Box-Office Deutschland – Der Medicus bleibt vorne, die Neustarts enttäuschen

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Box-Office Deutschland - 9-12.01.2014 Zusammenfassung und Analyse

Quelle: Insidekino

Nach dem unglaublichen Höhenflug in der Vorweihnachts- und Ferienzeit, ist wieder etwas Ruhe in die deutschen Kinos eingekehrt. Wie zu erwarten war, tat sich am ersten Wochenende nach den Weihnachtsferien verhältnismäßig wenig an den deutschen Kinocharts. Kein Neustart konnte die Top 5 knacken, die bis auf einen Rangwechsel unverändert blieb. Doch nur weil nicht viel frisches Blut zu vermelden war und die Gesamtbesucherzahl der Top 10 um 49% nachgab, bedeutet das nicht, dass die Kinosäle in Deutschland leer waren. Immerhin begaben sich allein bei den Top-10-Filmen etwa 1,467,000 Zuschauer bundesweit in die Kinos. Gegenüber dem vergleichbaren Wochenende im Vorjahr, ging es für die Top 10 nur um 4% runter. Fünf Filme schrieben sechsstellige Besucherzahlen und ein sechster verpasste diese nur ganz knapp. Die obersten Top 4 Filme der Charts sind starke Überbleibsel des letzten Jahres, die dafür sorgten, dass die Besucherzahlen von 2013 gegen Jahresende noch einmal kräftig zulegten. Alle diese vier Filme werden am Ende bei mehr als 3 Mio Besuchern landen und sich unter den zehn erfolgreichsten Filmen von 2013 in Deutschland einnisten.

Der Medicus konnte seinen Spitzenplatz in der dritten Woche problemlos verteidigen und gehörte zu den Filmen, die die Zeit nach den Weihnachtsferien am besten überstehen konnten. Nur 39% gab das Historienepos gegenüber dem vorherigen Wochenende nach – neben Fack Ju Göhte war es der beste Rückgang innerhalb der gesamten Top 10. Nach weiteren 383,000 Zuschauern von Donnerstag bis Sonntag hat der Film nun nach 19 Tagen ein vorläufiges Gesamtergebnis von 2,273,000 Zuschauern erreicht. Damit ist Philipp Stölzls Film bereits auf Platz 14 der besucherstärksten Filme von 2013 in Deutschland aufgerückt und sorgt dafür, dass der Marktanteil deutscher Filme von 2013 noch einmal zulegen kann. Aktuell liegt dieser bei 27,1% – der höchste Wert seit 1985! Kein Wunder – es ist ja auch das erste Jahr seit 2004, in dem ein deutscher Film die Nummer 1 des Jahres ist. Einschließlich Koproduktionen, haben vier deutsche Filme von 2013 mehr als 2 Mio Besucher in die Kinos gelockt und drei weitere hatten mehr als 1 Mio gelöste Kinotickets zu vermelden. Der Medicus wird nach Fack Ju Göhte zum zweiterfolgreichsten deutschen Film von 2013. Auch wenn er nicht ganz die Erfolgshöhen von Das Parfum (5,6 Mio Besucher) erreichen wird, kann man sich dennoch nicht über das wahrscheinliche Endergebnis von 3,5 Mio Besuchern beschweren, insbesondere, wenn man die harte Konkurrenz bedenkt, mit der Der Medicus es zu tun hatte.

In seiner fünften Woche blieb Der Hobbit – Smaugs Einöde auf Rang 2 der deutschen Kinocharts. Ohne Unterstützung der Weihnachtsferien und der Feiertage, fiel der Film stark ab und verlor etwa 61% seiner Zuschauer von der Vorwoche, sodass letztes Wochenende nur noch 244,000 Kinogänger den Film sahen. Mittlerweile erreichte das Fantasy-Epos mehr als 5,5 Mio Zuschauer. Sein Vorgänger hatte im selben Zeitraum allerdings etwa 350,000 mehr und das bei einem stärkeren 5. Wochenendergebnis. Smaugs Einöde wird in den kommenden Wochen immer weiter hinter Eine unerwartete Reise zurückfallen und am Ende wahrscheinlich eine halbe Million Besucher von ihm entfernt landen. Für die zweite Goldene Leinwand (6 Mio Zuschauer) sollte es zwar noch reichen, doch viel mehr als das erwarte ich für den Film nicht. Zwar ist das angesichts der vorherigen Mittelerde-Filme von Peter Jackson kein tolles Ergebnis, doch ein Rückgang war zu erwarten und ist in Deutschland eigentlich milder ausgefallen als in einigen anderen Ländern. Mal abwarten, ob der dritte Film dann doch unter der 6-Mio-Zuschauermarke landen wird.

