Quelle: Insidekino

Wer vergangenes Wochenende in Deutschland ins Kino ging, hat mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einen von zwei Filmen gesehen – entweder das große Panem-Finale oder den vierten James-Bond-Film mit Daniel Craig. Mockingjay Teil 2 und Spectre haben die deutschen Kinocharts haushoch dominiert, während alle anderen Filme kaum nennenswerte Zahlen schrieben. Das Power-Duo war für fast 84% aller Kinogänger der Top-10-Filme verantwortlich. Dank dem starken Start von Mockingjay und einem dafür soliden Rückgang von Spectre hat sich die Gesamtbesucherzahl der Top 10 um 18% auf 2,28 Mio Besucher verbessert. Gegenüber dem gleichen Wochenende im Vorjahr, als der erste Mockingjay-Teil angelaufen war, ging es um 22% rauf, weil der zweitplatzierte Film letztes Jahr (Interstellar) nicht annähernd so stark lief wie Spectre.

Während die Panem-Reihe in den USA eindeutig in der Gunst der Zuschauer zurückgegangen ist, wie man an den rückläufigen Einspielzahlen vom US-Startwochenende sehen kann, zeigt die Reihe hierzulande nahezu keine Ermüdungserscheinungen. Bereits Mockingjay Teil 1 wurde bei uns zum besucherstärksten Teil der Reihe, während er in Nordamerika deutlich schwächer als die ersten beiden Filme abgeschnitten hat. Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 2 verfehlte bei uns nur haarscharf den besten Franchise-Start nach Besuchern. Einschließlich Previews und Double Features lockte Mockingjay Teil 2 1,278,000 Besucher bis Sonntag in unsere Kinos. Der Wert lag 2% unter dem Startergebnis von Mockingjay Teil 1, der auf 1,306,000 Zuschauer zum Start kam. Jedoch war es auch eine Verbesserung um 8% gegenüber dem Startwochenende (einschließlich Previews) von Catching Fire. Am regulären Wochenende erreichte Mockingjay Teil 2 1,143,000 Besucher von 661 Kinos, was ihm einen Besucherschnitt von 1730 pro Kino bescherte. Wie in den USA war es bei uns auch der fünftbeste Start des Jahres. Nur Fack Ju Göhte 2, Spectre, Fifty Shades of Grey und Fast & Furious 7 liefen hier besser an. Fast & Furious 7 war auch der einzige Film, der Mockingjay Teil 2 sowohl in Deutschland als auch in den USA zum Start schlagen konnte. Nach Umsatz war es mit €12,6 Mio dank 3D-Zuschlag sogar der drittbeste Start des Jahres und der beste der Panem-Reihe.

Insgesamt haben die Panem-Sequels bislang sehr viel Konsistenz bewiesen (nur der erste Film lief noch bedeutend schwächer, weil die Bücher damals noch nicht den hohen Bekanntheitsgrad bei uns hatten). Zum Start des finalen Films stiegen auch die erste drei Teile dank Mockingjay-Double-Features und Panem-Marathons am Wochenende in die Top 20 der deutschen Charts wieder ein. Selbstverständlich lief Mockingjay Teil 1 davon am besten und platzierte sich sogar auf Rang 10 mit 22,000 Zuschauern. Mit dieser Besucherspritze hat Mockingjay Teil 1 als dritter Film von 2014 (verspätet) die 4-Millionen-Besuchermarke überschritten und steht bei 4,020,000 verkauften Tickets in Deutschland. Damit löste er Deutschland – Ein Sommermärchen als erfolgreichsten Studiocanal-Film aller Zeiten in Deutschland ab. Bemerkenswert ist im Vergleich auch, dass kein Twilight-Film 4 Millionen Besucher in Deutschland erreichen konnte. Catching Fire verbuchte knapp 10,000 neue Zuschauer und steht jetzt bei etwas über 3,75 Mio und The Hunger Games begnügte sich auf Rang 18 mit 6,000 Besuchern und einer Gesamtzuschauerzahl von 2,136,000 seit 2012.

Angesichts der ähnlichen Starts der letzten drei Panem-Filme gibt es keinen Grund zu glauben, dass Mockingjay Teil 2 einen anderen Verlauf einschlagen wird als die beiden Vorgänger. Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass das Sequel irgendwo bei 3,8-4 Mio Zuschauern in Deutschland landen wird. Dieses Jahr wird das allerdings bestenfalls für Platz 8 der Jahres-Charts ausreichen. Angesichts der teilweise deutlichen Rückgänge in manchen anderen Ländern ist die Performance des Films bei uns auf jeden Fall lobenswert.

Spectre musste sich an seinem dritten Wochenende natürlich geschlagen geben und fiel auch steiler als Skyfall an dessen drittem Wochenende. Nichtsdestotrotz hätte es auch schlimmer kommen können und ein Rückgang von 42% ist angesichts der übermächtigen Konkurrenz durchaus angemessen. Weitere 765,000 Zuschauer sahen den 24. Bond-Film in den deutschen Kinos und brachte seine vorläufige Gesamtbesucherzahl auf fast 4,9 Mio nach nur 18 Tagen. Damit hat Spectre jetzt schon das Endergebnis (!) von Ein Quantum Trost geschlagen und es fehlen weniger als 600,000 bis zur Gesamtbesucherzahl von Casino Royale. Dafür fiel der Film noch weiter hinter Skyfall zurück und hinkt jetzt um 6% hinterher. Nach seinem um 11% schwächeren Start hätte das aber noch deutlich schlechter aussehen können. Insofern ist auch die Box-Office-Performance von Spectre in Deutschland – im Gegensatz zu den USA – hervorragend. Ein finales Ergebnis von mindestens 6 Mio Besuchern ist ihm bereits garantiert und das wäre schon mehr als jeder Bond-Film der letzten 37 Jahre in Deutschland, mit der Ausnahme von Skyfall. Realistisch betrachtet wird Spectre bis zum Start von Star Wars: Das Erwachen der Macht Mitte Dezember keine nennenswerte Konkurrenz mehr bekommen. Daher werden die Chancen die Films auf 7 Mio Besucher in Deutschland immer größer. Es wäre schon wirklich beeindruckend, wenn wir zwei Bond-Filme in Folge mit mehr als 7 Mio Zuschauern hätten. Auch wenn Spectre es jedoch nicht ganz bis dahin schafft, wird er die Marke nur knapp verfehlen. Nach Einspiel ist Spectre übrigens bereits mit €46,9 Mio auf Platz 31 der umsatzstärksten Filme aller Zeiten in Deutschland aufgestiegen. Dank seiner Überlänge ist es sogar gut möglich, dass Spectre nach Umsatz Fack Ju Göhte 2 (aktuell bei €61,7 Mio) überholen und Platz 2 von 2015 belegen wird (da ich fest davon ausgehe, dass Star Wars den ersten Platz innehaben wird).