Quelle: Insidekino

Verregnetes Wetter in weiten Teilen Deutschlands und ein Feiertag in mehreren Bundesländern sorgten vergangenes Wochenende für gewaltigen Aufschwung an den deutschen Kinokassen und ermöglichten Warcraft: The Beginning einen der besten Starts des Jahres. Insgesamt verbesserte sich die Gesamtbesucherzahl der Top 10 um 85% gegenüber dem vorherigen Wochenende auf 1,23 Mio Zuschauer. Die Top 10 lag außerdem 39% über dem Vorjahr. Erst zum sechsten Mal dieses Jahr konnten die deutschen Box-Office-Zahlen die Ergebnisse vom Vorjahr schlagen und mit der Europameisterschaft im Anmarsch sieht es für die kommenden Wochen wieder eher finster aus.

Warcraft: The Beginning legte einen überraschend starken Start hin und zeigte, dass WoW sich weiterhin großer Beliebtheit und einer treuen Fangemeinde erfreut. Mit 441,000 Besuchern von 603 Kinos gelang Warcraft der beste Start einer Videospielverfilmung in Deutschland seit Lara Croft – Tomb Raider vor 15 Jahren! Es war außerdem der sechstbeste Start 2016, knapp hinter The Jungle Book, aber vor The Revenant. Der Film erzielte einen Besucherschnitt von 731 pro Kino. Bis zum Start von Independence Day: Wiederkehr Mitte Juli (!) kommen hierzulande keine weiteren effektreichen Blockbuster in unsere Kinos, sodass Warcraft eine ganze Weile lang die Arena für sich haben wird. Natürlich wird der Anbruch der EM dem Film (wie auch den meisten anderen Filmen) schaden, doch während des Turniers sollte sich Warcraft als Nummer-1-Ziel für viele Kinogänger behaupten. Diese Ausgangslage erinnert an Prince of Persia – Der Sand der Zeit, der kurz vor der WM 2010 mit 342,000 Zuschauern anlief und letztendlich knapp über 1,6 Mio Besucher erreichte, weil der Film während der Weltmeisterschaft ebenfalls konkurrenzfrei laufen durfte. Ein ähnliches Endergebnis traue ich auch Warcraft zu.

Deutlich schwächer fiel der Start von Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln aus. In 530 Kinos erreichte das Fantasy-Sequel mit Johnny Depp lediglich 199,000 Zuschauer und damit einen Schnitt von 376 Besuchern pro Kino. Samt zahlreicher Previews steht Alice im Wunderland 2 bei insgesamt 220,000 Zuschauern. Vor sechs Jahren startete der erste Film noch mit tollen 544,000 Besuchern in etwa 80 Kinos weniger. Doch ohne den großen post-Avatar-3D-Hype und mit deutlich gesunkenem Interesse an Johnny Depp ging nun auch ein deutlicher Einbruch an den Kinokassen einher und damit die erste klare Box-Office-Enttäuschung des Jahres für Walt Disney, die es aber angesichts der Hits wie Zoomania, Civil War und The Junge Book locker verkraften werden. Der erste Alice im Wunderland kam 2010 auf fast 3 Mio Zuschauer in Deutschland. Die Fortsetzung wird sogar ohne große Konkurrenz bis Ice Age – Kollision Voraus! Ende Juni Schwierigkeiten haben, eine Million Zuschauer zu erreichen. Viel wahrscheinlicher ist eine Gesamtbesucherzahl von etwa 850,000 – mehr als 70% unter dem Gesamtergebnis von Alice im Wunderland. Damit wäre der zweite Alice sogar weniger erfolgreich hierzulande als Depps Dark Shadows und Lone Ranger.

Angry Birds profitierte vom kinofreundlichem Wetter und dem Feiertag, legte um 4% gegenüber seinem zweiten Wochenende zu und fiel nur um einen Platz auf Rang 3 der deutschen Kinocharts. Mit 152,000 Zuschauern an seinem dritten Wochenende brachte die Spielverfilmung ihre vorläufige Gesamtbesucherzahl auf ordentliche 984,000 nach 18 Tagen. Verglichen mit anderen Animationshits von Sony liegt Angry Birds aktuell 17% vor Hotel Transsilvanien und 7% hinter Hotel Transsilvanien 2 im selben Zeitraum und steuert auf mindestens 1,5 Mio Zuschauer insgesamt zu. Gerade als Animationsfilm wird Angry Birds weniger unter der EM leiden, hat aber dennoch bis Ice Age 5 einen Monat lang keine nennenswerte Konkurrenz. Sollte das Wetter mitspielen, halte ich sogar bis zu 2 Mio Zuschauer für möglich, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich.

X-Men: Apocalypse wurde in er zweiten Woche von der Chartspitze verstoßen und landete mit 141,000 neuen Zuschauern (-34%) auf Rang 4 der Charts. Nach 11 Tagen steht das Mutantenabenteuer bei 479,000 Besuchern und liegt damit 30% hinter X-Men – Zukunft ist Vergangenheit und sogar 12% hinter Wolverine – Weg des Kriegers im selben Zeitraum. Von allen bisherigen Filmen aus dem X-Men-Universums hatte lediglich Erste Entscheidung noch weniger Zuschauer in den ersten 11 Tagen, was wirklich nicht gerade für Apocalypse spricht. Wer hätte im Vorfeld damit gerechnet, dass er hierzulande nicht einmal die Zahlen des zweiten Wolverine-Films erreichen würde? Alles spricht wohl dafür, dass die Zuschauer kein großes Interesse an einem X-Men-Film haben, in dem Wolverine keine tragende Rolle spielt (Deadpool mal außen vorgelassen). Sogar wenn er sich noch über die nächsten Wochen stabilisiert, wird X-Men: Apocalypse keine Million Zuschauer mehr in Deutschland erreichen und bestenfalls auf 900,000 kommen.

Der Thriller Money Monster zeigte, dass die Kombination aus George Clooney und Julia Roberts hierzulande immer noch gut zieht, lockte am Wochenende 110,000 Zuschauer in 425 Kinos (im Schnitt 259 Zuschauer pro Spielstätte) und belegte Platz 5 der deutschen Kinocharts. Einschließlich der Sneaks und Previews kann Money Monster bislang 118,000 Besucher vorweisen. Mit ordentlicher Mundpropaganda sind eine halbe Million Zuschauer auf lange Sicht drin.

Auf Seite 2 verraten wir Euch, wie erfolgreich The First Avenger – Civil War, The Jungle Book und Zoomania hierzulande mittlerweile sind sowie welchen neuen Besucher-Meilenstein der Arthouse-Hit Birnenkuchen mit Lavendel erreichen konnte.