Quelle: Boxofficemojo

Die Ankunft von The First Avenger: Civil War erweckte das Geschäft in den nordamerikanischen Kinos zum neuen Leben und beendete die dreiwöchige Herrschaft von The Jungle Book an den Kinokassen. Doch der Riesenstart hatte, wie üblich, auch seine Folgen für die anderen Filme, die (bis auf eine Ausnahme) nahezu gänzlich zusammenbrachen. Nichtsdestotrotz schossen die Gesamteinnahmen der Top 12 um 136% in die Höhe auf $233,6 Mio und damit das insgesamt zweitbeste Wochenende des Jahres (nach dem Osterwochenende). Gegenüber dem ersten Maiwochenende im Vorjahr, als Avengers: Age of Ultron die Charts regierte, ging es um 3% hinauf, obwohl der zweite Avengers einen leicht besser Start als Civil War verbuchte.

The First Avenger: Civil War kam mit $179,1 Mio von 4226 Kinos (und einem spektakulären Schnitt von $43390 pro Kino) gigantisch aus den Startlöchern, auch wenn ein solcher Start angesichts der ungebrochenen Popularität der Marvel-Helden für niemanden mehr eine Überraschung ist. Nichtsdestotrotz muss man den enormen Erfolg natürlich anerkennen. Es war nicht nur das umsatzstärkste Startwochenende des Jahres, sondern auch das fünftbeste Startwochenende aller Zeiten in den USA und in Kanada. Comicverfilmungen sind offenbar die mit Abstand größten Zuschauermagnete heutzutage in Nordamerika, denn mit dem Start von Civil War gehören jetzt sieben der zehn besten Startwochenenden aller Zeiten Comicbuchadaptionen. Plätze 3, 4, 5 und 6 gehen dabei an Marvel (beide Avengers-Filme, Civil War und Iron Man 3), während die Plätze 8 (Batman v Superman), 9 (The Dark Knight Rises) und 10 (The Dark Knight) DC gehören. Wer sich übrigens fragt, welchen Filmen die zwei besten Starts aller Zeiten (noch) gehören – Star Wars: Das Erwachen der Macht ($248 Mio) und Jurassic World ($208,8 Mio). Ein weiterer erwähnenswerter Fakt: es ist schon das 10. Jahr in Folge, in dem die US-Kinocharts am ersten Mai-Wochenende von einer Marvel-Verfilmung  dominiert werden. In sieben Jahren waren es Filme aus dem Marvel Cinematic Universe, zweimal waren es Spider-Man-Filme von Sony und einmal X-Men Origins: Wolverine von Fox. Darüber hinaus gehören Robert Downey Jr. jetzt vier der zehn besten Startwochenenden aller Zeiten. Seinen Status als weltweit bestbezahlter Filmstar hat er sich also redlich verdient.

Am ersten Tag lief Civil War noch nicht ganz so bombastisch wie Avengers: Age of Ultron oder Batman v Superman. In den Previews unterlag der dritte Captain America mit $25 Mio (vs. $27,6 Mio bzw. $27,7 Mio) den beiden, ebenso wie am eigentlichen Starttag. Mit $75,5 Mio gelang Civil War der achtbeste Starttag aller Zeiten. Age of Ultron spielte am ersten Tag letztes Jahr noch $84,4 Mio ein, Batman v Superman im März $81,6 Mio. Doch während beide aufgrund ihrer Frontlastigkeit und gemischter Mundpropaganda am zweiten Tag deutlich einbrachen, hielt sich Civil War blendend und erzielte den fünftbesten Samstag aller Zeiten in Nordamerika mit $61,2 Mio. Dabei verlor er lediglich 18,9% gegenüber seinem Freitag, während es für Age of Ultron um 33% und für Batman v Superman sogar um 37,9% am zweiten Tag runter ging. Am Sonntag lag er wieder deutlich unter Avengers: Age of Ultron ($42,4 Mio vs. $50,3 Mio), weil der stark männerorientierte Film für viele nicht die erste Wahl am Muttertag war. Auch am gesamten Wochenende musste sich Civil War Avengers: Age of Ultron ($191,3 Mio) gegenüber geschlagen geben, übertraf aber locker Batman v Superman ($166 Mio). Etwa $16 Mio von seinem Startergebnis kamen übrigens aus IMAX-Kinos in Nordamerika (Age of Ultron erzielte $18,2 Mio).

