Box-Office USA: Suicide Squad bricht ein, bleibt aber die Nummer 1

0
Box Office USA Suicide Squad Sausage Party

Quelle: Boxofficemojo

Trotz eines überraschend erfolgreichen Neustarts sanken die Einnahmen der Top 12 der nordamerikanischen Kinocharts um 28% gegenüber dem letzten Wochenende, lagen aber immerhin 16% über dem gleichen Wochenende im Vorjahr als Straight Outta Compton auf Platz 1 eröffnete. Mit dem nahenden Ende des Sommers erwartet uns demnächst eine ruhige Phase an den Kinokassen, bis zum Start von Marvels Doctor Strange im November und dem Beginn der Feiertags- und Oscar-Saison.

An der Spitze der Charts gab es keine Veränderung. Obwohl die DC-Comicadaption Suicide Squad um heftige 67,4% nachgab, verteidigte der Film den Box-Office-Thron mühelos mit $43,5 Mio an seinem zweiten Wochenende. Am Freitag verlor der Film knapp den Kampf gegen den Newcomer Sausage Party ($13,1 Mio vs. $13,5 Mio), erholte sich aber am Samstag und Sonntag wieder. Viel mehr Positives gibt es über dieses zweite Wochenendergebnis aber nicht zu berichten. Gerade der Rückgang ist ein klares Zeichen für extreme Frontlastigkeit und bestenfalls gemischte Mundpropaganda. Zwar konnte Suicide Squad den 69,1%-Drop von Batman v Superman an dessen zweitem Wochenende vermeiden, hielt sich aber nicht bedeutend besser. Zum Vergleich: Deadpool baute in der zweiten Woche 57,4% ab und der ebenfalls sehr frontlastige The First Avenger: Civil War fiel um 59,5%. Tatsächlich fiel Suicide Squad an seinem zweiten Wochenende sogar noch mehr als Green Lantern (66,1%) vor fünf Jahren und das ist vermutlich kein Vergleich, den Warner gerne ziehen möchte.

Doch natürlich hat Suicide Squad bereits mächtig Reibach gemacht. Nach zehn Tagen steht der Film bei $222,6 Mio, belegt damit Platz 8 der nordamerikanischen Jahres-Charts 2016 und liegt aktuell 6% vor Man of Steel im selben Zeitraum. Verglichen mit Batman v Superman: Dawn of Justice liegt Suicide Squad noch 15% zurück, doch dieser Abstand wird sich in den nächsten Wochen verringern. So mittelprächtig die Resonanz für den Film auch sein mag, die Tatsache, dass er der letzte große Actionblockbuster des Sommers ist, wird ihm ungemein helfen. Vier der sechs breiten Neustarts an den nächsten zwei Wochenenden tragen das nicht-jugendfreie R-Rating, sodass alle jugendfreien Filme kaum neue Konkurrenz bekommen werden. Auch davon wird Suicide Squad profitieren, weshalb ein Gesamteinspiel oberhalb von $300 Mio nicht angezweifelt werden sollte. Insgesamt wird der Streifen etwa $310-320 Mio in Nordamerika einspielen. Bei $175 Mio Budget ($75 Mio weniger als von Batman v Superman) kann sich Warner Bros. nicht beklagen, doch die Frage bleibt, wie viel kommerzielles Potenzial hier wohl auf der Strecke geblieben ist.

Der große Überraschungshit vom Wochenende war die derbe Animationskomödie Sausage Party von Seth Rogen. Mit lediglich $19 Mio budgetiert, gewann der Film den Freitag und belegte am Gesamtwochenende mit $34,3 Mio von 3103 Kinos den zweiten Platz der Charts. Dabei erzielte er einen Schnitt von $11042 pro Kino. Nach Bad Neighbors ist es der zweitbeste Start überhaupt für eine Komödie mit Seth Rogen und liegt 57% über dem Startwochenende von Bad Neighbors 2 im Mai. Der Erfolg ist vergleichbar mit Rogens Komödie Das ist das Ende, die vor drei Jahren mit $33 Mio in den ersten fünf Tagen anlief und insgesamt $101,5 Mio erreichte. Sausage Party wird das aller Wahrscheinlichkeit nach toppen. Obwohl der "B"-CinemaScore (äquivalent einer "2") nicht super aussieht, haben nahezu alle Rogen-Filme "B" oder "B+" bekommen, auch wenn sie danach durch tolles Durchhaltevermögen und starke Mundpropaganda glänzten. Sausage Party wird $105-120 Mio in US-Kinos erreichen und vielleicht eine Welle von nicht-jugendfreien Animationsfilmen lostreten.

