Links: Doctor Strange © 2016 Walt Disney Pictures
Rechts: Arrival © 2016 Sony Pictures

Quelle: Boxofficemojo

Am Wochenende nach den turbulenten Präsidentschaftswahlen war vielen US-Amerikanern nach Ablenkung und passenderweise war der Freitag ein nationaler Feiertag (Veterans Day), sodass die Kinos besonders voll waren und die meisten Filme sich deutlich besser hielten als erwartet. Ohne die ganz großen Neustarts wie Doctor Strange und Trolls in der Vorwoche, gab die Top 12 dennoch um 18% nach und setzte insgesamt $149,3 Mio um. Gegenüber dem gleichen Wochenende im Vorjahr, als Spectre zum zweiten Mal Platz 1 der Charts belegte, war dies ein starkes Plus in Höhe von 55%.

Doctor Strange verteidigte mühelos den Spitzenplatz der nordamerikanischen Kinocharts. Die Marvel-Verfilmung profitierte einerseits von sehr positiver Mundpropaganda („A“-CinemaScore, äquivalent einer „1“) und andererseits vom Veterans Day. Was kann einen außerdem besser von der tristen Realität des Wahlergebnisses ablenken als ein fantastischer, berauschender Trip in fremdartige Dimensionen. An seinem zweiten Wochenende spielte Doctor Strange $43 Mio ein und damit nur 49,5% weniger als zum Start. Nach dem ersten Iron Man und Thor ist Doctor Strange erst die dritte (von insgesamt 14) Marvel-Cinematic-Universe-Film, der an seinem zweiten Wochenende einen Rückgang von 50% oder mehr vermeiden konnte. Sogar sehr beliebte Hits wie Guardians of the Galaxy und The Avengers fielen in der zweiten Woche erst einmal um 55,3% bzw. 50,3%, bevor sie sich in den darauffolgenden Wochen stabilisierten. Auch wenn der Drop natürlich durch den Feiertag am Freitag begünstigt wurde, ist er dennoch bemerkenswert. Nach zehn Tagen in den Kinos hat Doctor Strange bereits sehr starke $153 Mio eingespielt und liegt 44% vor Ant-Man, 28% vor Thor und 5% vor Thor – The Dark Kingdom im selben Zeitraum. Außerdem hat sich der Abstand zwischen Doctor Strange und dem deutlich besser gestarteten The Return of the First Avenger auf nur 4% verringert.

Es ist offensichtlich, dass Doctor Strange ganz schnell zu einem der beliebtesten Solofilme aus dem MCU avanciert ist. Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind wird ihm kommendes Wochenende natürlich die Zuschauer und die IMAX-Leinwände streitig machen, doch spätestens über Thanksgiving wird sich der Film wieder erholen. Zu seinem Vorteil ist es, dass nach Phantastische Tierwesen bis zum Start von Rogue One – A Star Wars Story keine weiteren potenziell großen Realfilm-Blockbuster in die Kinos kommen werden, sodass Doctor Strange insbesondere in der ersten Dezemberhälfte freie Fahrt haben wird. Noch vor Ende dieses Monats sollte Doctor Strange $200 Mio erreichen und je nachdem, wie er sich im Angesicht von Rogue One hält, kann man von einem finalen Gesamteinspiel von $235-250 Mio ausgehen, was bei einem Produktionsbudget von $165 Mio sehr gut ist. Weltweit hat Doctor Strange bereits eine halbe Milliarde US-Dollar eingenommen und steuert auf mehr als $700 Mio zu.

Der größte Gewinner am Wochenende war aber nicht Doctor Strange, sondern der zweitplatzierte Film, Trolls. DreamWorks‘ Animationsstreifen fiel um mickrige 24,9% auf $35 Mio und steht bei $93,9 Mio nach zehn Tagen im Verleih. Obwohl alle drei Filme ähnlich gestartet sind, liegt Trolls jetzt schon 14% vor Die Peanuts – Der Film und 6% vor Megamind im selben Zeitraum sowie fast gleichauf mit DreamWorks‘ letztem Originalhit Home. Zwei große Hürden erwarten Trolls in den nächsten Wochen – das Harry-Potter-Prequel Phantastische Tierwesen und Disneys großer Animationsfilm Vaiana, die beide ebenfalls um das Familienpublikum von Trolls buhlen werden. Zum Glück für den Film können während der Weihnachtszeit mehrere familientaugliche Filme erfolgreich co-existieren, doch zunächst erwarten ihn vermutlich etwas stärkere Drops. Insgesamt wird Trolls etwa $150-160 Mio in Nordamerika einspielen.

