Quelle: Boxofficemojo

Zum fünften Mal in Folge und bereits zum zehnten Mal dieses Jahr (von insgesamt 20 Wochenenden) gehörte die Spitze der nordamerikanischen Kinocharts wieder Walt Disney Pictures. Wie schon in der Vorwoche trotzte das Power Duo The First Avenger: Civil War und The Jungle Book jeglicher Konkurrenz und war diesmal für etwa 72% der Gesamteinnahmen der Top 12 verantwortlich. Fügt man noch das Einspiel von Zoomania hinzu, gingen mehr als 74% auf Disneys Konto. Während The Jungle Book zudem einen großen neuen Meilenstein passierte, steht The First Avenger: Civil War kurz davor. In Ermangelung starker Neustarts und angesichts des erwartungsgemäßen heftigen Drops der Nummer 1, ging der Umsatz der Top 12 um 47% gegenüber der Vorwoche auf $124,3 Mio zurück, lag aber immerhin 2% über dem gleichen Wochenende im Vorjahr, als Avengers: Age of Ultron in der zweiten Woche führte.

Civil War blieb souverän an der Spitze der Charts und mit $72,6 Mio von Freitag bis Sonntag  gelang der Comicverfilmung das achtbeste zweite Wochenendeinspiel aller Zeiten, haarscharf vor dem zweiten Wochenende von Iron Man 3, der vor drei Jahren auf $72,5 Mio kam. Der Rückgang gegenüber dem gigantischen Start lag mit 59,5% im Rahmen der Erwartungen für eine große und stark gehypte Comicbuchverfilmung. Der Drop war nahezu identisch zu dem von Avengers: Age of Ultron letztes Jahr und deutlich besser als der 69,1%-Rückgang von Batman v Superman an dessen zweitem Wochenende. Wer jedoch auf ein deutlich besseres Durchhaltevermögen als Age of Ultron oder Iron Man 3 dank positiverer Mundpropaganda hoffte, blieb enttäuscht. Iron Man 3 gab sogar um 1% weniger nach, während The Avengers vor vier Jahren nur 50,3% an seinem zweiten Wochenende verlor. Auch der zweite Captain America, The Return of the First Avenger, hielt sich an seinem zweiten Wochenende etwas besser und ging um 56,6% zurück. Natürlich haben das deutlich größere Startwochenende und die damit einhergehende Frontlastigkeit dazu beigetragen, dass Civil War sich nicht ganz so gut hielt. Auch die überschwänglich positiven Kritiken und Reaktionen der Fans konnten den Rückgang nicht mildern. Es besteht aber noch die Möglichkeit, dass Civil War sich im weiteren Verlauf fängt und ein besseres Stehvermögen an den Tag legt als Age of Ultron oder Iron Man 3. Dennoch liegt das einst für möglich gehaltene Endergebnis von $500 Mio in Nordamerika jetzt außerhalb seiner Reichweite.

Es gibt für Disney jedoch wirklich keinen Grund zu klagen. In seinen ersten zehn Tagen hat The First Avenger: Civil War bereits $296 Mio eingenommen und wird die $300-Mio-Marke in nur 11 Tagen knacken. Lediglich fünf Filme waren noch schneller (Star Wars: Das Erwachen der Macht, Jurassic World, The Dark Knight und die beiden Avengers-Streifen). Der Film belegt jetzt schon den fünften Platz unter den erfolgreichsten Filmen des Jahres und wird innerhalb der nächsten zwei Wochen die Spitze erklimmen. In nur neun Tagen hat der Film das Gesamteinspiel des zweiten Captain America ($259,8 Mio) überholt. Unter allen Filmen des Marvel Cinematic Universe haben nur die beiden Avengers-Teile, die Iron-Man-Trilogie und Guardians of the Galaxy in Nordamerika insgesamt mehr eingespielt. Nach dem kommenden Wochenende wird Civil War Guardians und die ersten beiden Iron-Man-Filme hinter sich gelassen haben. Im direkten Vergleich liegt Civil War aktuell 4% vor Iron Man 3 im selben Zeitraum, 14% vor Batman v Superman: Dawn of Justice (den er kommendes Wochenende bereits komplett überholen wird), jedoch 6% hinter Age of Ultron, der mit $77,7 Mio ein besseres zweites Wochenende erzielte.

