Box-Office USA: Spectre und Die Peanuts wehren die Newcomer ab

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Box Office USA Spectre Wochenende 2

Quelle: Boxofficemojo

Obwohl drei Filme vergangenes Wochenende in nordamerikanischen Kinos breit gestartet sind, spülten sie zusammengerechnet kaum mehr als $15 Mio in die Kinokassen und damit also nicht einmal die Hälfte des erstplatzierten Films. Die erfolgreichsten beiden Filme am US-Box-Office blieben daher Vorwoche unverändert, doch beide gaben gegenüber ihrem Startwochenende deutlich nach. Das Ergebnis war, dass das Gesamteinspiel der Top 12 insgesamt um 36% gegenüber dem letzten Wochenende sank und um 26% gegenüber dem entsprechenden Wochenende von 2014 als der starke Nummer-1-Start von Dumm und Dümmehr den Umsatz-Rückgang nach dem erfolgreichen vorherigen Wochenende abmilderte. Wie schon in der Vorwoche kamen nur zwei Filme über $10 Mio von Freitag bis Sonntag.

Das 24. James-Bond-Abenteuer Spectre verlor erwartungsgemäß etwas mehr als die Hälfte seiner Zuschauer vom Startwochenende. Mit $33,7 Mio verteidigte der vierte Bond-Einsatz von Daniel Craig die Chartspitze und gab um 52,2% gegenüber dem letzten Wochenende nach. Positiv zu vermelden ist, dass Spectre sich am zweiten Wochenende tatsächlich etwas besser hielt als Skyfall, der 53,5% abgebaut hatte. Allerdings verbuchte Skyfall diesen Rückgang im Angesicht des $141-Mio-Starts des finalen Twilight-Films, während Spectre wirklich keine nennenswerte Konkurrenz in der zweiten Woche zu befürchten hatte. Noch besser sieht es allerdings im Vergleich mit Ein Quantum Trost aus, der am zweiten Wochenende 60,4% seiner Zuschauer vom Start verlor. Aber auch der Film musste gegen fast $100 Mio an neu gestarteter Konkurrenz antreten. Eine solche Konfrontation erwartet Spectre kommendes Wochenende, wenn Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 mit mehr als $100 Mio starten wird. Dann wird sich zeigen, wie es um das Durchhaltevermögen von Spectre wirklich steht.

Nach zehn Tagen hat der Film in den USA bereits $129 Mio erreicht und liegt damit in den USA schon vor jedem Bond-Film außer Skyfall, Ein Quantum Trost, Casino Royale und Stirb an einem anderen Tag. Vergleicht man das 10-Tage-Ergebnis dieser Filme mit Spectre, so liegt Spectre 37% vor Casino Royale, 27% vor Stirb an einem anderen Tag, 19% vor Ein Quantum Trost, aber 20% hinter Skyfall im selben Zeitraum. Kommendes Wochenende wird Spectre mit Sicherheit wieder deutlich abbauen, aber in der Thanksgiving-Woche sollte er sich etwas erholen. Innerhalb der nächsten zwei Wochen sollte Spectre zum zweiterfolgreichsten Bond-Film aller Zeiten in den USA und in Kanada werden. Tatsächlich sind nach dem ordentlichen Drop am vergangenen Wochenende seine Chancen auf $200 Mio erheblich gestiegen. Wenn er von jetzt an so läuft wie Ein Quantum Trost nach dessen zweitem Wochenende, wird er bei insgesamt $202 Mio landen. Da aber Spectre noch etwas bessere Mundpropaganda hat (er erhielt immerhin einen "A-"-CinemaScore) und es bis zum Jahresende keine neuen Actionfilme im Kino geben wird, traue ich ihm besseres Stehvermögen und ein Gesamteinspiel im Bereich von $205-215 Mio zu.

Eine kleine Enttäuschung war letztes Wochenende Die Peanuts – Der Film, der trotz seines absoluten Monopols auf dem Familienfilm-Markt und sehr positiver Bewertungen der Zuschauer trotzdem um 45,7% auf $24 Mio fiel. Nach zehn Tagen erreichte er knapp $82,3 Mio. Die letzten beiden Animationsfilme, die ebenfalls gemeinsam mit einem neuen Bond-Film angelaufen sind – Ralph reicht’s und Madagascar 2 – haben sich an ihrem zweiten Wochenende mit Drops von jeweils 32,7% und 44,5% etwas besser gehalten. Der stärkere Rückgang ist vermutlich dadurch zu erklären, dass der Film dank nostalgischer Fans, die schon seit Ewigkeiten keinen neuen Peanuts-Film gesehen haben, zum Start etwas frontlastiger war als man es von einem Animationsfilm zu dieser Jahreszeit erwarten würde. Nichtsdestotrotz glaube ich noch daran, dass Die Peanuts sich im weiteren Verlauf schnell stabilisieren wird und über Thanksgiving und Weihnachten auch trotz Konkurrenz von Arlo & Spot, Star Wars und Alvin und die Chipmunks 4 noch punkten wird. Gerade als Weihnachtsfilm wird Die Peanuts vermutlich für sehr viele Familien die erste Wahl sein, sodass ich davon ausgehe, ihn noch bis Januar in den US-Kinocharts zu sehen. Ein finales Einspiel von $160-170 Mio ist daher weiterhin möglich.