Einen deutlich schwächeren Eindruck machte Disneys Elliot, der Drache mit $21,5 Mio auf Rang 3. Im Schnitt spielte er $5811 pro Kino in 3702 Lichtspielhäusern ein. Die Neuadaption des Familienklassikers Elliot, das Schmunzelmonster konnte keine große Begeisterung unter Kinogängern wecken. Die Enttäuschung ist vergleichbar mit der von Disneys BFG – Big Friendly Giant aus dem letzten Monat – jedoch mit dem wichtigen Unterschied, dass Elliot, der Drache nur $65 Mio und nicht $140 Mio kostete. So hat er immerhin eine Chance, seine Ausgaben wieder einzunehmen, auch wenn großer Profit ausbleiben wird. Mit der Ausnahme von Kubo – Der tapfere Samurai erwartet den Film bis Mitte September keinerlei Familienkonkurrenz und der "A"-CinemaScore (äquivalent einer "1") verspricht sehr positive Mundpropaganda, sodass Elliot etwa $70-80 Mio in den USA und in Kanada einspielen sollte.

Jason Bourne profitierte davon, dass keiner der drei breiten Neustarts das actioninteressierte Publikum ansprach und erholte sich nach dem heftigen Rückgang in der Vorwoche mit $13,8 Mio (-38,2%) auf Platz 4. Nach 17 Tagen steht der vierte Bourne-Film mit Matt Damon bei soliden $127 Mio und hat jetzt schon Die Bourne Identität ($127 Mio) und Das Bourne Vermächtnis ($113,2 Mio) überholt. Allerdings liegt er auch 23% hinter Das Bourne Ultimatum und nur noch 2% vor Die Bourne Verschwörung im selben Zeitraum und wird in den kommenden Wochen immer weiter zurückfallen. Wie auch Suicide Squad und alle anderen PG-13-Filme wird er immerhin von der Lawine an R-rated-Veröffentlichungen in den kommenden Wochen profitieren und so ca. $165-170 Mio erreichen, nur knapp weniger als Die Bourne Verschwörung ($176,2 Mio). Bei Produktionskosten von $120 Mio und ordentlichen Umsätzen in der Übersee war das Sequel eine lohnenswerte Investition für Universal. Dennoch hat sich das Studio für die heiß erwartete Rückkehr von Paul Greengrass und Matt Damon zum Franchise vermutlich mindestens $200 Mio erhofft.

Unter den älteren Filmen war der klare Gewinner am Wochenende die Komödie Bad Moms, die um zwei Plätze auf Rang 5 fiel, dabei aber nur mickrige 18,9% abbaute. An seinem dritten Wochenende spielte Bad Moms $11,4 Mio ein und brachte sein vorläufiges Gesamteinspiel auf $71,4 Mio nach 17 Tagen. Bad Moms profitiert offensichtlich von sehr positiver Mundpropaganda. Schließlich ist es die erste R-rated-Komödie seit dem ersten Hangover vor sieben Jahren, die von den Zuschauern mit einem "A"-CinemaScore (äqivalent einer "1") bewertet wurde. Da gerade in puncto Frauenfilme bis zum Start von Bridget Jones’s Baby Mitte September keine Konkurrenz zu erwarten ist, wird Bad Moms mit weiteren fabelhaften Holds beeindrucken. Die $20 Mio teure Komödie mit Mila Kunis und Kristen Bell wird problemlos die $100-Mio-Marke knacken und $120-130 Mio in Nordamerika erreichen. Neben Pets und Deadpool ist der Film einer der größten Überraschungshits des Jahres.

Auf Seite 2 geht es um den phänomenalen Erfolg von Pets und die Box-Office-Enttäuschung von Ghostbusters.