Quelle: Boxofficemojo

Zwei erfolgreiche Neustarts sorgten für reges Geschäft in US-Kinos am Wochenende und brachten das Gesamteinspiel der Top 12 auf gewaltige $225,9 Mio, 58% über der Vorwoche. Allerdings lag der Umsatz immer noch 7% unter dem vergleichbaren Wochenende im Vorjahr, als das mächtige Duo Jurassic World und Alles steht Kopf die Charts anführte. Doch trotz der insgesamt guten Zahlen, zeigte sich auch dieses Wochenende wieder ein besorgniserregender Trend in den Charts. Die meisten Filme in der Top 12 fielen um mehr als 50% gegenüber der Vorwoche. Seit Mai mangelt es nahezu allen Filmen an Durchhaltevermögen. Auch wenn die Starts gut sind, fallen die Filme in den darauffolgenden Wochen schnell und können sich sogar trotz augenscheinlich guter Mundpropaganda nicht lange in den Charts halten. Vielleicht sind wir in der Zeit angelangt, in der das Mindesthaltbarkeitsdatum von Filmen deutlich schneller überschritten wird. Was man sehen will, schaut man entweder in der Startwoche oder eben gar nicht.

All das braucht Pixars Findet Dorie vorerst nicht zu kümmern, denn mit dem Film hat Disney aktuell allen Grund zum Feiern. Mit $135,1 Mio von 4305 Kinos (und einem gewaltigen Schnitt von $31373 pro Kino), gelang Findet Dorie das drittbeste Startwochenende des Jahres (nach The First Avenger – Civil War und Batman v Superman) sowie der mit Abstand beste Start aller Zeiten für einen Animationsfilm. Dieser gehörte seit 2007 DreamWorks‘ Shrek der Dritte mit $121,6 Mio und Findet Dorie hat ihn gleich um 11% übertroffen. Natürlich ist Shrek immer noch weiter vorne, wenn man seinen Start um den Inflationsfaktor bereinigt (damit würde er sich heutzutage auf mehr als $150 Mio belaufen), doch für nominelle Rekorde zählen letzten Endes absolute Zahlen und so ist Findet Dorie offiziell der neue Rekordträger! Den eigenen Pixar-Startrekord von Toy Story 3 ($110,3 Mio) schlug der Film um 22%. Es war außerdem der zweitbeste Juni-Start aller Zeiten, nach Jurassic Worlds Rekordstart letztes Jahr.

Bereits am Starttag spielte Findet Dorie fantastische $55 Mio ein, zeigte sich allerdings für einen Animationsfilm doch ungewöhnlich frontlastig und fiel am Samstag um knapp 17%. Doch man sollte Findet Dorie auch nicht als einen gewöhnlichen Animationsfilm sehen, sondern als einen Blockbuster und ein Filmevent, auf das viele Zuschauer seit Jahren gewartet haben. Nicht umsonst ist der Vorgänger die bis dato meistverkaufte DVD aller Zeiten in Nordamerika mit über 40 Millionen verkauften Exemplaren. Diese riesige, generationsübergreifende und über mehr als ein Jahrzehnt aufgebaute Fangemeinde ermöglichte den Riesenstart des Films. Schließlich sind die Kinder, die Findet Nemo 2003 im Kino gesehen haben, mittlerweile in ihren Zwanzigern. Außerdem profitierte Findet Dorie davon, dass seit The Jungle Book kein wirklich großer Film mehr für ein Familienpublikum in die Kinos kam, da weder Angry Birds noch Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln wirklich zündeten. Zudem half der Vatertag am Sonntag, die ursprüngliche Frontlastigkeit auch etwas abzumildern.