Kommendes Wochenende erwartet Civil War die geballte Ladung an Konkurrenz aus Bad Neighbors 2, The Nice Guys und Angry Birds, wobei die ersten beiden Filme dank ihrer höheren Altersfreigabe (R-Rating) in nicht direkt mit Civil War konkurrieren. Angry Birds könnte ihm jedoch einige Zuschauer kosten. Der wahre Test kommt jedoch an Memorial-Day-Wochenende, wenn Civil War gegen X-Men: Apocalypse und den zweiten Alice im Wunderland antreten muss, die zusammengerechnet sicherlich über $100 Mio am Wochenende einfahren werden. Je nachdem, wie gut er diese Konkurrenz verkraftet, wird er noch eine Chance haben, Age of Ultrons Gesamteinspiel von $459 Mio zu überholen oder auch nicht. Ich habe kaum Zweifel daran, dass er die $409 Mio von Iron Man 3 übertreffen wird, möglicherweise noch vor Mitte Juni. Alles darüber hinaus ist noch recht unsicher. Vermutlich wird Civil War im Bereich von $440-470 Mio seine Laufzeit beenden und wäre damit einer der zehn umsatzstärksten Filme aller Zeiten in Nordamerika. Weltweit ist eine All-Time-Top-10-Positionierung dem Film sicher, denn er hat insgesamt bereits satte $943 Mio in drei Wochen umgesetzt und steuert auf mindestens $1,25 Mrd zu.

The Jungle Book profitierte wieder einmal von einem Mangel an Alternativen für das Familienpublikum, gab lediglich um 30,1% nach und belegte erneut Platz 2 der Charts. Mit $17,1 Mio schrieb die Realadaption von Disneys Zeichentrickklassiker das zehntbeste fünfte Wochenende aller Zeiten und überquerte bereits am Samstag als vierter Film des Jahres die $300-Mio-Marke. Insgesamt steht The Jungle Book bei stolzen $311,1 Mio. Der Film liegt jetzt schon knapp vor Tim Burtons Alice im Wunderland im selben Zeitraum und hat vergangenes Wochenende mehr als das Doppelte von dem eingespielt, was Alice an dessen fünftem Wochenende einnahm. In den kommenden Wochen wird The Jungle Book den Abstand zwischen den beiden noch deutlich vergrößern, und das obwohl der Film mit etwa $13 Mio weniger angelaufen war als Alice im Wunderland vor sechs Jahren und im Gegensatz zu Alice nicht vom großen 3D-Hype profitierte. Der Erfolg des Films ist unglaublich und spricht Bände über die Popularität von Disneys Original. Schon bald wird The Jungle Book unter die zehn erfolgreichsten Filme des Studios aufsteigen und sollte im Endeffekt etwa $355-360 Mio in den USA und in Kanada einspielen. Je nachdem, wie hart The Jungle Book von der Konkurrenz durch Angry Birds und Alice im Wunderland 2 getroffen werden wird, könnte er sogar Deadpool (aktuell $362,5 Mio) seinen Platz in den US-Jahres-Charts streitig machen.

Platz 3 der Charts ging an den Neueinsteiger Money Monster. Der von Jodie Foster inszenierte Thriller mit George Clooney und Julia Roberts richtete sich an ein älteres Publikum, das inmitten der Effektespektakel von Civil War und The Jungle Book nach ruhiger, ernsthafter Kost suchte. Das Ergebnis war solide, wenn auch nicht überragend angesichts der großen Namen hinter dem Film. Money Monster kam mit $14,8 Mio aus den Startlöchern und erzielte in 3104 Kinos einen Schnitt von $4764 pro Location. Die beiden Stars haben sicherlich zum Start beigetragen, doch deren Qualitäten als Kassenmagnete sind in heutiger Zeit auch nur begrenzt und gemischte Rezensionen haben sicherlich nicht geholfen, weil gerade das Zielpublikum von Filmen wie diesem immer noch Kritiken liest und sich von ihnen beeinflussen lässt. Bei den Zuschauern kam der Film ganz gut an und sie vergaben ihm im Schnitt einen „B+“-CinemaScore (äquivalent einer „2+“). Da in den kommenden Wochen mit der Ausnahme von The Nice Guys keine weiteren „erwachsenen“ Filme in die Kinos kommen, sollte Money Monster sich ganz gut halten und könnte etwa $50-55 Mo in Nordamerika umsetzen.

Auf Seite 2 findet Ihr Einspiel-Updates zu Disneys Animationshit Zoomania und zum Fantasy-Pequel/Sequel The Huntsman & The Ice Queen.