Quelle: Insidekino

Es war kein gutes Wochenende für die deutschen Kinobetreiber. Mit zwei großen Fußballspielen am Donnerstag und Sonntag und Temperaturen bis zu 30 Grad hatte die deutsche Bevölkerung vergangenes Wochenende Besseres zu tun, als ihre Zeit in den dunklen Kinosälen zu verbringen. Am Donnerstag sahen mehr als 30 Millionen Deutsche der Nationalmannschaft bei ihrer Niederlage in Marseille zu, am Sonntag schalteten immerhin fast 18 Millionen zum EM-Finale ein. Angesichts dieser Umstände hätte es eigentlich noch schlimmer ausgehen können. So fiel die Gesamtbesucherzahl der Top 10 um 24% auf knapp über 730,000 Zuschauer. Vergleichen mit dem Vorjahr wurde jedoch ein Verlust von 59% vermeldet.

Ice Age – Kollision voraus! hatte keine Schwierigkeiten, in der zweiten Woche den Spitzenplatz zu verteidigen, die Zahlen sind jedoch nach Franchise-Maßstäben sehr schwach. Von Donnerstag bis Sonntag sahen weitere 287,000 Kinogänger (-35%) das fünfte Eiszeit-Abenteuer von Sid, Manny und Diego. Nach 11 Tagen hat Ice Age 5 schon 892,000 Tickets verkauft. Doch während es für die meisten Filme gute Zahlen wären, liegen sie sehr sehr weit hinter den Ergebnissen der bisherigen Ice-Age-Filme. Ein direkter Vergleich lohnt sich kaum. Jeder andere Ice-Age-Teil hatte nach seinem zweiten Wochenende bereits mehr als 3 Mio Besucher – eine Zahl, die Ice Age – Kollision voraus! vermutlich bis zum Ende seiner Laufzeit nicht einmal annähernd erreichen wird. Ice Age 2 und Ice Age 3 zählten nach dem zweiten Wochenende sogar jeweils mehr als 5 Mio bzw. 4 Mio Besucher. Der Rückgang gegenüber den Vorgängern ist bei Ice Age – Kollision voraus! sogar heftiger als beim Flop Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln. Natürlich werden sich die Zahlen jetzt ein wenig bessern, wenn Sommerferien in der gesamten Republik beginnen und ein Endergebnis von mehr als 2 Mio Zuschauern gilt weiterhin als sicher. Dennoch ist mit nicht mehr als 2,5 Mio zu rechnen und wenn man bedenkt, dass die ersten vier Filme im Schnitt 7,9 Mio Besucher in Deutschland erreichten, ist das schon eine herbe Enttäuschung für Fox. Erstmals wird ein Ice-Age-Film nicht der erfolgreichste Animationsfilm in dem Jahr sein, in dem er veröffentlicht wurde. Der Titel gehört aktuell Zoomania mit etwa 3,74 Mio Zuschauern, könnte aber bald an Universals Pets gehen.

Da ist die Romanze Ein ganzes halbes Jahr relativ gesehen ein deutlich größerer Erfolg hierzulande, auch wenn sie am Ende nach Besucherzahlen hinter Ice Age 5 zurückbleiben wird. An ihrem dritten Wochenende hielt sich der Film nach einem Rückgang von 39% auf Platz 2 mit 152,000 Besuchern und einem vorläufigen Gesamtergebnis von 1,1 Mio Zuschauern nach 18 Tagen. Es ist der 13. Film von 2016, der in Deutschland die Millionenmarke knackt. Ich sehe noch eine vielversprechende Zukunft für den Film. Der naheliegendste Vergleichsfilm, Das Schicksal ist ein mieser Verräter, kam 2014 auf 1,2 Mio Zuschauer. Ein ganzes halbes Jahr hat aktuell etwa die doppelte Besucherzahl von jenem Film im selben Zeitraum verbucht. Insgesamt sollte der Film also mindestens 1,7 Mio Besucher in Deutschland erreichen, doch sogar 2 Mio würde ich noch nicht gänzlich ausschließen.

Der erfolgreichste Neuzugang und der einzige weitere Film mit sechsstelligen Besucherzahlen war am Wochenende Smaragdgrün, der Abschlussfilm der deutschen Fantasy-Trilogie nach den Romanen von Kerstin Gier. Der Streifen lockte 113,000 Zuschauer in 496 Kinos und erreichte einen Schnitt von 227 Besuchern pro Kino. Einschließlich der Previews und Triple Features steht Smaragdgrün bei 140,000 Zuschauern und liegt damit zwischen den Startergebnissen seiner Vorgänger. Rubinrot erreichte samt Previews 113,000 Zuschauer zum Start, Saphirblau 146,000. Es ist davon auszugehen, dass Smaragdgrün ein ähnlicher Verlauf erwartet, sodass der Film etwa eine halbe Million Zuschauer insgesamt erreichen sollte. Die Edelstein-Trilogie brachte zwar nie große Hits hervor, aber immerhin waren die Zahlen sehr konsistent.

Platz 4 ging an die Actionkomödie Central Intelligence mit Dwayne Johnson und Kevin Hart, die um 27% nachgab und 69,000 Zuschauer an ihrem 4. Wochenende erreichte. Insgesamt kann Central Intelligence bislang 648,000 verkaufte Kinotickets vorweisen und bewegt sich in Richtung von 850,000 Zuschauern, bevor der Film unsere Kinos verlässt.

Das Horror-Sequel Conjuring 2 verlor einen Platz gegenüber der Vorwoche und rundete die Top 5 mit 51,000 Besuchern (-31%) ab. Damit brachte der Film seine Gesamtbesucherzahl auf 539,000 nach vier Wochen. Für einen Horrorfilm in Deutschland ist das ein bemerkenswerter Erfolg und insgesamt sollte Conjuring 2 etwa 700,000 Besucher erreichen.

Weit abgeschlagen auf Rang 6 eröffnete die John-le-Carré-Adaption Verräter wie wir mit 17,000 Besuchern von 197 Kinos. Bis Sonntag erreichte der Film (inkl. Sneaks und Previews) 39,000 Kinogänger und wird wohl auf nicht auf mehr als 100,000 Zuschauer in Deutschland kommen.

Die Videospielverfilmung Warcraft: The Beginning rutsche um einen Platz und 38% auf Rang 7 und 15,000 Zuschauer ab. Damit steht der Film jetzt bei knapp mehr als 1,2 Mio Zuschauern in Deutschland. Spätestens die Ankunft von Independence Day: Wiederkehr wird ihm seine restlichen Zuschauer kosten, sodass Warcraft sich mit 1,25 Mio gelösten Tickets aus den Kinos verabschieden wird.

Maria Schraders überraschender Arthouse-Erfolg Vor der Morgenröte kletterte nach sechs Wochen oberhalb von 150,000 Besuchern. Dem Film prophezeie ich noch eine lange Laufzeit in den Programmkinos und mindestens eine Viertelmillion Besucher als Endergebnis.