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Quelle: Insidekino

Nach einer sehr langen Zeit sorgte endlich wieder eine deutsche Produktion für Aufschwung an den hiesigen Kinokassen. Dank einem überraschend robusten Start von Willkommen bei den Hartmanns und den durch das kalte, kinofreundliche Wetter begünstigten milden Rückgängen der meisten Filme steigerte sich die Gesamtbesucherzahl der Top 10 vergangenes Wochenende um 16% gegenüber der Vorwoche und erreichte 1,62 Mio. Verglichen mit dem gleichen Wochenende im Vorjahr lagen die Besucherzahlen dennoch 33% niedriger.

Die Integrationskomödie Willkommen bei den Hartmanns traf auf Anhieb den Nerv der deutschen Bevölkerung und startete mit fantastischen 506,000 Besuchern (inkl. Sneaks und Previews) richtig durch. Mit 469,000 Zuschauern am regulären Wochenende (Donnerstag bis Sonntag) eroberte der Film die Spitze der deutschen Kinocharts. In 586 Kinos erzielte der Streifen einen Schnitt von 800 verkauften Tickets pro Kino. In einem für das deutsche Kino verhältnismäßig schwachen Jahr gelang Willkommen bei den Hartmanns nicht nur das beste Startwochenende eines deutschsprachigen Films, sondern auch gleich der achtbeste Start des Jahres, noch vor Independence Day: Wiederkehr, The Jungle Book und Doctor Strange. Warners Film war außerdem die erste deutsche Nummer 1 (wenn man die Co-Produktion Civil War nicht mitzählt) seit Der geilste Tag im Februar, der ebenfalls aus dem Hause Warner stammte. Lediglich zwei rein deutsche Produktionen erreichten dieses Jahr mehr als eine Million Zuschauer in Deutschland: Bibi & Tina – Mädchen gegen Jungs (2 Mio) und Der geilste Tag (1,7 Mio). Willkommen bei den Hartmanns sollte die beiden problemlos übertreffen.

Seinen sehr starken Start hat Willkommen bei den Hartmanns nicht nur der Flüchtlingsthematik zu verdanken, die seit Monaten die Medien dominiert. Man sollte nicht die Zugkraft der Besetzung außer Acht lassen. Mit Florian David Fitz (der auch in Der geilste Tag mitspielte) und Elyas M’Barek hat der Film zwei der aktuell größten deutschen Filmstars im Angebot. Für das ältere Publikum gibt es hingegen die Veteranen Heiner Lauterbach und Senta Berger. Außerdem gab es schon länger keine große Komödie mit einer breiten Zielgruppe in den Kinos und Willkommen bei den Hartmanns kam daher genau zur richtigen Zeit. Für gewöhnlich haben deutsche Komödien eine lange Lebensdauer in den Kinocharts. Der geilste Tag startete mit knapp 400,000 Besuchern (einschließlich der Previews) im Februar und erreichte bislang insgesamt 1,72 Mio. In Ermangelung jeglicher großen Komödien für den Rest des Monats wird sich Willkommen bei den Hartmanns mindestens genau so gut halten, sodass ich ihm ein Gesamtergebnis von etwa 2,5 Mio Zuschauern zutraue. Aber auch 3 Mio und eine Goldene Leinwand liegen im Bereich des Möglichen. So oder so wird M’Barek nach Türkisch für Anfänger (2,4 Mio Besucher), Fack Ju Göhte (7,4 Mio Besucher), Männerhort (1,2 Mio Besucher), Traumfrauen (1,7 Mio Besucher) und Fack Ju Göhte 2 (7,7 Mio Besucher) seinen sechsten Millionenhit in Deutschland in nur vier Jahren haben.

Obwohl sich Marvels Doctor Strange in der zweiten Woche von den Hartmanns geschlagen geben musste, hielt sich die Comicverfilmung erstaunlich gut und baute lediglich 21% vom Startwochenende ab. Der Streifen begeisterte etwa 289,000 weitere Zuschauer in Deutschland und brachte seine Gesamtbesucherzahl auf tolle 867,000 nach nur 11 Tagen. Damit hat Doctor Strange bereits die Gesamtergebnisse von Iron Man (818,000), The Return of the First Avenger (823,000) und Ant-Man (547,000) übertroffen. Außerdem liegt der Film trotz eines ähnlichen Starts bereits 30% vor Thor im selben Zeitraum und nur 10% hinter Thor – The Dark Kingdom (zum Start betrug die Diskrepanz noch 30%). Kommendes Wochenende wird Doctor Strange zum 23. Film mit mehr als einer Million Besuchern dieses Jahr. In puncto Blockbuster besteht seine direkte Konkurrenz dieses Jahr nur noch aus Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind und Rogue One – A Star Wars Story. Das sollte Doctor Strange eine gute Laufzeit bis in die Weihnachtszeit hinein ermöglichen, sodass der Film am Ende mehr als 1,5 Mio Besucher in Deutschland erreichen könnte. Für einen Originalfilm aus dem Marvel Cinematic Universe ist es ein beeindruckendes Ergebnis.

Bronze ging am Wochenende an DreamWorks‘ Trolls, der um 5% zulegte und mit 149,000 gelösten Tickets um zwei Plätze nach oben in den Charts kletterte. Der Film hat nach 18 Tagen im Verleih bereits 646,000 Besucher eingesammelt und steuert ganz klar auf mehr als eine Million zu. Da die nächste animierte Konkurrenz Sing erst im Dezember startet, könnte es Trolls sogar bis 1,2 Mio schaffen.

Bridget Jones‘ Baby fiel vergangenes Wochenende hingegen um zwei Plätze auf Rang 4 und war einer der wenigen Filme, die von der Ankunft von Willkommen bei den Hartmanns deutlich getroffen wurde. Das Sequel gab um 32% nach und begeisterte weitere 136,000 Kinogänger in Deutschland. Seine Gesamtbesucherzahl steht bei 910,000 nach 18 Tagen und kommendes Wochenende wird die Millionenmarke auch hier fallen. Bridget Jones‘ Baby wird voraussichtlich 1,3 Mio Zuschauer in Deutschland erreichen, was ein solides Ergebnis darstellt, aber auch deutlich unter den beiden Vorgängern (4,29 Mio und 2,27 Mio) liegt.

Findet Dorie rutschte um einen Platz runter auf #5, verlor aber nur 17% der Zuschauer vom vorigen Wochenende. Das Pixar-Sequel verkaufte weitere 134,000 Kinokarten in Deutschland und seine Gesamtbesucherzahl beläuft sich auf 3,55 Mio nach sechs Wochen. Dorie ist der 20. computeranimierte Film, der in Deutschland mehr als 3,5 Mio Besucher erreichen konnte. Am Wochenende überholte er u. a. seine Pixar-Vorgänger Alles steht Kopf und Die Unglaublichen. Mit 4 Mio Zuschauern als Ziel weiterhin fest im Blick, sollte Findet Dorie spätestens in drei Wochen endlich auf Platz 1 der deutschen Jahres-Charts 2016 aufsteigen.

Auf Seite 2 verraten wir Euch, welche neuen Meilensteine Tschick, The Purge: Election Year und Ice Age – Kollision voraus! erreichten und wie es um die Dan-Brown-Verfilmung Inferno steht.