Quelle: Boxofficemojo

Wie schon letztes Jahr, starteten am ersten November-Wochenende in den USA ein großer Animationsfilm mit viel Box-Office-Potenzial und als Konkurrenz ein Realfilm-Blockbuster. Setzte sich letztes Jahr Disneys Baymax gegen Interstellar durch, war es diesmal natürlich das 24. James-Bond-Abenteuer Spectre, das die Oberhand gegen den starken Start von Die Peanuts behielt. Nach dem schwächsten Wochenende des Jahres pumpte das dynamische Duo neues Blut in die Venen der Kinocharts und sorgte für eine Verbesserung des Gesamtumsatzes der Top 12 um 148% auf $155,7 Mio. Damit wurde es sogar zum stärksten Wochenende seit Anfang Juli, als Minions die Chartspitze zum Start eroberte. Gegenüber dem vergleichbaren Wochenende im Vorjahr, an dem Interstellar und Baymax anliefen, ging es für die Top 12 um 6% hinauf. Doch obwohl die Zahlen der beiden Neustarts sich wirklich sehen lassen können, hat nur einer der beiden Filme die an ihn gestellten Erwartungen erfüllt bzw. vielleicht sogar übertroffen.

Spectre schoss mit $70,4 Mio von 3929 Kinos an die Spitze der US-Charts und schrieb einen Schnitt von $17,919 pro Kino. Von dieser Summe steuerten IMAX-Leinwände beachtliche $9,1 Mio bei. Auch wenn dieses Startwochenende auf den ersten Blick ziemlich solide erscheint, muss man aus der Perspektive der Box-Office-Erwartungen sagen, dass es doch ziemlich enttäuschend ist. Nicht viele haben erwartet, dass Spectre die Performance von Skyfall übertreffen würde, insbesondere was das Durchhaltevermögen des Films nach dem Release angeht, doch viele gingen zumindest von einem ähnlichen Startergebnis aus. Skyfall lief vor drei Jahren mit etwa $88,4 Mio an, und das von etwa 420 Kinos weniger als Spectre. Spectre startete 20% unter Skyfall, obwohl gerade nach der tollen Mundpropaganda des Vorgängers viele geglaubt haben, dass James Bond endlich auch in den USA zu den absoluten Mega-Franchises gehört. Immerhin nahm Skyfall in Nordamerika insgesamt $304,4 Mio ein, unglaubliche 81% mehr als der bis dahin erfolgreichste Bond-Film aller Zeiten in den USA, Ein Quantum Trost. In der Tat hat Skyfall nur 12 Tage gebraucht, um Ein Quantum Trost ($168,4 Mio) zu schlagen. Spectre sollte das zwar auch gelingen, jedoch wird er dafür deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Hatte Skyfall 2012 noch den fünftbesten Start des Jahres hingelegt, liegt Spectre aktuell lediglich auf Rang 7 von 2015 und wird mit Sicherheit von Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 und Star Wars: Das Erwachen der Macht auf Platz 9 verdrängt werden. Unter anderem starteten American Sniper ($89,3 Mio) und Fifty Shades of Grey ($85,2 Mio) dieses Jahr besser als Spectre und das Startwochenende von Pitch Perfect 2 schlug der neue Bond lediglich um weniger als $4 Mio.

Was besonders enttäuschend ist, ist die Tatsache, dass Spectre nur um 4% besser startete als Ein Quantum Trost. Zieht man zusätzlich Inflation in Betracht, so wurde Spectre sogar von noch weniger Zuschauern zum Start in den USA gesehen als Craigs zweiter Einsatz als Bond. Dabei verlief der Start beider Filme recht ähnlich. Spectre eröffnete am Freitag mit $27,4 Mio – 2% über Ein Quantum Trost und 8% unter Skyfall. Doch während Skyfall sich an seinem ersten Samstag um 11% auf $33,9 Mio verbesserte, fiel Spectre um 4,2% auf $26,3 Mio. Ein Quantum Trost gab seinerzeit ebenfalls um 4,4% an seinem Start-Samstag nach und erreichte $25,8 Mio. Am Sonntag spielte Spectre $16,7 Mio ein.

Es lässt sich nicht abstreiten, dass für das James-Bond-Franchise auch das eine deutliche Erfolgs-Steigerung gegenüber den Zeiten von Pierce Brosnan darstellt. Die vier Brosnan-Filme starteten im Schnitt mit etwa $33,5 Mio. Doch natürlich ändern sich auch die Budgets der Filme mit der Zeit. Kostete Stirb an einem anderen Tag noch $142 Mio, so gaben MGM und Sony für Spectre $245 Mio aus, was ihn nicht nur zum teuersten James-Bond-Film aller Zeiten macht (Skyfall kostete „nur“ $200 Mio), sondern auch zum bislang zweitteuersten Film des Jahres (nach Avengers: Age of Ultron). Einschließlich der Werbeausgaben sollen sich die Kosten von Spectre sogar auf $375 Mio belaufen. Doch woran liegt es, dass Spectre trotz sehr optimaler Voraussetzungen (konkurrenzfreier Start, beliebter Vorgänger) hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist? Vermutlich ist die richtige Sichtweise, dass Skyfall vielmehr ein Ausreißer war und Spectre lediglich eine Rückkehr zu „regulären“ Box-Office-Zahlen für James Bond darstellt. Skyfall hatte einfach deutlich mehr Hype zum Start gehabt als Spectre. Das lag einerseits am 50. Jubiläum von James Bond, aber auch an Adeles oscarprämiertem Song, der deutlich populärer war als Sam Smiths „Writing’s on the Wall“. Außerdem überzeugten blendende Kritiken auch Zweifler, sich den Film im Kino anzuschauen, während die Reaktionen auf Spectre größtenteils eher lauwarm sind.

