Quelle: Boxofficemojo

Drei breite Neustarts machten sich auf, am Thanksgiving-Wochenende 2015 ihren Abduck an den US-amerikanischen Kinocharts zu hinterlassen. Der erfolgreichste der drei war dennoch eine Enttäuschung, ein anderer übertraf hingegen die meisten Erwartungen und der dritte floppte so übel, dass er es nicht einmal in die Top 10 geschafft hat. An der Spitze gab es jedoch keine Veränderung und Jennifer Lawrence beherrschte erneut die Kinokassen mit dem finalen Panem-Film. Dank zwei relativ umsatzstarken Neustarts, kombiniert mit den milden Rückgängen angesichts des Thanksgiving-Feiertags, konnte sich das Gesamteinspiel der Top 12 um 4% gegenüber dem vorherigen Wochenende steigern und erreichte $173,3 Mio (der höchste Wert seit Mitte Juli). Gegenüber dem Thanksgiving-Wochenende im Vorjahr, als Mockingjay Teil 1 Die Pinguine aus Madagascar und Kill the Boss 2 abwehrte, ging es um 12% rauf.

Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 legte nach einem soliden, aber enttäuschenden Startwochenende einen überraschend guten Rückgang in Woche 2 hin. Das Sequel gab um lediglich 49,3% nach, spielte weitere $52 Mio ein und hielt sich damit besser als jeder andere Panem-Film am zweiten Wochenende. So fiel Mockingjay Teil 1 letztes Jahr am Thanksgiving-Wochenende um 53,3%, Catching Fire gab im Jahr davor um 53,1% nach und der erste Film baute 61,6% ab (allerdings ohne Thanksgiving-Unterstützung). Es scheint sich also wieder der ungewöhnliche Trend fortzusetzen, dass jeder Panem-Film besseres Durchhaltevermögen an den Kinokassen zeigt als seine Vorgänger, auch wenn die Startwochenenden der Filme schrumpfen. In dieser Hinsicht verhält sich die Reihe gänzlich anders, als man es von Franchises mit vielen Sequels gewohnt sind (deren Start-Gesamtergebnis-Multiplikatoren werden in der Regel mit jeder neuen Fortsetzung schlechter).

Natürlich lag das zweite Wochenendergebnis von Mockingjay 2 trotzdem deutlich unter jedem seiner Vorgänger, weil der Film auch einen deutlich schlechteren Start hatte. Ein etwas besserer Drop kann diese Differenz nicht wiedergutmachen. Nach zehn Tagen hat der Streifen bislang $198,5 Mio in den USA eingespielt, 12% weniger als sein Vorgänger im selben Zeitraum, 20% weniger als The Hunger Games und sogar 33% weniger als Catching Fire. Nichtsdestotrotz reichte es bereits aus, um am neuen James Bond vorbeizuziehen und Platz 8 der Jahres-Charts 2015 in den USA zu belegen. Mockingjay Teil 1 spielte in seinen ersten zehn Tagen 67% seiner finalen US-Einnahmen ein. Folgt Teil 2 diesem Muster, so wird der Film in den USA mit $297 Mio enden. Im Falle von Catching Fire waren es allerdings 70% des Gesamteinspiels in zehn Tagen, was für Mockingjay Teil 2 $285 Mio bedeuten würde. Da Mockingjay Teil 1 es aber nicht mit einem Megablockbuster wie Star Wars zu tun hatte, wird Mockingjay Teil 2 vermutlich eher im Bereich von $280-290 Mio landen. Doch auch das wäre an sich ein sehr ordentliches Ergebnis, wenn auch enttäuschend verglichen mit den anderen Filmen der Reihe.

Noch um einiges enttäuschender ist allerdings der Start von Pixars neustem Werk Arlo & Spot gewesen. Der Animationsfilm, der aufgrund von Produktionsschwierigkeiten um eineinhalb Jahre nach hinten verschoben wurde, sodass wir dieses Jahr erstmals zwei Pixar-Filme zu sehen bekamen, startete bereits am Mittwoch vor Thanksgiving und spielte in seinen ersten fünf Tagen $55,5 Mio ein. Am regulären Wochenende (Freitag-Sonntag) spülte Arlo & Spot $39,2 Mio in die US-Kinokassen. In 3749 Kinos erreichte er dabei einen Schnitt von $10444 pro Kino. Während diese Zahlen für viele Animationsfilme als ganz gut, wenn auch nicht überragend, gelten würden, sind sie angesichts von Pixars bisheriger Erfolgsgeschichte und eines immens hohen Budgets von $175-200 Mio eine reine Enttäuschung. Es reicht sich Pixars Alles steht Kopf als Vergleich anzuschauen. Der Film startete im Sommer mit $90,4 Mio und spielte in drei Tagen 63% mehr ein als Arlo & Spot in seinen ersten fünf (trotz Feiertag!). Genau genommen war es das drittschwächste Startwochenende in Pixar-Geschichte. Lediglich der erste Toy Story und Das große Krabbeln liefen noch schwächer an, aber das war in den Neunzigern! Das 3-Tage-Wochenendergebnis von Arlo & Spot liegt 41% unter dem Start von Merida, 38% unter WALL-E und 35% unter Cars.

Es war trotzdem der viertbeste Thanksgiving-Start aller Zeiten, aber Pixar und Disney müssen sich deutlich mehr erhofft haben. So spielte 1999 Toy Story 2 über Thanksgiving zum Start $80,1 Mio in fünf Tagen ein und Rapunzel erreichte vor fünf Jahren $68,7 Mio von Mittwoch bis Sonntag (davon $48,8 Mio am regulären Wochenende). Sehr überraschend ist auch, dass sogar DreamWorks‘ Home ($52,1 Mio), Sonys Hotel Transsilvanien 2 ($48,5 Mio) und Fox‘ Die Peanuts ($44,2 Mio) besser gestartet sind als Pixars 15. Film. Disney muss die Enttäuschung bereits gerochen haben, denn Arlo & Spot wurde in weniger Kinos gestartet als jeder andere Pixar-Film nach Findet Nemo vor 12 Jahren. Es waren allerdings mehr als genug Kinos, um deutlich bessere Zahlen zu schreiben.

