Quelle: Boxofficemojo

Es war ein weiteres maues Wochenende an den US-Kinokassen. Dabei hat das Jahr mit den Riesenhits wie Deadpool, Zoomania und Batman v Superman: Dawn of Justice so gut angefangen, doch nach so vielen Höhen, folgen jetzt etliche Tiefen. Seit dem Megastart von The First Avenger – Civil War hat eigentlich jeder größere Neustart in Nordamerika enttäuscht oder ist schlichtweg gefloppt. Besonders für Sequels sieht es dieses Jahr, mit der Ausnahme von Batman v Superman und Civil War (beides nicht gerade traditionelle Fortsetzungen aufgrund der dramatisch aufgestockten Ensembles), nicht gerade rosig aus. Alleine in den letzten Wochen enttäuschten Bad Neighbors 2, X-Men: Apocalypse und Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln zum Start und das Muster setzte sich mit dem mittelmäßigen Startwochenende des Teenage Mutant Ninja Turtles-Sequels fort. Durch den Mangel an starken Neustarts gingen die Einnahmen der Top 12 um 20% gegenüber der Vorwoche zurück und erreichten $127,7 Mio. Immehrin war ein ein Anstieg um 2% gegenüber dem Vorjahr, als Spy – Susan Cooper Undercover die Charts anführte).

Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows hatte zwar keine Schwierigkeiten, die Pole Position zum Start zu erobern, doch die absoluten Zahlen ließen schwer zu wünschen übrig. In den ersten drei Tagen spielte der $135 Mio teure Film $35,3 Mio von 4071 Kinos ein (im Schnitt $8675 pro Kino). Dieses Startwochenende lag 46% unter dem Start des Vorgängers von 2014, der mit $65,6 Mio aus den Startlöchern kam und dabei sogar $10 Mio weniger kostete. Das zeigt abermals, dass nordamerikanische Kinogänger heutzutage immer weniger an Sequels interessiert sind, wenn sie nicht einen besonderen Event-Status besitzen. Als der letzte Ninja-Turtles-Film vor zwei Jahren in die Kinos kam, punktete er mit der Nostalgie (welches Kind der Neunziger liebte nicht die Turtles?), doch viele Fans aus alten Tagen waren vom neuen Film sehr enttäuscht und das zeigt sich nun bei den Einnahmen des Sequels.

Interessanterweise scheint Paramount die Enttäuschung der älteren Zuschauer vorausgeahnt zu haben und vermarktete das Sequel deutlich mehr an Kinder und Familien als den letzten Film. So ergab sich auch, dass 55% der Zuschauer des ersten Films am Startwochenende älter als 25 waren, während bei der Fortsetzung 52% unter 25 waren. Das könnte den späteren Aussichten des Films tatsächlich helfen, denn bereits am Startwochenende verhielt sich Out of the Shaodws mehr wie ein Familienfilm und legte am Samstag gegenüber Freitag sogar um 4% zu (während der Vorgänger am ersten Samstag um 13% fiel). Die Mundpropaganda unter den Zuschauern ist außerdem deutlich positiver. Wurde der erste Film im Schnitt mit einem „B“-CinemaScore (äquivalent einer „2“) bewertet, erhielt das Sequel einen „A-„-CinemaScore (äquivalent einer „1-„). Die Ausrichtung an ein jüngeres Publikum setzt den Film natürlich in direkte Konkurrenz zu Findet Dorie in zwei Wochen und den Nostalgie-Faktor wird Independence Day: Wiederkehr in drei Wochen für sich beanspruchen. Nichtsdestotrotz deuten die ersten Vorzeichen immerhin darauf hin, dass Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows nicht wie ein Stein stürzen wird. Folgt er dem Verlauf seines Vorgängers, sollte er etwa $102 Mio in Nordamerika erreichen. Da er aber als Sequel etwas frontlastiger sein sollte, gehe ich von $95-100 Mio aus, was dennoch ein gewaltiger Rückgang gegenüber dem $191-Mio-Einspiel des Vorgänger wäre. Zumindest ist die Box-Office-Performance des Films keine komplette Blamage wie bei Alice im Wunderland 2.