Dank Findet Dorie gehören Disney jetzt übrigens vier der sechs besten Startwochenenden des Jahres in Nordamerika (die anderen drei sind Civil War, The Jungle Book und Zoomania). Doch wie weit wird Findet Dorie noch gehen? Es ist jenseits aller Zweifel, dass der Film mindestens $400 Mio in den USA und in Kanada erreichen wird. Die Kritiken sind sehr positiv, die Mundpropaganda mit einem „A“-CinemaScore (äquivalent einer „1“) auch und sogar schon ein Multiplikator von 3 würde reichen, um $400 Mio zu knacken – und diesen erreichte bislang jeder Pixar-Film mit der Ausnahme des verrissenen Cars 2. Wenn Findet Dorie sich nach dem Start so hält wie Die Monster Uni, wird er etwa $440 Mio in Nordamerika erreichen, sind die Drops aber so gut wie bei Toy Story 3 vor sechs Jahren, dann wird er auf $508 Mio kommen. Da er nicht ganz so beliebt zu sein scheint, wie der dritte Toy-Story-Film, aber auch einen größeren Event-Charakter hat als Die Monster Uni, wird sich sein finales Ergebnis vermutlich zwischen diesen beiden Extremen einpendeln. Ich erwarte ein Gesamteinspiel von etwa $450-475 Mio und das bedeutet, dass nach 12 Jahren Shrek 2 ($441,2 Mio) endlich als der erfolgreichste Animationsfilm aller Zeiten in Nordamerika abgelöst werden wird!

Die geballte Starpower von Kevin Hart und Dwayne Johnson verhalf Central Intelligence als Kontrastprogramm zu Findet Dorie zu einem sehr starken Start. Die Actionkomödie spülte $35,5 Mio von 3508 Kinos in nordamerikanische Kinokassen und erreichte einen Schnitt von $10130 pro Spielstätte. Es war das größte Startwochenende überhaupt, das ein Film am einem Wochenende erzielte, an dem ein anderer Film mit über $100 Mio aus den Startlöchern kam. Damit schlug Central Intelligence den bisherigen Rekord von Blind Side (34,1 Mio). Das Startwochenende zeigt, dass Stars als Publikumsmagnete immer noch Relevanz besitzen, wenn man sie in richtigen Rollen besetzt. Das Marketing-Team von Universal hat jedenfalls gute Arbeit geleistet und sie zahlt sich jetzt aus. Erst an seinem vierten Wochenende wird Central Intelligence direkte Komödien-Konkurrenz bekommen, sollte sich deshalb gut halten und die $100-Mio-Marke erreichen. Insgesamt sieht es für den Film nach etwa $105-115 Mio aus, was den zweitgrößten Hit in Kevin Harts Karriere bedeuten würde. Bei einem Budget von nur $50 Mio winkt dem Studio ein satter Gewinn.

Das Horror-Sequel Conjuring 2 stürzte trotz positiver Resonanz um heftige 63,2% an seinem zweiten Wochenende und nahm $14,9 Mio von Freitag bis Sonntag ein. Sein Vorgänger verlor am zweiten Wochenende hingegen nur 46,9%. Mit $71,1 Mio nach zehn Tagen liegt Conjuring 2 bereits 15% hinter Teil 1. Der Abstand betrug nach dem Startwochenende noch 3% und wird sich in den kommenden Wochen sicherlich weiter vergrößern. Mit The Shallows, The Neon Demon, The Purge: Election Year und Lights Out wartet auf Conjuring 2 diesen und nächsten Monat sehr viel Konkurrenz aus dem Genre, sodass der Film sich auch mit guter Mundpropaganda nicht lange in den Charts halten wird. Nichtsdestotrotz sollte er $100 Mio knacken und vermutlich mit etwa $105-110 Mio die Kinos verlassen. Es wäre damit der erste Horrorfilm oberhalb der $100-Mio-Marke seit dem ersten Conjuring.

Auf Seite 2 folgt die Box-Office-Analyse der restlichen Filme der Top 12, darunter Warcraft, X-Men: Apocalypse und The First Avenger – Civil War.