Der alljährliche Ensemble-Weihnachtsfilm mit dem passend-generischen deutschen Titel Alle Jahre wieder (OT: Love the Coopers) landete zum Start auf Platz 3 mit $8,3 Mio von 2603 Kinos und einem Schnitt von $3195 pro Location. Es scheint als sei die Attraktivität solcher Feiertags-.Ensemblefilme in den letzten Jahren deutlich gesunken. Trotz einer sehr namhaften Besetzung, zu der u.a. Oscargewinner Marisa Tomei, Alan Arkin und Diana Keaton sowie Stars wie John Goodman, Ed Helms, Olivia Wilde und Amanda Seyfried gehören, konnte der Streifen nicht einmal $10 Mio knacken. Vor zehn Jahren startete der vergleichbare Ensemble-Weihnachtsfilm Die Familie Stone (ebenfalls mit Diane Keaton) immerhin noch mit $12,5 Mio und endete mit knapp über $60 Mio. Alle Jahre wieder wird mit viel Glück etwa die Hälfte davon einnehmen. Durch die prominente Besetzung von Diane Keaton weckte der Film vor allem Interesse bei einem älteren weiblichen Publikum. Etwa 70% der Zuschauer des Films waren weiblich und 82% über 25. Die gute Nachricht ist, dass es nicht sehr viele Filme in den nächsten Wochen gibt, die dieses Zielpublikum ansprechen und der Streifen wird von der Nähe zu Thanksgiving und Weihnachten sicherlich profitieren, auch wenn die Rezeption der Kinogänger nur mäßig zu sein scheint. Sie bewerteten Alle Jahre wieder im Schnitt mit einem "B-"-CinemaScore (äquivalent einer "2-"). Mehr als $25-30 Mio sind hier also nicht drin. Zum Glück für das Studio, kostete der Film trotz seiner Besetzung lediglich $17-18 Mio.

Trotz seiner Chartplatzierung auf Rang 4 war Ridley Scotts Der Marsianer wieder einmal der große Gewinner am vergangenen Wochenende. Der Sci-Fi-Film mit Matt Damon hielt sich besser als jeder andere Top-10-Film und ging lediglich um 26% auf $6,7 Mio zurück. Das Weltraum-Abenteuer hat mittlerweile als siebter Film von 2015 die $200-Mio-Marke in den USA überschritten und steht jetzt bei $207,4 Mio. Bemerkenswert ist, dass der Film mittlerweile mehr Wochen (sieben) in der Top 5 verbracht hat als Jurassic World oder Alles steht Kopf. Nur Mission: Impossible – Rogue Nation und Fast & Furious 7 konnten sich dieses Jahr ebenso lange in der Top 5 halten. Trotz eines deutlich schwächeren Starts hat Der Marsianer jetzt schon die Gesamtergebnisse von Fifty Shades of Grey, Cinderella und Pitch Perfect 2 in den USA überholt und auch Spectre wird ihn nicht mehr einholen. Momentan liegt Der Marsianer 14% hinter Gravity im gleichen Zeitraum. Da es jedoch immer wahrscheinlicher wird, dass Der Marsianer dieses Jahr zu den Oscarkandidaten gehören wird, könnte dieser Abstand sogar noch etwas schrumpfen. Ich gehe aktuell von mindestens $235 Mio aus, aber auch $250 Mio sind nicht ganz unmöglich.

69 Tage Hoffnung über das Minenunglück und die wundersame Rettung der chilenischen Minenarbeiter startete etwas enttäuschend mit $5,8 Mio auf Rang 5 der Charts und erreichte von 2452 nur einen Schnitt von $2360. Das hat sich Warner Bros. für den von Antonio Banderas angeführten Film vermutlich besser vorgestellt. Die enttäuschende Performance lag mit Sicherheit zum Teil an den schwachen Rezensionen, denn gerade Dramen wie dieses brauchen gute Kritiken, um weites Interesse zu wecken. Bei den Zuschauern kam der Film jedoch mit einem "A-"-CinemaScore (äquivalent einer "1-") gut an. Solange der Film seine Leinwände lange genug behalten kann, kann er mit einem Endergebnis von $16-20 Mio rechnen.