Box-Office Deutschland – Fack Ju Göhte noch stärker als zum Start!

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Box-Office Deutschland - 14.-17.11.2013 Zusammenfassung und Analyse

Quelle: Insidekino

Unglaublich, aber wahr. Zum vierten Mal konnte die Gesamtbesucherzahl der Top 10 gegenüber der Vorwoche zulegen – diesmal ging es um 2% hinauf auf 1,894,000 Besucher. Zu verdanken war es aber nicht den fünf breiten Neustarts, die gegen die starke Top 3 chancenlos waren, sondern vor allem dem Spitzenreiter, der nach einem grandiosen Start vorletzte Woche am zweiten Wochenende auf über eine Million Besucher zulegen konnte und somit in der Top 10 mehr als 53% Marktanteil für sich beanspruchte. Die meisten älteren Filme mussten im Angesicht von vielem neuen Konkurrenten teilweise stark nachgeben, wobei nur drei Newcomer es tatsächlich unter die ersten zehn Filme geschafft haben. Einen Wermutstropfen gab es aber dennoch – verglichen zum Vorjahr ging es, mal wieder, um 7% runter.

Das Jahr ist zwar noch nicht vorüber und dennoch fällt es mir schwer zu glauben, dass ein anderer Film in die deutschen Kinos kommen wird, der den Titel des "Überraschungserfolgs des Jahres" mehr verdienen wird als Bora Dagtekins Fack Ju Göhte. Nachdem die deutsche Schulkomödie vorletztes Wochenende schon locker den zweitbesten Start des Jahres hingelegt hat, schaffte der Film am letzten Wochenende das nahezu Unmögliche und holte sich ein Plus von 16%, sodass er am zweiten Wochenende die Millionengrenze durchbrach. Mit insgesamt 1,010,000 Zuschauern von Donnerstag bis Sonntag gelang dem Film das beste zweite Wochenende von 2013 und das drittbeste zweite Wochenende aller Zeiten für einen deutschen Film – hinter (T)Raumschiff Surprise – Periode 1 und 7 Zwerge – Männer allein im Wald. Zu erwähnen ist aber, dass es den beiden anderen in den Schulferien gelungen ist, während Fack Ju Göhte ohne diese auskommen musste. Sicherlich hat es geholfen, dass er am zweiten Wochenende 139 neue Kinos spendiert bekam, doch das ist definitiv nicht der einzige Grund, denn der Besucherschnitt pro Kino ging trotz der Aufstockung um weniger als 9% auf 1537 zurück!

Nach nur 11 Tagen belegt Fack Ju Göhte mit 2,207,000 Besuchern Platz 9 der deutschen Jahres-Charts und ist dabei weniger als 200,000 verkaufte Tickets davon entfernt, das Endergebnis von Türkisch für Anfänger hinter sich zu lassen. Lediglich vier deutsche Filme haben (seit es darüber genau Aufzeichnungen gibt) ein besseres 11-Tage-Ergebnis geschafft als Fack Ju Göhte. Vergleichen mit anderen großen deutschen Hits liegt Fack Ju Göhte aktuell mehr als 800,000 Besucher vor Keinohrhasen im gleichen Zeitraum und mehr als 400,000 vor Zweiohrkücken. Der Hauptgrund für den Riesenerfolg dürfte schlicht und ergreifend die großartige Mundpropaganda sein, die der Film erhält und das sehr effektive Marketing seitens Constantin. Zwar wird Die Tribute von Panem – Catching Fire dem Streifen einige Besucher streitig machen, doch ich glaube, dass beide koexistieren können, wie es letztes Jahr auch schon Türkisch für Anfänger und The Hunger Games taten. Bereits kommendes Wochenende wird Fack Ju Göhte als vierter Film von 2013 eine Goldene Leinwand erhalten und auch eine zweite ist ihm bereits so gut wie sicher. Ein finales Ergebnis unter 6 Mio Besuchern würde mich momentan sehr überraschen. Ich gehe auch fest davon aus, dass der Film auch das Gesamtjahr gewinnen wird und sich dabei gegen Der Hobbit – Smaugs Einöde durchsetzen wird. Das würde Fack Ju Göhte zum ersten deutschen Jahresgewinner seit (T)Raumschiff Surprise 2004 machen. Meine konservative Vorhersage liegt momentan bei insgesamt 7 Mio Besuchern, doch mein Bauchgefühl sagt mir, dass der Film während der Weihnachtszeit auch extrem gut laufen wird und irgendwann im Frühjahr auch die dritte Goldene Leinwand holen wird (und somit mehr als 9 Mio Besucher erreicht).  Also haben wir ihn, den diesjährigen "Ziemlich beste Freunde" (im Sinne des Kassenerfolgs).

