Links: Logan – The Wolverine © 2017 20th Century Fox
Rechts: Get Out © 2017 Universal Puctures

Quelle: Boxofficemojo

Eigentlich hat schon Deadpool vergangenes Jahr mit seinem gigantischen Startwochenende keine Zweifel daran gelassen, dass auch ein Film mit einem R-Rating (US-Altersfreigabe ab 17 Jahren) bei richtigem Stoff und guter Vermarktung großen Erfolg finden kann. Erfreulicherweise hat Logan – The Wolverine diese Annahme am Wochenende erneut bestätigt. Doch nicht nur die neue Nummer 1 der nordamerikanischen Kinocharts legte eine härtere Gangart ein, auch der zweitplatzierte Film – ein kleines Phänomen für sich – trug ein R-Rating. Gemeinsam waren die beiden für 67% der Gesamtumsätze der Top 12 verantwortlich – ein wahrer Triumph für das R-Rating, der hoffentlich weitere Studios dazu bewegen wird, mehr Mut zu zeigen. Bei Fox dürfte man jetzt vollstes Vertrauen in „erwachsene“ Filme haben und das Studio macht jetzt dem bisherigen R-Rating-König Warner Bros. (dem bis 2016 die drei besten R-rated-Starts aller Zeiten gehörten) mächtige Konkurrenz. Der starke Start von Logan und der wahnsinnig gute Rückgang des Vorwochensiegers Get Out führten dazu, dass die Gesamteinnahmen der Top 12 um 56% auf $173,2 Mio zulegten. Verglichen mit dem gleichen Wochenende im Vorjahr, als Zoomania auf Platz 1 eröffnete, ging es um 18% hinauf.

Nach seinem großartigen Starttag von $33 Mio zeigte Logan – The Wolverine überraschend gutes Stehvermögen über das gesamte Wochenende hinweg und kam auf $88,4 Mio bis Sonntag. In 4071 Kinos (ein neuer Rekord für einen R-rated-Film) erzielte Logan einen Schnitt von $21717 pro Spielstätte. Trotz eines etwas schwächeren Starttags gelang es dem Film, das Startwochenende von X-Men Origins: Wolverine ($85,1 Mio) deutlich toppen. Aus der Hauptreihe starteten lediglich X-Men – Der letzte Widerstand ($102,8 Mio) und X-Men – Zukunft ist Vergangenheit ($90,8 Mio) deutlich besser. Unter Filmen mit einem R-Rating liegt Logan auf Platz 4 der besten Startwochenenden aller Zeiten in Nordamerika. Lediglich Deadpool ($132,4 Mio), Matrix Reloaded ($91,8 Mio) und American Sniper ($89,3 Mio) liefen mit der Freigabe besser an. Es ist außerdem das viertbeste März-Startwochenende aller Zeiten. Bemerkenswert ist auch, dass der Film diese beeindruckenden Zahlen ohne einen 3D-Zuschlag geschafft hat. Etwa $10,1 Mio des Wochenendeinspiels kamen von 381 IMAX-Kinos.

Deadpool hatte den Neuheits-Bonus auf seiner Seite, während die Zuschauer Hugh Jackman schon etliche Male als Wolverine auf der Leinwand gesehen haben und sich nicht gerade vor Begeisterung bei seinen bisherigen Solo-Filmen überschlugen. Wolverine – Weg des Kriegers eröffnete vor vier Jahren mit nur $53,1 Mio, dem bislang schwächsten Start eines Films aus dem X-Men-Universum. Wie gelang es Logan also, noch einmal großes Interesse unter den Kinogängern zu wecken? Es lag vermutlich hauptsächlich an zwei Faktoren. Das Marketing hat unmissverständlich klargemacht, dass es Hugh Jackmans allerletzter Auftritt als Wolverine werden würde und man darf nicht vergessen, dass eine ganze Generation mit ihm in der Rolle aufgewachsen ist. Höchstens Robert Downey Jr. wird mit seiner Superheldenrolle so sehr assoziiert wie Jackman mit Wolverine. Es war nicht einfach nur „ein weiterer Wolverine“, es war der letzte und diesen Abschied wollten viele nicht verpassen. Der zweite Aspekt ist die sehr starke Marketingkampagne selbst, die spätestens ab dem genialen ersten Trailer mit Johnny Cashs „Hurt“ einen Film versprochen hat, wie man ihn in diesem X-Men-Universum noch nicht gesehen hat: beinhart, rau und sehr emotional. Fox hat riskiert und gewonnen.