Das enttäuschende Ergebnis von Arlo & Spot lässt sich durch mehrere Faktoren erklären. Einer davon ist, dass das visuelle Design der Dinosaurier im Film als Kontrast zur photorealistischen Umgebung die potenziellen Zuschauer abgeschreckt hat. Zudem sind Pixar-Filme immer eine Art Event für sich, da wir aber dieses Jahr bereits einen (sehr guten) Pixar-Film hatten, hat Arlo & Spot, der auch noch deutlich schwächere Kritiken erhielt als Alles steht Kopf, seinen Event-Status eingebüßt. Es ist nun gut möglich, dass Arlo & Spot sogar zum umsatzschwächsten Film aller Zeiten für Pixar in den USA werden wird. Dieser Titel gehört bislang Das große Krabbeln mit $162,8 Mio. Wenn der Film sich nach seinem Start so hält wie Disneys Rapunzel vor fünf Jahren, wird er knapp $162,4 Mio erreichen. Die Resonanz der Zuschauer ist trotz gemischter Kritiken durchweg positiv und sie bewerteten den Film im Schnitt mit einem „A“-CinemaScore (äquivalent einer „1“). Etwa 56% der Zuschauer des Films waren weiblich und 51% waren unter 25, wie man bei einem Familienfilm erwarten würde. Als Familienfilm wird sich Arlo & Spot über Weihnachten gut halten, doch die Konkurrenz ist nicht zu unterschätzen und besteht aus Alvin und die Chipmunks: Road Chip sowie natürlich dem neuen Star-Wars-Film, der alle Altersgruppen anspricht. Arlo & Spot wird also vermutlich etwa $155-170 Mio in den USA erreichen und wenn das bestmögliche Szenario wahr wird, bleibt es trotzdem ein sehr enttäuschendes Ergebnis, wenn Arlo & Spot sogar von Home oder möglicherweise Hotel Transsilvanien 2 geschlagen wird.

Obwohl er sich mit Platz 3 der Charts begnügen musste, war der Start von Creed – Rocky’s Legacy umso bemerkenswerter. Am regulären Wochenende spielte das Spin-Off der beliebten Rocky-Reihe $29,6 Mio von 3404 Kinos ein und schrieb einen tollen Schnitt von $8705 pro Kino. Es ist nicht nur der beste Start eines Rocky-Films, sondern sogar der beste im Genre der Boxfilme überhaupt. Zudem war es das drittbeste Startwochenende in der gesamten langen Karriere von Sylvester Stallone. Lediglich The Expendables und Mission 3D kamen noch besser aus den Startlöchern. Doch es wird noch beeindruckender. Wie Arlo & Spot startete auch Creed bereits am Mittwoch und spielte seitdem bereits $42,1 Mio ein. Nicht nur ist das super für einen Film mit einem Produktionsbudget von nur $37 Mio, Creed hat auch schon die Gesamteinspielergebnisse von neuen Stallone-Streifen wie Shootout – Keine Gnade, Escape Plan und sogar The Expendables 3 in den USA überholt – nach nur fünf Tagen!

Es ist wirklich ein großartiges Comeback für Stallone in der Rolle, die für seine Karriere bezeichnender war als jede andere. Bereits der vorläufige Abschied vom Charakter, Rocky Balboa, lief in den USA recht gut an den Kinokassen und spielte vor neun Jahren $70,3 Mio ein. Rocky IV, Rocky III und Rocky sind bis heute mit jeweils $127,8 Mio, $125 Mio und $117,2 Mio die drei erfolgreichsten Boxfilme aller Zeiten in Nordamerika, doch nun wird auch Creed in dieser Gruppe mitmischen. Nach nur fünf Tagen hat er bereits mehr als 65% des Gesamteinspiels von Rocky Balboa in den USA umgesetzt und sogar schon Rocky V hinter sich gelassen.

Bei Creed kam alles perfekt zusammen. Das Marketing des Films setzte sowohl auf Nostalgie gegenüber der Originalreihe, versprach aber auch ein frisches Kapitel, das sich nicht lediglich auf den Lorbeeren der Vorgänger ausruht. Die äußerst positiven Kritiken bestätigten diesen Eindruck und machten aus Creed einen der Must-See-Filme des Winters. Sylvester Stallone mag zwar schon länger kein Kassenmagnet in jeder Rolle sein, doch als Rocky Balboa lieben ihn immer noch Millionen Kinogänger. Etwa 63% der Zuschauer des Films am Wochenende waren Männer und 66% waren älter als 25 – beide Werte sind angesichts der Fans von Rocky, Stallone und des Boxsports nicht gerade überraschend. Die Mundpropaganda von Creed ist großartig. Der Film erhielt einen „A“-CinemaScore (äquivalent einer „1“) und es bildet sich jetzt schon Oscar-Hype für Stallones Performance. Wie schon Rocky Balboa sollte sich auch Creed über die Weihnachtszeit gut halten und vermutlich zu Warners erstem Film seit Mai mit mehr als $100 Mio in Nordamerika werden. Momentan sieht es nach einem Gesamteinspiel von $115-130 Mio aus, sodass Creed mit etwas Glück sogar der umsatzstärkste Boxfilm aller Zeiten (vor Rocky IV) in den USA werden könnte.