Platz 2 ging wieder an Thor – The Dark Kingdom, der sich etwas stabilisieren konnte und diesmal um 38% nachgab, sodass es am Wochenende 177,000 Besucher wurden. Er überquerte als 27. Film von 2013 die 1-Mio-Besuchermarke und liegt jetzt bei insgesamt 1,219,000 Zuschauern, was ihn zum 20.-besucherstärksten Film des Jahres an den deutschen Kinokassen macht. Gegenüber dem ersten Thor liegt Thor 2 im gleichen Zeitraum fast 320,000 Zuschauer weiter vorne und hat auch schon dessen Gesamtbesucherzahl (1,119,000) überholt. Von den Filmen des neuen Marvel-Universums liegen jetzt nur noch Marvel’s The Avengers und Iron Man 3 vor ihm, um jeweils etwa 420,000 und 380,000 Besucher, wobei beide auch ein besseres Ergebnis am dritten Wochenende vorzuweisen hatten. Die Ankunft von Die Tribute von Panem – Catching Fire wird Thor – The Dark Kingdom deutlich schaden und seine Laufzeit wird noch vor Mitte Dezember größtenteils vorüber sein. Davor sollte er noch auf knapp mehr als 1,5 Mio Besucher kommen und damit im Umfeld von Star Trek into Darkness und Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben landen.

Auch der drittplatzierte Film blieb unverändert und beeindruckte mit einem tollen Rückgang. Nur 1% verlor Das kleine Gespenst gegenüber der Vorwoche und kam auf 137,000 Zuschauer. Damit hat er nach 11 Tagen schon 325,000 Kinogängerfür sich begeistert und sollte auf lange Sicht mindestens 750,000 Besucher erreichen. Sogar 900,000 wären vielleicht möglich gewesen, wenn da nicht die Konkurrenz des Disney-Riesen Die Eiskönigin wäre.

Der erfolgreichste Neueinsteiger war am Wochenende das umjubelte Drama Captain Phillips, das mit 127,000 Zuschauern von 380 Kinos af Platz 4 einstieg. Der Zuschauerschnitt fiel mit 334 pro Location ordentlich aus. Einschließlich Previews hatte der Film 139,000 Zuschauer bis Sonntag. Der solide Start ist vor allem Tom Hanks' Starpower in Deutschland zu verdanken. Ganze 16 seiner Filme wurden hierzulande zu Besuchermillionären, zuletzt Cloud Atlas. Acht hatten sogar mehr als 3 Mio Besucher. So weit wird Captain Phillips natürlich nicht gehen. Das Startwochenende ist mit dem von Robert Zemeckis' Flight zu vergleichen, der es in Deutschland auf mehr als 600,000 Zuschauer brachte. Da Captain Phillips mehr Aufmerksamkeit seitens der Oscars erhalten wird, halte ich etwa 700,000 in seinem Fall für möglich.

Einen sehr guten Hold hatte auch Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2. Das Animationssequel verlor einen Platz und landete nach einem Rückgang von etwa 20% auf Platz 5. Der Film verfehlte lediglich um 844 Kinokarten 100,000 Besucher am Wochenende. Mit 944,000 Zuschauern hat Wolkig 2 nach vier Wochen schon das Endergebnis seines Vorgängers übertroffen. Im gleichen Zeitraum hatte der drei Wochen vor ihm gestartete Turbo etwa 70,000 Besucher weniger. Ich denke also, dass Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2 mindestens 1,25 Mio Besucher erreichen wird, bevor seine Zeit in den Kinos zu Ende geht. Das wäre eine Steigerung von 36% gegenüber dem Originalfilm.