Als ein weiteres Sequel mit bescheidenen Box-Office-Ergebnissen, fiel X-Men: Apocalypse an seinem zweiten Wochenende um heftige 65,3% auf $22,8 Mio und belegte damit den zweiten Platz der Wochenendcharts in den USA und in Kanada. Der Film schrieb das schwächste zweite Wochenendeinspiel der gesamten X-Men-Hauptreihe (sogar unter X-Men: Erste Entscheidung, der deutlich schwächer gestartet ist) und nur X-Men – Der letzte Widerstand hatte einen noch steileren Drop am zweiten Wochenende. Im Vergleich: X-Men – Zukunft ist Vergangenheit fiel vor zwei Jahren nach dem Start am Memorial-Day-Wochenende um 64,2% und hatte dabei mit Maleficent einen deutlich erfolgreicheren Neustart als Konkurrenten. In zehn Tagen hat X-Men: Apocalypse $117 Mio eingespielt und liegt damit zwar noch 19% vor Erste Entscheidung und 18% vor dem ersten X-Men im selben Zeitraum, jedoch 28% hinter X-Men – Zukunft ist Vergangenheit und sogar 9% hinter X-Men Origins: Wolverine. Mit der geballten Ladung aus Warcraft: The Beginning, Die Unfassbaren 2 und Conjuring 2 steht dem Film kommendes Wochenende wieder viel Konkurrenz ins Haus, sodass weitere böse Rückgänge unvermeidlich sind. Im besten Fall wird X-Men: Apocalypse etwa $155-165 Mio in Nordamerika erreichen und damit nicht einmal die Startwochenenden von Batman v Superman oder The First Avenger – Civil War toppen. Die X-Men spielen an den nordamerikanischen Kinokassen mittlerweile nur noch in der zweiten Liga mit.

Der eigentliche Gewinner war am Wochenende die Bestsellerverfilmung Ein ganzes halbes Jahr, die $18,7 Mio von 2704 Lichtspielhäusern erzielte und einen Schnitt von $6924 pro Kino erreichte. Mit dem Film legte Warner Bros. perfektes Kontrastprogramm zu effektreichen Actionspektakeln von X-Men: Apocalypse und Ninja Turtles vor. Bereits die kleineren Indie-Filme wie Love & Friendship und The Lobster profitieren von diesem Kontrast seit etwaiger Zeit und Ein ganzes halbes Jahr sahnte auf ganzer Linie ab. Emilia Clarke, Star der heiß geliebten Fantasyserie „Game of Thrones“, hat der Romanze als Hauptdarstellerin sicherlich auch geholfen, doch der größte Faktor war der Mangel an Angeboten für ein weibliches Zielpublikum, das 81% der Zuschauer von Ein ganzes halbes Jahr ausmachte. Vor zwei Jahren machte ein ähnliches Publikum schon Das Schicksal ist ein mieser Verräter mit $124,9 Mio zu einem Riesenhit. Zwar spielt Ein ganzes halbes Jahr nicht in der gleichen Liga mit, ist jedoch vergleichbar mit dem kleineren Warner-Hit Wenn ich bleibe, der vor zwei Jahren mit $15,7 Mio startete und insgesamt $50,5 Mio einspielte. Wenn Ein ganzes halbes Jahr genau so läuft, wird er knapp $60 Mio verfehlen. Da es jedoch in den nächsten Wochen keine neuen Optionen für weibliche Kinogänger geben wird und der Film mit einem „A“-CinemaScore (äquivalent einer „1“) sehr gute Mundpropaganda zu haben scheint, traue ich ihm noch besseres Durchhaltevermögen zu und ein Gesamteinspiel im Bereich von $60-70 Mio. Bei einem Budget von $20 Mio ist Ein ganzes halbes Jahr eine sehr profitable Investition für Warner und zeigt abermals, dass man das weibliche Publikum nie unterschätzen sollte.

Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln brach erwartungsgemäß ein, rutschte um zwei Plätze runter auf #4 und spielte an seinem zweiten Wochenende lediglich $11,3 Mio ein (-57,9%). Nach zehn Tagen steht das Fantasy-Sequel bei $51,4 Mio, 75% hinter dem erfolgreichen Vorgänger, der an seinem zweiten Wochenende alleine $62,7 Mio einnahm. Der $170-Mio-Film ist ein ganz klarer Reinfall für Disney und sogar mit guten Ergebnissen aus der Übersee wird er Schwierigkeiten haben, auf schwarze Zahlen zu kommen. In Nordamerika steuert Alice 2 auf etwa $70-75 Mio zu – sogar weniger als Johnny Depps Dark Shadows ($79,7 Mio) und Lone Ranger ($89,3 Mio).

Angry Birds zeigt sich weiterhin nicht von seiner besten Seite. Der Animationsstreifen spielte $10,2 Mio an seinem dritten Wochenende ein, 45,6% weniger als in der Vorwoche, belegte den 5. Rang der Charts und steht bei $87,1 Mio nach 17 Tagen im Verleih. Obwohl ähnlich gestartet, liegt Angry Birds bereits 23% hinter Ab durch die Hecke im selben Zeitraum. Da der Film lediglich $73 Mio kostete, wird er letzten Endes vermutlich Profit abwerfen, doch das voraussichtliche Gesamteinspiel von $110 Mio ist insbesondere nach dem soliden Startwochenende doch etwas enttäuschend.

Auf Seite 2 erfahrt Ihr die aktuellen Einspielergebnisse von The First Avenger – Civil War, Bad Neighbors 2 und The Jungle Book.