Einen wirklichen guten Start legte Denis Villeneuves Sci-Fi-Film Arrival auf Platz 3 der Wochenendcharts hin. Obwohl der Film nur in 2317 Kinos gestartet wurde, spielte er von Freitag bis Sonntag $24,1 Mio ein und schrieb einen Schnitt von $10390 pro Spielstätte. Es ist offensichtlich, dass Paramount den Film nicht wie einen Blockbuster à la Interstellar oder Gravity ins Rennen schickte, sondern wie einen Prestigefilm und Oscaranwärter, weshalb die Anzahl der Kinos für einen Film wie diesen uncharakteristisch niedrig erscheint. Diese Strategie erinnert sehr an Paramounts Start von Flight mit Denzel Washington im November 2012. Flight durfte zunächst auch nur in 1884 Kinos anlaufen und spielte zum Start dennoch kräftige $24,9 Mio ein. Über die zwei folgenden Wochen wurde Flight in mehr als 700 zusätzliche Kinos expandiert, hielt sich dadurch gut und erreichte am Ende (auch dank Washingtons Oscarnominierung) $93,8 Mio. Ein ähnlicher Verlauf könnte auch die Box-Office-Performance von Arrival nehmen. Die Zuschauerwertungen für den Film sind eher gemischt ausgefallen, mit einem CinemaScore von „B“ (äquivalent einer „2“). Das liegt vermutlich daran, dass viele einen actionreichen Alien-Invasionsfilm erwarteten und stattdessen ein ruhiges Science-Fiction-Drama bekamen. Nichtsdestotrotz werden sehr positive Kritiken dem Film helfen, ebenso wie seine wahrscheinlichen Oscarnominierungen. Der $47 Mio teure Film mit Amy Adams sollte $85-100 Mio in Nordamerika einspielen, vorausgesetzt er bekommt über die nächsten Wochen genug neue Kinos.

Platz 4 ging am Wochenende an den am breitesten gestarteten Newcomer Almost Christmas. Der hauptsächlich an ein afroamerikanisches Publikum gerichtete Film mit Danny Glover und Gabrielle Union spielte $15,1 Mio von 2376 Kinos ein (im Schnitt $6370 pro Kino). Da Almost Christmas nur $17 Mio (ohne Marketingausgaben) kostete, ist es ein passabler Start, liegt jedoch leicht unter den Erwartungen. Vergleichbare Filme wie The Best Man Holiday ($30,1 Mio) und This Christmas ($18 Mio) liefen in den letzten Jahren besser an. Der Film wurde im Schnitt mit einem „A-„-CinemaScore bewertet (äquivalent einer „1-„), doch Filme wie Almost Christmas sind häufig von Natur aus eher frontlastig, sodass man nicht mehr $40-45 Mio erwarten sollte.

Mel Gibsons Hacksaw Ridge war natürlich der perfekte Film, um am Freitag vom Veterans Day zu profitieren und gab am Gesamtwochenende lediglich um 30% nach. Etwa $10,6 Mio flossen an seinem zweiten Wochenende in die Kinokassen und der Film kletterte auf ein vorläufiges Gesamteinspiel von $32,1 Mio nach zehn Tagen. Die Mundpropaganda des Films ist sehr gut und mit potenziellen Oscaraussichten wird er nicht schnell aus den Charts verschwinden. Ein Gesamteinspiel in Höhe von $60-70 Mio ist sehr wahrscheinlich. Der Film wird mindestens das Vierfache von seinem Startwochenende einnehmen.

Auf Seite 2 verraten wir Euch, wie gut sich Ben Afflecks Hit The Accountant und die Bestselleradaption Girl on the Train am Wochenende gehalten haben und wie Naomi Watts‘ Psychothriller Shut In aus den Startlöchern gekommen ist.