Die Ensemble-Komödie Last Vegas beanspruchte am Wochenende mit 94,000 Zuschauern den sechsten Platz der Charts für sich und erreichte einen Schnitt von 267 Besuchern pro Kino in seinen 352 Locations. Deutlich höher waren die Zahlen, wenn man die Sneaks und die Previews berücksichtigt. Mit denen hat Last Vegas bis dato 128,000 Kinogänger für sich verbucht. Der Film hat eine sehr positive Mundpropaganda und dank seiner Orientierung am älteren Publikum wird er ein langes Leben in den Charts haben. Ich gehe von mindestens einer halben Million Besucher als Gesamtergebnis aus.

Auf Rang 7 stieg Escape Plan mit 82,000 Besuchern am regulären Wochenende ein (und 113,000 inkl. Sneaks und Previews). Dabei erreichte der Film in 366 Kinos einen eher enttäuschenden Schnitt von 224 Besuchern/Kino. Eins wird dabei überdeutlich – Stallone und Schwarzenegger haben bei weitem nicht die Zugkraft hierzulande, die sie eins besaßen. Immerhin wird Escape Plan deutlich besser abschneiden als die beiden diesjährigen Solo-Streifen der beiden (The Last Stand und Shootout – Keine Gnade) und mit etwas Glück auf eine Viertelmillion Besucher kommen. Sonderlich viel ist das trotzdem nicht.

Woody Allens Blue Jasmine belegte erneut Platz 1 der deutschen Arthouse-Charts, musste aber in den generellen Kinocharts einen Rang nachgeben und rutschte auf Platz 8. Dabei verlor der Film aber nur 21% seiner Besucher von der Vorwoche und erreichte weitere 70,000 Kinogänger. Nach 11 Tagen steht Blue Jasmine bei insgesamt 205,000 Zuschauern und liegt damit vor allen Allen-Steifen bis auf Match Point und Midnight in Paris. Es ist ein beeindruckendes Zwischenergebnis, das eine Gesamtbesucherzahl von mindestens einer halben Million garantiert und sogar 600,000 möglich erscheinen lässt. Es wird wohl davon abhängen, wie der Film bei den Oscars abschneidet.

Platz 9 ging an Frau Ella. Der Matthias-Schweighöfer-Hit baute 46% ab und kam auf 53,000 Zuschauer an seinem 5. Wochenende. Insgesamt hat die Komödie mittlerweile mehr als 1,1 Mio Besucher für sich verbucht und wird am Ende bei etwa 1,3 Mio landen.

Abgerundet wurde die Top 10 durch Jackass: Bad Grandpa. Die Komödie brach um 61% ein und lockte an ihrem vierten Wochenende nur noch 45,000 Zuschauer in die Kinos. Über ein Zwischenergebnis von 864,000 Besuchern kann sich Paramount aber dennoch nicht beschweren. Es ist reichlich unwahrscheinlich, dass der Film jetzt noch 1 Mio Besucher erreichen wird, doch 950,000 könnten immer noch möglich sein.

Joseph Gordon-Levitts Regiedebüt Don Jon startete mit knapp über 30,000 Besuchern von 182 Kinos am Wochenende (einschließlich Previews und Sneaks waren es 46,000) auf Rang 11. Ich erwarte jedoch keine lange Lauf zeit und bei maximal 100,000 wird Schluss sein.

Turbo – Kleine Schnecke, großer Traum erreichte nach sieben Wochen mehr als 1,1 Mio Besucher und überholte damit knapp Epic – Verborgenes Königreich. Der Film könnte es noch zu 1,2 Mio schaffen, was ein besseres Ergebnis wäre als das, was ich ihm im Vorfeld zugetraut hätte.

Derweil erreichte Gravity 1,25 Mio Besucher und könnte es mit etwas Glück und viel Oscar-Hype auf lange Sicht auf 1,4 Mio Besucher bringen.

Conjuring – Die Heimsuchung erreichte nach langer Zeit 450,000 Besucher in Deutschland wird aber an einer halben Million leider scheitern.