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Quelle: Boxofficemojo

Obwohl die neue Nummer 1 der nordamerikanischen Kinocharts mit dem zehntbesten Startwochenende des Jahres aus den Startlöchern kam, blieb der Gesamtumsatz der Top 12 mit $149,2 Mio identisch zur Vorwoche. Das lag hauptsächlich daran, dass das vorige Wochenende durch den Nationalfeiertag am Freitag (Veterans Day) „gepolstert“ war und vielen Filmen sehr milde Rückgänge ermöglichte. Mit der großen Konkurrenz durch Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind und ohne den Feiertags-Effekt, büßten die meisten Filme mehr als die Hälfte ihres Einspiels von der Vorwoche ein. Gegenüber dem gleichen Wochenende im Vorjahr, als Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 eröffnete, sank die Top 12 um 10%.

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind legte einen soliden Start an der Spitze hin, übertraf aber mit $74,4 Mio keine Erwartungen. In 4144 Kinos erzielte der Fantasyfilm einen Schnitt von $17954. Das Startwochenende gibt nicht wirklich Grund zum Klagen für Warner Bros., doch auch Jubelrufe sollten ausbleiben. Trotz Hilfestellung durch Inflation und 3D eröffnete Phantastische Tierwesen dennoch unter jedem Harry-Potter-Film. Vor fast genau 15 Jahren kam Harry Potter und der Stein der Weisen in die US-Kinos und brach damals mit $90,3 Mio den bisherigen Startrekord. Inflationsbereinigt wären das heute etwa $137,4 Mio. Der Start von Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind ist gerade einmal der zehntbeste des Jahres, hinter Filmen wie Doctor Strange oder Zoomania. Natürlich konnte man nicht den gleichen Zuschaueransturm erwarten wie bei Harry Potter, denn schließlich hat das Prequel keine gemeinsamen Charaktere oder Geschichten mit der Reihe um den Zauberlehrling, doch das ändert nichts daran, dass Warner $180 Mio in den Film investierte (ohne Marketingausgaben) und damit mehr als in die ersten fünf Harry-Potter-Filme, die zwischen $100 Mio und $150 Mio kosteten. In Nordamerika alleine wird Phantastische Tierwesen seine Ausgaben nicht wieder einnehmen können (da nur 55% vom Einspiel an das Studio zurückgeht), doch zum Glück gelang dem Film international ein starker Auftakt.

Die Mundpropaganda für den Film scheint sehr positiv zu sein, wenn man nach dem „A“-CinemaScore (äquivalent einer „1“) urteilt, den die Zuschauer ihm am Startwochenende vergaben. Die Zuschauer des Films waren mit 65% über 25 überwiegend älter (vermutlich v. a. mittlerweile erwachsene Harry-Potter-Fans), sodass er kommendes Wochenende nicht zu sehr in direkte Konkurrenz mit Disneys Animationsfilm Vaiana treten sollte. Erst Rogue One – A Star Wars Story wird eine direkte Bedrohung für ihn darstellen. Folgt Phantastische Tierwesen dem gleichen Verlauf wie der ebenfalls im November gestartete Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1, wird er etwa $176 Mio in den USA und in Kanada einspielen, verhält er sich eher wie Harry Potter und der Feuerkelch, werden es $210 Mio. Letztlich wird er vermutlich irgendwo dazwischen landen, bei etwa $190-210 Mio. Kommendes Wochenende wird uns dann verraten, wie gut die Chancen des Films auf $200 Mio sind.

Platz 2 ging am Wochenende an Marvels Blockbuster Doctor Strange, der nach einem überraschend milden Rückgang in der Vorwoche diesmal ohne Feiertag im Rücken und mit direkter Konkurrenz um heftige 58,7% auf $17,8 Mio fiel und nach 17 Tagen bei $181,6 Mio steht. Es ist ein fabelhaftes Zwischenergebnis, denn Doctor Strange hat bereits die Gesamteinnahmen von Thor, Ant-Man und Captain America: The First Avenger übertroffen. Außerdem liegt der Film 8% vor Thor – The Dark Kingdom, obwohl beide nahezu identisch gestartet sind. Darüber hinaus liegt Doctor Strange nur 9% hinter The Return of the First Avenger im selben Zeitraum und sollte den Abstand dank Thanksgiving (traditionell eine sehr ertragreiche Zeit für die Kinobesitzer) verringern. Doctor Strange nimmt Kurs auf ein finales Gesamteinspiel von etwa $235-245 Mio und ist damit neben Guardians of the Galaxy der größte Überraschungshit aus dem Marvel Cinematic Universe. Kaum jemand traute diesem nur mäßig bekannten Charakter einen so großen Hit zu. Auch weltweit läuft es für Dr. Stephen Strange prächtig, denn sein Film steuert auf mehr als $700 Mio zu.

Auch DreamWorks‘ Trolls fiel ohne Feiertag etwas drastischer als man es sonst erwarten würde und erreichte $17,4 Mio (-50,1%) auf Platz 3. Nach 17 Tagen steht der Animationsfilm bei $116,2 Mio – 17% vor Die Peanuts – Der Film und 6% vor Megamind im selben Zeitraum. Beide starteten ebenfalls am ersten November-Wochenende mit nahezu identischen Zahlen zu Trolls, hielten sich jedoch deutlich schlechter. Der größte Test kommt mit dem Start von Disneys Vaiana auf Trolls noch zu. Die Feiertage sind allerdings eine Zeit, in der mehrere Familienfilme erfolgreich co-existieren können, sodass Trolls immer noch $160-165 Mio in Nordamerika einspielen sollte. Für ein Sequel sollte das vermutlich reichen.

Denis Villeneuves Science-Fiction-Drama Arrival erhielt nach dem starken Start in nur 2317 Kinos überraschenderweise lediglich 18 neue Lichtspielhäuser an seinem zweiten Wochenende spendiert und fiel um 49,6% auf $12,1 Mio. Damit brachte der Film sein vorläufiges Einspiel auf $43,7 Mio nach zehn Tagen. Offensichtlich spricht sich die Enttäuschung vieler Zuschauer rum, dass Arrival kein actionreicher Alieninvasions-Blockbuster ist, den sich einige nach den Trailern vermutlich erhofft haben. Mit der nahenden Oscar-Saison wird sich Arrival zwar stabilisieren, doch die Frage ist, ob es früh genug passieren wird. Jegliche Chancen auf $100 Mio dürften allerdings aus dem Fenster sein. Mittlerweile gehe ich von insgesamt $75-80 Mio aus.

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