Quelle: Boxofficemojo

Das Wochenende um den US-Unabhängigkeitstag ist längst nicht mehr das Wochenende, an dem die Studios ihre größten Filme an den Start schicken. Und so hat Pixars Findet Dorie es auch in der dritten Woche locker geschafft, den Spitzenplatz gegen drei Neuankömmlinge zu verteidigen. Von diesen brachten es immerhin zwei auf sehr respektable Starts, sodass gleich drei Filme von Freitag bis Sonntag mehr als $30 Mio an den nordamerikanischen Kinokassen umsetzten. Die Wirkung war, dass fast alle älteren Filme deutliche Einbußen erleiden mussten. Das Gesamteinspiel der Top 12 steigerte sich trotz der Neustarts nur um knapp 1% gegenüber der Vorwoche auf $182 Mio. Dafür lag das Wochenende ganze 41% über dem vergleichbaren Wochenende im Vorjahr, als Pixars Alles steht Kopf ebenfalls in der dritten Woche war und erstmals die Chartspitze eroberte. Günstig wirkte sich auf das vergangene Wochenende aus, dass der 4. Juli, ein nationaler Feiertag in den USA, auf den Montag fiel und der Sonntag damit mehr oder weniger wie ein zweiter Samstag für die Kinogänger fungierte.

Nach dem achtbesten zweiten Wochenendergebnis aller Zeiten, schrieb Findet Dorie mit $41,8 Mio (-42,7%) auch das achtbeste dritte Wochenende in der US-amerikanischen Box-Office-Geschichte. Das ist besonders beachtlich, wenn man bedenkt, dass sich das Startwochenende des Films nur knapp unter den besten 20 überhaupt befand. Die Mundpropaganda ist offenbar extrem positiv und der Anbruch der Sommerferien polstert die Umsätze des Films während der Woche. Allerdings war es nicht das beste dritte Wochenende des Jahres. Dieses gehört mit $43,7 Mio weiterhin Disneys The Jungle Book.

Nach 17 Tagen steht Findet Dorie bei sehr starken $372,2 Mio und ist bereits an Deadpool und The Jungle Book vorbeigezogen. Der einzige Film, der dieses Jahr in Nordamerika noch mehr eingespielt hat, ist The First Avenger: Civil War und auch diesen wird Findet Dorie schon sehr bald im Rückspiegel sehen. Disney gehören jetzt vier der fünf umsatzstärksten Filme des Jahres in Nordamerika und mit Rogue One – A Star Wars Story hat das Studio noch einen todsicheren Hit in petto. Es ist bemerkenswert, dass Findet Dorie mit etwa $30 Mio weniger als Batman v Superman am Startwochenende angelaufen ist und dennoch dessen Gesamteinspiel  innerhalb von nur 15 Tagen überholte. Findet Dorie ist bereits der fünfterfolgreichste computeranimierte Film aller Zeiten in Nordamerika und ist lediglich $8 Mio vom Gesamteinspiel von Findet Nemo entfernt. Aktuell liegt der Film auch 29% vor Toy Story 3 im selben Zeitraum und wird diesen bereits kommendes Wochenende überholen und damit zum erfolgreichsten Pixar-Film überhaupt aufsteigen. Auch Shrek 2 ($441,2 Mio) wird er sehr bald als umsatzstärksten Animationsfilm in Nordamerika nach 12 Jahren Herrschaft ablösen. Allem Anschein nach wird Findet Dorie nur 21 Tagen benötigen, um die $400-Mio-Marke zu knacken. Lediglich vier Filme waren noch schneller: Star Wars: Das Erwachen der Macht, Jurassic World, Marvel’s The Avengers und The Dark Knight.

Es ist eine phänomenale Performance, die Findet Dorie in Nordamerika an den Tag legt, und sogar unmittelbar anstehende direkte Konkurrenz vom Newcomer Pets wird ihn vermutlich nicht zu sehr verlangsamen. Schließlich überlebte Alles steht Kopf letztes Jahr auch die Konkurrenz von Minions. Ein Gesamteinspiel von mehr als $500 Mio ist Dorie mittlerweile garantiert, die Frage bleibt nur, wie weit er über diese Barriere hinaus gehen wird. Momentan sieht es nach einem Endergebnis von etwa $505-520 Mio aus, aber auch die $534,9 Mio von The Dark Knight sind durchaus in der potenziellen Reichweite des Animationsfilms.

