© 2016 Walt Disney Pictures

Quelle: Insidekino

Obwohl mit dem Marvel-Blockbuster Doctor Strange ein starker Neueinsteiger die Spitze der deutschen Kinocharts an sich gerissen hat, sorgte das Ende der Herbstferien in den meisten Bundesländern am Wochenende für etwas heftigere Drops, als man es in den letzten Wochen gewohnt war und die Gesamtbesucherzahl der Top 10 sank um 10% gegenüber der Vorwoche auf knapp 1,4 Mio. Dafür ging es für die Top 10 erstmals seit langer Zeit gegenüber dem entsprechenden Wochenende im Vorjahr wieder hinauf, und zwar gleich um 18%.

Wie erwarte schoss die neue Marvel-Verfilmung Doctor Strange am Wochenende an die Spitze der deutschen Kinocharts und löste Findet Dorie nach vier Wochen endlich ab (Disney dürfte es Recht sein, denn beide Filme gehören dem Verleih). Mit 365,000 Zuschauern von Donnerstag bis Sonntag erzielte der Film einen Besucherschnitt von 655 in seinen 557 Kinos. Einschließlich bundesweiter Previews vom Mittwoch steht Doctor Strange aktuell bei 398,000 Zuschauern. Es ist ein solider Start, doch kein überragender und erinnert uns wieder einmal eindrucksvoll daran, dass Comicbuchverfilmungen in Deutschland einfach nicht den gleichen Stellenwert haben wie in den USA. Obwohl die Akzeptanz und die Popularität der Comic-Filme aus dem Hause Marvel in den acht Jahren seit dem ersten Iron Man deutlich gestiegen sind, ist das hiesige Potenzial dieser Filme dennoch begrenzt, es sei denn es handelt sich um größere Events wie die Avengers-Filme oder Civil War. Ansonsten erwartet die meisten ein Standard-Ergebnis im Bereich von 1-1,5 Mio Besuchern und im diesen Bereich wird sich auch Doctor Strange ansiedeln.

Das Startwochenende des Films lag auf dem Niveau des ersten Thor-Films, der 2011 mit 367,000 Zuschauern (inkl. Previews) aus den Startlöchern kam und insgesamt knapp über 1,1 Mio Kinotickets in Deutschland verkaufte. Zu einem der zehn besten Startwochenenden des Jahres in Deutschland hat es für Doctor Strange nicht gereicht. Immerhin wird Doctor Strange Ant-Man locker schlagen, der hierzulande nur knapp mehr als eine halbe Million Zuschauer in die Kinos locken konnte. Mit Allerheiligen im Rücken und ohne jegliche nennenswerte Konkurrenz bis zum Start von Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind in zwei Wochen, sollte sich Doctor Strange besser halten als Thor und voraussichtlich etwa 1,4 Mio Zuschauer erreichen.

Nach einem etwas enttäuschenden Start in der Vorwoche hielt sich Bridget Jones‘ Baby an seinem zweiten Wochenende besser als jeder andere Top-10-Film und gab lediglich um 23% nach. Weitere 201,000 Zuschauer sahen die Fortsetzung und brachten deren vorläufige Gesamtbesucherzahl auf ordentliche 671,000. Auch dieser Film hat vorerst keine direkte Konkurrenz zu befürchten und wird schon bald mühelos die Millionengrenze überschreiten. Insgesamt erwarten Bridget Jones‘ Baby etwa 1,3 Mio Besucher in Deutschland.

Die Dan-Brown-Adaption Inferno fiel um 35% und landete mit 191,000 Zuschauern auf Rang 3 der Wochenendcharts. Mit insgesamt 1,104,000 Zuschauern wurde Inferno nach 18 Tagen zum 22. Besuchermillionär 2016 in Deutschland, doch gegen The Da Vinci Code – Sakrileg und Illuminati, die im gleichen Zeitraum bereits 4,25 Mio bzw. 2,96 Mio Zuschauer hatten, sieht das Zwischenergebnis wirklich erbärmlich aus. Mehr als 1,7 Millionen Tickets wird Inferno vermutlich nicht verkaufen, bevor der Film die deutschen Kinos verlässt. Für Tom Hanks wird es immerhin sein größter Erfolg hierzulande seit Illuminati sein.

Pixars Findet Dorie stürzte um drei Plätze auf #4 der Charts und verlor dabei 45% seiner Zuschauer vom vorigen Wochenende. Obwohl weder Warners Störche noch Universals Kubo – Der tapfere Samurai einen guten Eindruck am Wochenende hinterlassen haben, stahlen beide Neustarts Findet Dorie vermutlich trotzdem viele Zuschauer, wodurch sich der starke Rückgang erklären lässt. Am Wochenende begeisterte der Animationshit weitere 162,000 deutsche Kinogänger und brachte seine Gesamtbesucherzahl auf sehr gute 3,332,000 nach fünf Wochen. Mittlerweile hat Findet Dorie Pixar-Hits wie Oben, WALL-E und Die Monster AG überholt. Als nächstes wird er an Alles steht Kopf (3,47 Mio) und Die Unglaublichen (3,5 Mio) vorbeiziehen. Nachdem es mit Trolls und Störche in den letzten Wochen konkurrenztechnisch Schlag auf Schlag ging, erwartet Findet Dorie kommendes Wochenende Pettersson und Findus – Das schönste Weihnachten überhaupt und damit eine weitere Alternative für die Familien. Spätestens in der Weihnachtszeit sollte sich der Pixar-Film jedoch wieder stabilisieren. Ein finales Ergebnis von mehr als 4 Mio Besuchern sieht für den Film immer noch sehr wahrscheinlich aus, doch er wird es wohl nicht viel weiter schaffen. Es sollte aber dennoch reichen, um zumindest eine kurze Zeit auf Platz 1 der Jahres-Charts 2016 zu verbringen, bevor entweder Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind und/oder Rogue One – A Star Wars Story ihn wieder verdrängen.

DreamWorks‘ Trolls fiel um 37% und einen Platz auf 142,000 Zuschauer und die 5. Chartposition am Wochenende. Nach 11 Tagen kann der Animationsfilm 427,000 gelöste Tickets vorweisen und setzte sich klar gegen den Neustart Störche durch. Mit viel Mühe und Not sollte Trolls im Dezember oder Januar die Millionenmarke in den deutschen Kinos knacken.

Auf Seite 2 verraten wir Euch, wie die Bestsellerverfilmung Girl on the Train hierzulande aus den Startlöchern gekommen ist und wie Tim Burtons Die Insel der besonderen Kinder sowie der deutsche Arthousehit Toni Erdmann bislang abgeschnitten haben.