Wie weit es Logan nach diesem Startwochenende bringen wird, wird wohl davon abhängen, wie erfolgreich seine Konkurrenz diesen Monat werden wird. Etwa 63% der Zuschauer am Startwochenende waren Männer und 83% waren zwischen dem Alter von 18 und 44. Kong: Skull Island, Power Rangers und Ghost in the Shell richten sich diesen Monat an ein ähnliches Publikum, sodass die Filme sich gegenseitig auffressen werden. Mindestens $200 Mio sind Logan sicher, insbesondere bei seinem „A-„-CinemaScore (äquivalent einer „1-„), der ihm von den Zuschauern vergeben wurde. Ich gehe von einem Endergebnis im Bereich von $220-230 Mio aus und es besteht tatsächlich eine Chance, dass Logan zum erfolgreichen X-Men-Film (von Deadpool abgesehen) werden könnte. Dazu muss er $234,4 Mio von Der letzte Widerstand toppen.

Auch international ging es für Logan blendend los. Außerhalb von Nordamerika spielte der Film am Wochenende $159 Mio ein, davon $46,3 Mio in China und $11,4 Mio in Großbritannien. Nur zwei X-Men-Filme (außer Deadpool) spielten weltweit mehr als $500 Mio ein (X-Men: Apocalypse und X-Men – Zukunft ist Vergangenheit). Logan wird diesen Meilenstein spielend erreichen.

Doch Logan war nicht einmal die größte Erfolgsgeschichte an den US-Kinocharts am Wochenende. Dieser Titel geht an den zweitplatzierten Film Get Out. Die Horrorsatire, die in der Vorwoche überraschend stark an der Chartspitze angelaufen war, hielt sich mit einem mickrigen Rückgang von nur 15,4% phänomenal und spielte weitere $28,2 Mio von Freitag bis Sonntag ein. Nach nur zehn Tagen steht das $4,5 Mio teure Regiedebüt des Comedians Jordan Peele bei $78,1 Mio. Damit liegt der Film bereits 1% vor M. Night Shyamalans Split im selben Zeitraum, obwohl Split ein um 20% besseres Startwochenende hatte. Die Mundpropaganda von Get Out ist herausragend. Aus dem Genre erhielten in den letzten Jahren nur noch die beiden Conjuring-Filme ebenfalls einen „A-„-CinemaScore wie Get Out. Gerade wegen seines überraschenden Erfolgs, seiner überwältigend guten Kritiken und seiner den Zeitgeist treffenden Themen ist Get Out in Nordamerika aktuell in aller Munde und dieser Umstand wird auch in den nächsten Wochen den Erfolg des Films fördern. Man kann es kaum glauben, aber Get Out wird tatsächlich sogar das nordamerikanische Einspiel des Horror-Überfliegers Conjuring ($137,4 Mio) übertreffen und höchstwahrscheinlich zum erfolgreichsten Horrorfilm seit The Sixth Sense ($293,5 Mio) vor 18 Jahren werden. Aktuell traue ich ihm etwa $175-185 Mio in den USA und in Kanada zu, doch sogar $200 Mio sind im Spiel, was den Film zu einem der größten Überraschungshits des Jahrzehnts machen würde.

Das christliche Drama Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott startete mit $16,2 Mio von 2888 Lichtspielhäusern (im Schnitt $5600 pro Kino) auf Rang 3. Da der Film dem Studio Lionsgate nur $20 Mio kostete (ohne Marketing) kann es mit dem Start zufrieden sein. Die Reaktionen der Kinogänger sind sehr positiv (was bei solchen Filmen durch natürliche Vorselektion allerdings so gut wie immer der Fall ist). Mit einem „A“-CinemaScore (äquivalent einer „1“) als Zuschauer-Wertung im Rücken sollte sich Die Hütte gegen die effektreichen Blockbuster diesen Monat gut behaupten und insgesamt $55-65 Mio in Nordamerika einspielen.

Auf Seite 2 verraten wir Euch, wie sich John Wick: Kapitel 2 und The LEGO Batman Movie schlagen und wie sehr Moonlight und La La Land von ihren Oscarauszeichnungen profitieren konnten.