In seinen ersten drei Tagen hat The First Avenger: Civil War bereits zwei MCU-Filme hinter sich gelassen: Der unglaubliche Hulk und den ersten Captain America. Der Film lief außerdem um 89% (!) besser an als der zweite Captain America, wobei der Vergleich natürlich etwas hinkt, da Civil War mehr wie ein weiterer Avengers-Film vermarktet wurde und durch die Auftritte von Iron Man und Spider-Man viel mehr Hype hatte als ein „gewöhnlicher“ Captain-America-Film. Das merkt man auch am Unterschied beim Budget – Civil War verschlang mit $250 Mio Produktionskosten $80 Mio mehr als Captain America 2 und lag damit auf dem Niveau von Age of Ultron. Nichtsdestotrotz hat die sehr positive Mundpropaganda von The Return of the First Avenger dem Start von Civil War sicherlich auch geholfen.

Die Kritiken und die Mundpropaganda von Civil War sind sehr positiv und das zeigt bereits erste Wirkung. Spielte Batman v Superman noch 49,1% von seinem Startwochenende am ersten Tag ein und Age of Ultron knapp 44,1%, waren es bei Civil War nur 42,2%. Das spricht für geringere Frontlastigkeit und größere Beliebtheit bei den Zuschauern, was auf lange Sicht zu einem besseren Durchhaltevermögen an den Kinokassen führen sollte. Batman v Superman fiel um 69% an seinem zweiten Wochenende, während Civil War sich erheblich besser halten dürfte. Trotz eines schwächeren Starttags sollte Civil War das Gesamteinspiel der DC-Verfilmung in Nordamerika innerhalb von nur 14-15 Tagen übertreffen. Die Kinogänger bewerteten Civil War im Schnitt mit einem „A“-CinemaScore (äquivalent einer „1“). Etwa 66% der Zuschauer waren Männer und 51% über 25. Insgesamt war es ein etwas männerlastigeres und älteres Publikum als bei Age of Ultron letztes Jahr.

Versuchen wir also zu extrapolieren, wie viel Civil War in den USA nach einem solchen Start insgesamt einspielen könnte. Wenn er dem Verlauf von Iron Man 3 oder Avengers: Age of Ultron folgt, wird Civil War etwa $420-430 Mio in Nordamerika einspielen. Allerdings kann man fest damit rechnen, dass die Mundpropaganda und das Stehvermögen von Captain America 3 deutlich besser sein werden als bei diesen beiden Filmen. Außerdem hatte Iron Man 3 mit dem $50-Mio-Start von Der große Gatsby an seinem zweiten Wochenende deutlich größere Konkurrenz, während Civil War zumindest bis zu einem dritten Wochenende absolut freie Fahrt hat. Es ist durchaus möglich, dass der Film Age of Ultron in Nordamerika toppen und bei mehr als $460 Mio landen wird; ich traue ihm jedoch sogar ein Einspiel bis zu $500 Mio zu. Nur sechs Filme haben diese Marke in Nordamerika zuvor geknackt und Civil War hat die nötige Kombination aus einem großen Publikumsliebling mit toller Mundpropaganda und einem weitgehend konkurrenzfreien Markt, um ebenfalls so weit zu kommen.

Weltweit nahm Civil War bis dato $673 Mio ein und steuert als erster Film von 2016 auf mehr als $1 Milliarde zu.

Auf Seite 2 gibt es Box-Office-Updates zum Rest der Top 12, einschließlich The Jungle Book, Mother’s Day, Zoomania und Batman v Superman: Dawn of Justice.