Wohin führt der Weg von Spectre jetzt? An eine ähnlich lange Laufzeit wie bei Skyfall ist nicht zu denken. Wenn der Film nach seinem Start genau so weiterläuft wie Ein Quantum Trost, wird er in den USA bei $176 Mio landen, knapp 42% unter Skyfall. Da Spectre jedoch von den Kinogängern mit einer „A-„-CinemaScore bewertet wurde (äquivalent einer „1-„), während Ein Quantum Trost mit „B-„ („2-„) deutlich schlechter abgeschnitten hatte, kann man von besserem Stehvermögen ausgehen. Auch die Tatsache, das 78% der Spectre-Zuschauer über 25 Jahre alt waren, ist ein positives Zeichen für die Zukunft des Films, denn gerade dieses Publikum rennt meist nicht am ersten Wochenende in die Kinos, um einen neuen Film zu sehen. Spectre sollte bis Weihnachten noch ganz gut laufen und in den USA auf etwa $195-210 Mio kommen. Damit wäre er zwar locker der zweiterfolgreichste Bond überhaupt, würde aber dennoch mindestens 29% unter Skyfall landen.

Die Peanuts, die computeranimierte Adaption der klassischen Comicserie von Charles M. Schulz über Charlie Brown, ließ am Startwochenende bei 20th Century Fox die Sektkorken knallen. Obwohl der Film sich mit Rang 2 der Charts begnügen musste, legte er mit $44,2 Mio von 3897 Kinos (Schnitt von $11,342 pro Location) einen tollen Start hin, insbesondere angesichts der Produktionskosten von nur $99 Mio, was für einen größeren Animationsfilm heutzutage wirklich niedrig ist. Die „A“-CinemaScore-Wertung der Zuschauer (äquivalent einer „1“) impliziert ein langes Leben des Films in den Charts, der jetzt immerhin drei konkurrenzfreie Wochen im Familienmarkt vor sich hat, bis Pixars Arlo & Spot ihm seine Zuschauer stiehlt. Zwar lag das Startwochenende von Die Peanuts 21% unter Baymax – Riesiges Robowabohu, der am gleichen Wochenende im Vorjahr anlief, doch Die Peanuts hatte auch nicht die Marketing-Maschine von Disney hinter sich, punktete vor allem mit dem Nostalgie-Faktor und kostete $66 Mio weniger als Baymax. Wenn er sich fortan an den Kinokassen genau so verhält wie Baymax, wird der Animationsfilm $178 Mio in den USA einnehmen, was ich als ein realistisches Ziel sehe. Der Streifen wird irgendwo zwischen $165 Mio und $185 Mio landen.

Es gab jedoch weiteren Grund zum Feiern für Fox. Zwar wurde Ridley Scotts Der Marsianer zum zweiten Mal von der Pole Position gestoßen und landete auf Rang 3, doch trotz gigantischer Konkurrenz seitens Spectre verlor das Weltraum-Abenteuer lediglich mickrige 22,5% seiner Zuschauer von der Vorwoche und spielte weitere $9,1 Mio von Freitag bis Sonntag ein. Damit hatte Der Marsianer erstmals ein besseres Wochenendergebnis gehabt als Gravity. Insgesamt liegt der Film jedoch mit $196,8 Mio Einspiel 15% hinter Gravity im gleichen Zeitraum. Dafür ist Der Marsianer an Interstellar bereits vorbeigezogen und ist auch Ridley Scotts umsatzstärkster Film in den USA geworden. Das Durchhaltevermögen des Films ist wirklich beachtlich. Über seine ersten sechs Wochen fiel er im Schnitt jeweils nur um 29,7% an jedem Wochenende. Dieser Schnitt betrug bei Gravity 31,1% im gleichen Zeitraum und 32,8% bei Interstellar. Der Marsianer ist zudem jetzt schon der siebterfolgreichste Film des Jahres in den USA und wird letztendlich sogar vor Spectre landen. Da sich vermutlich im Dezember und im Januar Oscar-Hype um den Film aufbauen wird, traue ich ihm mittlerweile ein finales Ergebnis oberhalb von $230 Mio in Nordamerika und einen sicheren Platz in der Top 10 des Jahres zu.

Auch nach Halloween und trotz direkter Konkurrenz um das Familienpublikum seitens Die Peanuts hielt sich Gänsehaut mit Jack Black wieder einmal recht gut und ging nur um 31,1% auf $6,8 Mio und den vierten Platz der Kinocharts zurück. Nach 24 Tagen hat der familientaugliche Gruselfilm $66,3 Mio eingespielt. Wie Die Peanuts, wird auch Gänsehaut erst am Monatsende neue Konkurrenz um sein Familienpublikum zu spüren bekommen. Das sollte ausreichen, um den Film auf ein Gesamtergebnis von etwa $85 Mio zu bringen.

Steven Spielbergs Bridge of Spies – Der Unterhändler rundete die Top 5 mit $5,8 Mio ab und baute lediglich 30,4% ab. Der Oscarkandidat ging erstmals mehr als 30% zurück. Nach 24 Tagen hat der Streifen bereits $54,7 Mio eingenommen. Mit der Oscar-Saison im Rücken wird Bridge of Spies mindestens $85 Mio in den USA einspielen und die letzte Spielberg/Hanks-Zusammenarbeit Terminal auf jeden Fall hinter sich lassen. Sollte der Streifen sich aber zu einem der Favoriten im Oscar-Rennen entwickeln, könnte er sogar $100 Mio erreichen.