© 2016 Warner Bros. Pictures

Quelle: Boxofficemojo

Es war ein weiteres Wochenende ohne große Highlights an den nordamerikanischen Kinokassen und es sieht ganz so aus, als würden uns bis zum Ende des Monats keine Überraschungshits mehr erwarten. Tatsächlich wird dieser Oktober aller Voraussicht nach der erste seit 2008 sein, der keinen $100-Mio-Hit hervorbringen wird. Es wirkt fast so, als würden die Massen auf den Start von Marvels Doctor Strange warten, der am ersten November-Wochenende in die US-Kinos kommen wird. Die Top-12-Filme setzten vergangenes Wochenende zusammengerechnet $88,9 Mio um, 7% weniger als eine Woche zuvor und 20% weniger als am vergleichbaren Wochenende im Vorjahr, als Gänsehaut auf Platz 1 startete.

Es gab wieder einen Wechsel an der Chartspitze, jedoch hat sich dennoch nicht viel verändert. Ein nicht-jugendfreier Thriller kam an die Stelle einer anderen und spielte fast exakt genau so viel ein, wie sein Vorgänger vor einer Woche. Es war Ben Afflecks The Accountant, der mit $24,7 Mio von 3332 Kinos (im Schnitt $7416 pro Spielstätte) Girl on the Train ablöste, welcher am vorigen Wochenende mit $24,5 Mio startete. Beide Filme haben sogar fast identische Budgets. Während Girl on the Train $45 Mio kostete, gab Warner Bros. $44 Mio für The Accountant aus. Trotz der Ähnlichkeiten ist das Startwochenende von The Accountant auf jeden Fall positiver zu werten, denn im Gegensatz zu Girl on the Train hatte der Film keine riesige Fangemeinde eines Bestsellers im Rücken, der sich millionenfach verkauft hat. Warner Bros. stellte eine starke Marketingkampagne auf die Beine und Affleck hat in Vergangenheit mit Argo, Gone Girl und The Town bereits mehrere beliebte R-rated-Kinohits abgeliefert, sodass seine Präsenz sicherlich ein Grund für viele Zuschauer war, den Film zu sehen. Obwohl die Kritiken zum Film eher mittelmäßig ausfielen, haben die Zuschauer ihn geliebt und vergaben im Schnitt einen „A“-CinemaScore (äquivalent einer „1“). Das ist eine viel bessere Wertung als Girl on the Trains „B-„ (äquivalent einer „2-„), Gone Girls „B“ (äquivalent einer „2“) und The Towns „B+“ (äquivalent einer „2+“), sodass The Accountant noch eine gute Laufzeit vor sich haben sollte. Doch auch dieser Film leider mit Sicherheit unter einem Überangebot an Filmen für ältere Zuschauer. Etwa 86% der Besucher des Films am Startwochenende waren älter als 25 (58% waren Männer). Damit zielt der Film auf das gleiche Publikum ab wie Sully, Die glorreichen Sieben und Deepwater Horizon in den Wochen davor und Jack Reacher: Kein Weg zurück sowie Inferno in den kommenden Wochen. Unter anderen Umständen hätte der Film möglicherweise an der $100-Mio-Marke kratzen können, nun wird er aber eher $80-90 Mio erreichen. Doch auch damit wird er vermutlich zum umsatzstärksten Film des Monats in Nordamerika.

Girl on the Train bekam die direkte Konkurrenz durch The Accountant und die durchwachsene Mundpropaganda zu spüren und fiel um 50,1% auf $12,2 Mio, was für Platz 2 der Wochenendcharts reichte. Nach zehn Tagen steht der Thriller bei $46,8 Mio und damit bereits 40% hinter Gone Girl im selben Zeitraum. Girl on the Train spielt trotz des Riesenerfolgs des Romans offensichtlich in einer anderen Liga mit und wird die Kinos mit maximal $70-75 Mio verlassen. Immerhin wird es für Emily Blunt der erfolgreichste Film werden, in dem sie die alleinige Hauptrolle spielt.

Kevin Hart bewies wieder einmal, dass er im Moment einer der beliebtesten Comedians in den USA ist. Sein Stand-up-Comedyfilm Kevin Hart: What Now? spielte am Wochenende $11,8 Mio von 2567 Kinos auf Rang 3 ein und erzielte einen Schnitt von $4584 pro Kino. Es war das beste Startwochenende aller Zeiten für einen Stand-up-Film, knapp vor Spike Lees The Original Kinds of Comedy ($11,1 Mio). Das Startwochenende alleine machte What Now? zum siebterfolgreichsten Stand-up-Film aller Zeiten in Nordamerika. Allerdings muss man das ein wenig relativieren, denn kein Stand-up-Film vor ihm lief in mehr als 1500 Kinos ein, geschweige denn in über 2500. Keiner war bislang ein so großes Mainstream-Event. Vor drei Jahren lief Kevin Harts Stand-up-Film Kevin Hart: Let Me Explain mit $10 Mio von nur 876 Mio an, sodass die Steigerung trotz fast 1700 zusätzlicher Kinos nicht sonderlich groß ist. Die Mundpropaganda scheint positiv zu sein, wie der „A-„-CinemaScore (äquivalent einer „1-„) nahelegt, doch ein Film wie dieser wird von Natur aus frontlastig sein, sodass wir mit $29-32 Mio Gesamteinspiel rechnen können. Das würde den Film auf das gleiche Niveau bringen wie Let Me Explain, jedoch weit entfernt von Eddie Murphy Raw, der seit nunmehr 19 Jahren mit $50,5 Mio der umsatzstärkste Stand-up-Comedyfilm aller Zeiten ist, sogar wenn man das Einspiel nicht um die Inflation bereinigt.

Auf Seite 2 gehen wir auf die Einspielergebnisse von Tim Burtons Die Insel der besonderen Kinder, Antoine Fuquas Die glorreichen Sieben, Clint Eastwoods Sully und dem Harry-Potter-IMAX-Marathon ein.