur spielt, um etwa 50-60% an ihrem zweiten Wochenende. Dass Boo! A Madea Halloween sogar einen 40%-Rückgang vermeiden konnte, spricht für den starken Crossover-Appeal des Films und einen Mangel an Optionen für jüngere Zuschauer. Machen Afroamerikaner meist einen Großteil der Zuschauer seiner Filme aus, betrug ihr Anteil am zweiten Wochenende von Boo! lediglich 38%. Das erklärt, wie sich der Film so gut halten konnte. Der Streifen hat jetzt schon zwei Madea-Filme (Tyler Perry’s Diary of a Mad Black Woman und Tyler Perry’s A Madea Christmas) überholt und wird auch alle anderen bis auf Madea Goes to Jail ($90,5 Mio) toppen. Aufgrund seiner Thematik und des Titels wird der Film vermutlich stark abbauen, sobald Halloween vorüber ist, doch es sollte trotzdem für ein Gesamteinspiel von $70-75 Mio reichen. Da Boo! nur $20 Mio kostete, ist es der mit Abstand größte Erfolg für Lionsgate dieses Jahr und ein Grund für das Studio, unzählige weitere Filme von Tyler Perry zu produzieren. Elf seiner Filme haben mehr als $50 Mio in Nordamerika eingenommen und keiner kostete mehr als $20 Mio.

Während Tyler Perry und Lionsgate ihren zweiten Box-Office-Sieg in Folge feiern durften, legte Sonys Inferno einen ganz armseligen Start auf Platz 2 der US-Charts hin. Vorbei sind die Zeiten, in denen Dan-Brown-Verfilmungen für Kontroversen sorgten und großen Medienhype heraufbeschworen. Der dritte Auftritt von Tom Hanks als Robert Langdon schnappte sich zwar am Freitag mit $5,6 Mio die Spitze, verlor am Gesamtwochenende mit $14,9 Mio von 3576 Kinos und einem schwachen Schnitt von $4156 pro Spielstätte. Es ist wohl eins der enttäuschendsten Startwochenende aller Zeiten für ein großes Sequel. Um es in Perspektive zu setzen: The Da Vinci Code – Sakrileg spielte 2006 alleine am Starttag $28,6 Mio ein. Bei Illuminati waren es vor sieben Jahren $16,5 Mio. Das Startwochenende von Inferno liegt 81% (!!) hinter dem von The Da Vinci Code und 68% hinter Illuminati. Das Sequel wird insgesamt weniger einspielen als seine beiden Vorgänger alleine in ihren ersten drei Tagen umgesetzt haben.

Bereits durch die Performance des Films in Deutschland zeichnete sich ab, dass Inferno deutlich schlechter laufen würde als die ersten beiden Langdon-Filme mit Hanks, doch einen so miserablen Start hat wohl kaum jemand erwartet. Das Interesse der US-Kinogänger an der Figur ist offenbar gänzlich verflogen und scheinbar reicht auch Tom Hanks‘ Starpower, die kürzlich erst Clint Eastwoods Sully zu einem Riesenhit gemacht hat, nicht aus, um Kinogänger für den Film zu begeistern. Für den Schauspieler wird Inferno zu einem seiner größten Flops in Nordamerika. Die extrem schwachen Kritiken (die ältere Kinogänger und damit das Zielpublikum von Inferno definitiv beeinflussen) haben dem Film sicherlich geschadet, ebenso wie das starke Überangebot an Filmen mit einem ähnlichen Zielpublikum. Alleine im Oktober richteten sich Girl on the Train, The Accountant und Jack Reacher: Kein Weg zurück mehr oder weniger an die gleichen Zuschauer, ebenso wie Sully, Die glorreichen Sieben und Deepwater Horizon, die im September angelaufen sind. Da blieb nur noch wenig Raum für eine Romanverfilmung, die ohne jeglichen Hype in die Kinos kam.

Inferno wurde von den Zuschauern mit einem „B+“-CinemaScore positiv bewertet (äquivalent einer „2+“), doch auf seine weitere Laufzeit wird das wohl kaum Auswirkungen haben. Insgesamt wird der Film etwa $37-42 Mio in den USA und in Kanada einnehmen. Für Ron Howard ist Inferno nach Im Herzen der See ($25 Mio), Rush ($26,9 Mio) und Dickste Freunde ($48,5 Mio) bereits der vierte Film, der in Nordamerika schlecht läuft. Sony dürfte mit der Investition allerdings nicht ganz unzufrieden sein. In weiser Voraussicht halbierte das Studio das Budget von Illuminati für den Nachfolger Inferno, sodass der Film überraschend magere $75 Mio kostete. In Nordamerika ist er zwar ein großer Flop, doch international läuft es gut genug, sodass Sony am Ende die Ausgaben wieder einspielen wird. Nichtsdestotrotz würde ich nicht mit einer baldigen filmischen Umsetzung von „Das verlorene Symbol“ rechnen.

Jack Reacher: Kein Weg zurück geriet ins direkte Kreuzfeuer von Inferno und brach am zweiten Wochenende um 57,9% ein. Mit $9,6 Mio fiel er um einen Platz auf Rang 3 und erreichte $39,8 Mio nach zehn Tagen. Das Action-Sequel liegt jetzt schon 10% hinter seinem eigentlich schwächer gestarteten Vorgänger im selben Zeitraum. Inferno hat zwar kein Feuer der Begeisterung an den Kinokassen entfacht, doch sein Zielpublikum überschnitt sich direkt mit dem von Jack Reacher. Etwa 90% seiner Zuschauer am Startwochenende waren über 25. Bei Jack Reacher 2 waren es vergangenes Wochenende 88%. So erklärt sich der tiefe Fall. Da Doctor Strange kommendes Wochenende ein sehr breites Publikum ansprechen wird, wird auch er Jack Reacher vermutlich hart treffen, sodass der Film schon bald aus den Charts verschwinden wird. Insgesamt sollte die Fortsetzung $55-60 Mio in Nordamerika einspielen, was bei einem $60-Mio-Budget nicht sonderlich gut ist. Immerhin sieht die Performance des Films neben Inferno viel besser aus.

Auf Seite 2 findet Ihr u. a. Updates zu den Einspielergebnissen von The Accountant, Die Insel der verlorenen Kinder und Die glorreichen Sieben.