Quelle: Boxofficemojo

Seit 2009 startet jedes Jahr am Wochenende vor Thanksgiving ein Box-Office-Schwergewicht in den US-Kinos und dieses Jahr war nicht anders. Der $100-Mio-Start des finalen Panem-Films war jedoch das schwächste Startwochenende in diesem Release-Fenster seit 2008 und so lag das Gesamteinspiel der Top 12 am Wochenende mit $166,3  Mio 11% hinter dem Top-12-Einspiel am gleichen Wochenende von 2014. Gegenüber dem vorherigen Wochenende war es trotzdem eine gewaltige Steigung um knapp 73%. Das Box-Office-Wochenende bleib insgesamt unter den Erwartungen, was nicht nur am milden Start von Mockingjay Teil 2 lag, sondern auch daran, dass unter der Last des Films und der beiden anderen Newcomer, fast alle älteren Filme zusammengebrochen sind, weil die meisten von ihnen sehr viele Leinwände verloren haben. Daher gab es am Wochenende eigentlich nur wenige Highlights und es bot sich vor allem in den unteren Rängen der Charts ein trauriger Anblick.

Was sich schon am Starttag abgezeichnet hat, bestätigte sich für das gesamte Wochenende: Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 lief mit $102,7 Mio von 4175 Kinos an und erreichte einen Schnitt von $24591 pro Kino. Das Panem-Finale wurde damit zum 33. Film, der mit mehr als $100 Mio an den US-Kinokassen startete und verzeichnete den fünftbesten Start des Jahres. Obwohl es niemandem in den Sinn kommen würde, den Film als finanziellen Flop zu bezeichnen (schließlich wird er weltweit mehr als $600 Mio einspielen), lässt sich nicht leugnen, dass das Studio vermutlich auf mehr zum Start gehofft hat, und das nicht zu Unrecht. Mockingjay Teil 2 startete 16% unter seinem direkten Vorgänger, 33% unter The Hunger Games und 35% unter Catching Fire. Nicht viele haben vor dem Start erwartet, dass der Film die Debüts der ersten beiden Franchise-Einträge schlagen würde, doch es schien nicht unvernünftig zu hoffen, dass das Finale zumindest auf dem gleichen Niveau wie Mockingjay Teil 1 eröffnen würde. Vergleicht man den Start mit den finalen Harry-Potter– und Twilight-Filmen, so verblasst der Start von Mockingjay Teil 2 noch mehr. Der letzte Harry Potter legte mit $169,2 Mio den besten Start aller Zeiten hin, während Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 2 mit $141,1 Mio immerhin etwas besser als der erste Teil des Finales angelaufen ist. Dabei hat kein Twilight– oder Harry-Potter-Film je die Höhen der ersten beiden Panem-Teile erreicht, die in den USA jeweils mehr als $400 Mio einspielten.

Doch wie kam es zu diesem tiefen Sturz? Höchstwahrscheinlich hat Mockingjay nicht einen beträchtlichen Teil seiner Fangemeinde verloren, sondern war diesmal nicht mehr in der Lage, reguläre Kinogänger außerhalb der Fanbase anzulocken. Diesen fehlte vermutlich der Aspekt der Hungerspiele oder der ruhige und grimmige Vorgängerfilm hat einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Wie dem auch sei, ist Mockingjay Teil 2 lediglich auf Platz 31 der besten Startwochenenden aller Zeiten in den USA/Kanada gelandet, während die ersten beiden Filme der Reihe weiterhin in der Top 10 dieser Liste verweilen.

Im Gegensatz zu Harry Potter und Twilight zeichneten sich die Panem-Filme jedoch durch geringere Frontlastigkeit aus. Das bedeutet, dass deren Fans nicht alle direkt am ersten Wochenende die Kinos stürmen und die Filme daraufhin schnell abstürzen. Angesichts der großen Fangemeinde ist es eigentlich bemerkenswert, dass jeder Panem-Film sich nach dem Start besser halten konnte als der Vorgänger. Folgt Mockingjay Teil 2 dem Muster der ersten drei Filme, erwartet ihn ein Gesamteinspiel von etwa $270-280 Mio in den USA. Die Mundpropaganda des Films ist gut, die Zuschauer vergaben dem Sequel einen „A-„-CinemaScore (äquivalent einer „1-„). Einen beträchtlichen Teil des Einspiels hat Mockingjay Teil 2 der Altersgruppe 18-24 zu verdanken, die für etwa 37% der Ticketkäufe verantwortlich war. Diese Altersgruppe wird auch vom Release des neuen Star-Wars-Film im Dezember getroffen werden, doch bis dahin sollte Mockingjay Teil 2 eine gute Zeit in den Charts haben. Weniger als $260 Mio erwarte ich nicht, jedoch sind auch nicht mehr als $290 Mio drin. Innerhalb von nur zwei Jahren hat das Franchise also mindestens ein Drittel seiner Zuschauer eingebüßt. Um die Enttäuschung in Perspektive zu rücken: Catching Fire spielte nach zehn Tagen bereits $296 Mio ein.

Der Start des 2. Mockingjay-Teils mag nicht so stark wie erhofft gewesen sein, doch das änderte nichts daran, dass der Film mächtige Konkurrenz darstellte und unter dieser hatten die meisten anderen Filme zu leiden. Der zweitplatzierte Spectre fiel um 55,3% auf $15 Mio an seinem dritten Wochenende und hielt sich schlechter als Skyfall im Angesicht des $141-Mio-Starts von Breaking Dawn Teil 2. Nach 17 Tagen hat der 24. James-Bond-Film $154,1 Mio in Nordamerika eingespielt und ist noch weiter hinter Skyfall zurückgefallen. Mittlerweile hinkt er dem letzten Bond-Einsatz von Daniel Craig um 30% hinterher. Verglichen mit Ein Quantum Trost ist sein Vorsprung auf lediglich 9% geschrumpft. Erschienen $200 Mio vergangenes Wochenende noch so wahrscheinlich, wird Spectre nun einen wirklich guten Drop über Thanksgiving brauchen, um die Barriere zu überqueren. Ein guter Vergleich ist Mission: Impossible – Rogue Nation, der dieses Jahr $195 Mio in den USA einspielte. Spectre liegt aktuell noch 11% vor dem Film im selben Zeitraum, doch Rogue Nation hatte sehr viel Durchhaltevermögen in seinen späteren Wochen, das Spectre vermutlich fehlen wird. Ich glaube allerdings, dass der Film nah genug an $200 Mio kommen wird, dass Sony sicherstellen kann, dass er die Marke auch passiert. Allerdings könnte es noch bis 2016 dauern und mehr als $205 Mio ist auf keinen Fall drin. Auch Bond wird also ein Drittel seiner Zuschauer gegenüber dem Franchise-Höhepunkt verloren haben.

Die Peanuts – Der Film hielt sich wieder einmal schlechter als erwartet. Der nostalgische Animationsfilm fiel um 45% auf $13,2 Mio und belegte Platz 3 der US-Charts. Nach 17 Tagen steht der Streifen bei $99,3 Mio. Über Thanksgiving sollte der Film eine gute Performance hinlegen, wird jedoch mit dem Pixar-Neustart Arlo & Spot konkurrieren. Dank der ergiebigen Weihnachtszeit gehe ich weiterhin von mehr als $150 Mio aus, doch angesichts der augenscheinlich sehr positiven Mundpropaganda hätte man auch mehr erwarten können. Bei einem Budget von $99 Mio kann sich Fox jedoch nicht beklagen.