David Yates‘ erster Film außerhalb der Harry-Potter-Reihe, The Legend of Tarzan, trotzte miesen Kritiken und startete mit $38,5 Mio leicht über den allgemeinen Industrie-Erwartungen. In 3561 Kinos erzielte er dabei einen Schnitt von $10819 pro Spielstätte. In einem Meer von Sequels war den Kinogängern offenbar nach einem altmodischen Abenteuerfilm zumute und wer weiß, wie viel besser der Film mit guten Kritiken und ohne The Jungle Book als „Regenwald-Vorläufer“ dieses Jahr gestartet wäre. Die Zuschauer waren mit dem Film sehr zufrieden und vergaben im Schnitt einen „A-„-CinemaScore (äquivalent einer „1-„), was ein langes Leben in den Kinos verspricht. Gleichzeitig darf man aber auch nicht außer Acht lassen, dass The Legend of Tarzan gewaltige $180 Mio kostete und das noch ohne die Marketingausgaben von Warner. Gerade für einen Film, der nicht Teil von einem bereits erfolgreichen Franchise ist, ist das eine schon beinahe verantwortungslose Summe, die einen Profit sehr schwierig macht. Es liegt noch ein weiter Weg vor The Legend of Tarzan, bevor der Film auf schwarze Zahlen kommt – wenn überhaupt. In Nordamerika erwarten ihn etwa $105-120 Mio. Das ist zwar mehr, als viele erwartet haben, aber dennoch recht wenig angesichts des überdimensionalen Budgets.

Hingegen war der drittplatzierte The Purge: Election Year ein Hit auf ganzer Linie. Für nur $10 Mio produziert, spielte der dritte Teil der Horror-Actionreihe $31,5 Mio von 2796 Kinos ein und erreichte mit $11271 den besten Kinoschnitt am Wochenende. Mit $14,5 Mio eroberte The Purge: Election Year sogar kurzzeitig die Chartspitze am Freitag, bevor Findet Dorie ihn mit einem besseren Samstag und Sonntag überflügelte. Das dürfte Universal aber herzlich egal sein, denn der Film ist jetzt schon ein sicherer Hit. Das Startwochenende von The Purge: Election Year lag 6% über dem Start von The Purge: Anarchy vor zwei Jahren, jedoch 7% unter dem ersten The-Purge-Film.

Das Franchise hat einen interessanten Verlauf genommen. Der erste Streifen, damals noch ein waschreiner Home-Invasion-Film, startete 2013 mit starken $34,1 Mio, implodierte aber aufgrund schwacher Zuschauerreaktionen in den darauffolgenden Wochen und erreichte lediglich $64,5 Mio. Der zweite Film, der ein Jahr später veröffentlicht wurde, war mehr Actionthriller denn Horror, startete mit $29,8 Mio etwas schwächer, spielte aber insgesamt $72 Mio ein. Auch The Purge: Election Year sollte wieder gute Mundpropaganda haben. Die CinemaScore-Zuschauerwertung ist mit einem „B+“ (äquivalent einer „2+“) jedenfalls die bislang höchste der Filmreihe und die Kritiken sind ebenfalls die besten. Gerade für einen Genrefilm, der auch noch der dritte Teil einer Filmreihe ist, ist das wirklich sehr gut. The Purge: Election Year sollte etwa $70-80 Mio in Nordamerika einspielen. The Purge ist damit in gewisser Hinsicht ein Nachfolger von Saw: ein neues Horror-Franchise mit relativ niedrigen Budgets, das zu einer jährlichen Tradition wird und sehr guten Profit abwirft.

Das Schlusslicht unter den breit gestarteten Newcomern war Steven Spielergs Roald-Dahl-Verfilmung BFG – Big Friendly Giant, die $18,8 Mio von 3357 Kinos einspielte (im Schnitt $5593 pro Kino). Disneys altmodischer Märchenfilm, ein Herzensprojekt seiner Produzenten Frank Marshall und Kathleen Kennedy, konnte sich am Markt gegen Disneys eigenen Findet Dorie nicht durchsetzen und sein Publikum finden. Das Ergebnis war eins der schwächeren Startwochenenden in Steven Spielbergs Karriere und letztlich auch ein Flop, da der Film $140 Mio an Produktionskosten verschlang. Da wird auch der „A-„-CinemaScore (äquivalent einer „1-„) wenig helfen, denn auch wenn der Film sich in den nächsten Wochen gut hält, mehr als $65-75 Mio ist nicht drin. Auch Spielberg ist kein Hitgarant mehr.

Auf Seite 2 gehen wir genauer darauf ein, wie schlecht Independence Day: Wiederkehr in den USA läuft und welchen Box-Office-Meilenstein Conjuring 2 schon bald erreichen wird.