Um einen Platz verbesserte sich Fack Ju Göhte!, der nur 39% abbaute und mit fast genau 200,000 Zuschauern das achtbeste zehnte Wochenende aller Zeiten in Deutschland hinlegen konnte. Unter deutschen Filmen war nur Der Schuh des Manitu an seinem 10. Wochenende stärker. Mit 6,234,000 Besuchern ist Fack Ju Göhte! ein absolutes Kinophänomen und ist jetzt schon der 12.-erfolgreichste deutsche Film seit 1968. Seit 2010 schrieben nur fünf andere Filme in Deutschland bessere Zahlen als Fack Ju Göhte. Schon bald wird er auch an Megahits wie Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1 und Der Hobbit – Eine unerwartete Reise vorbeiziehen wird. In den kommenden Wochen erwartet Fack Ju Göhte! direkte Konkurrenz deutscher Herkunft seitens Nicht mein Tag, doch angesichts der unglaublichen Mundpropaganda, wird die Komödie auch das überstehen. Ich glaube weiterhin fest an ein Endergebnis von mehr als 7 Mio Zuschauern. Mit etwas Glück sind sogar 7,2-7,4 Mio drin. Das würde Fack Ju Göhte! zum vierterfolgreichsten deutschen Film seit 1968 machen.

Unter dem Ende der Weihnachtsferien hatte insbesondere Die Eiskönigin – Völlig unverfroren zu leiden. Disneys Animationshit fiel um 61% auf 158,000 Besucher und knackte nach sieben Wochen die 4-Mio-Besuchermarke. Insgesamt wurde der Film bislang von 4,09 Mio Zuschauern in den deutschen Kinos gesehen. Die Eiskönigin ist bereits der zehnterfolgreichste CG-Animationsfilm aller Zeiten in Deutschland und der erste Original-Animationsfilm seit Ratatouille, der in Deutschland mehr als 4 Mio Zuschauer erreichen konnte. Es sieht danach aus, als würde er keine 5 Mio Besucher in Deutschland insgesamt erreichen, insbesondere, da nun Konkurrenz seitens Fünf Freunde 3 und Free Birds auf ihn zukommt, doch mindestens 4,5 Mio sollten drin sein und somit Platz 3 der Jahres-Charts von 2013, noch knapp vor Django Unchained.

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty blieb standhaft auf Platz 5, verlor aber 46% seiner Besucher vom Startwochenende. Mithilfe der weiteren 138,000 Besucher am Wochenende, knackte der Streifen bereits nach 12 Tagen die 500,000-Besuchermarke. Angesichts der ungewöhnlichen Prämisse, ist der Film daher jetzt schon als Erfolg hierzulande zu werten und sollte über kurz oder lang mindestens 800,000 Zuschauer für sich begeistern können.

Derweil fiel Paranormal Activity – Die Gezeichneten um zwei Plätze auf #6 und lockte an seinem zweiten Wochenende zusätzliche 94,000 Zuschauer (-61%) in die deutschen Kinos. Insgesamt hat das Horror-Spin-Off hierzulande nach 11 Tagen etwa 395,000 Besucher für sich begeistert, was für einen Horrorfilm in Deutschland sehr stark ist, auch wenn diese Zahlen etwa 140,000 hinter Paranormal Activity 4 liegen. Immerhin wird Die Gezeichneten problemlos die ersten beiden Filme aus dem Franchise überholen und am Ende bei deutlich oberhalb von einer halben Million Besucher landen. Mit ganz viel Glück sind vielleicht sogar 600,000 Besucher drin.

Der erfolgreichste Newcomer war am Wochenende die Stallone/De Niro-Boxkomödie Zwei vom alten Schlag mit etwa 79,000 Besuchern (inkl. Sneaks und Previews), von denen etwa 72,000 auf das eigentliche Wochenende entfielen. Von 345 Kinos gelang ihm damit ein wenig bemerkenswerter Schnitt von 210 Besuchern pro Kino. Dieser Start liegt in der gleichen Größenordnung wie Stallones Escape Plan, der in Deutschland auf insgesamt etwa 230,000 Besucher kam. Das sollte auch das Maximum für den neuen Film sein, wobei ich angesichts der kommenden Konkurrenz eher ein finales Ergebnis von 200,000 Zuschauern erwarte.

Michael Bully Herbigs neuster Film Buddy brach in der dritten Woche um 60% ein und landete mit 68,000 Besuchern unsanft auf Rang 9 der Charts. Insgesamt wurde der Film bis dato von knapp 680,000 Kinogängern in Deutschland gesehen und da er schon bald die meisten seiner Leinwände verlieren wird, denke ich nicht, dass noch viele hinzukommen werden. Bestenfalls sind hier etwa 800,000 Zuschauer zu erwarten. Das Durchhaltevermögen des Films ist deutlich schlechter ausgefallen als ich erwartet hätte.

Die Pute von Panem belegte mit 63,000 Besuchern den 9. Platz der Charts und hatte  von 275 Kinos einen Schnitt von 229  Besuchern/Location vorzuweisen. Einschließlich der Previews hat der Film bis Sonntag etwa 83,000 Zuschauer erreicht. Das ist zwar auch schon vermutlich deutlich mehr als der Film verdient hätte, doch immerhin zeigt das Ergebnis, dass nicht jede Billigparodie in Deutschland mittlerweile zu einem großen Erfolg à la Beilight – Biss zum Abendbrot (900,000 Zuschauer) oder Meine Frau, die Spartaner und ich (720,000 Zuschauer) werden kann. Die Pute von Panem sollte keine 200,000 Besucher erreichen und hoffentlich dafür sorgen, dass diese Filme, wie auch in den USA, hierzulande nicht mehr breit in den Kinos gestartet werden…

Die Tribute von Panem – Catching Fire rundete mit 46,000 Bewucher (-57%) die Top 10 ab und steht nach acht Wochen bei 3,626,000 Zuschauern. Die Tage des Films in den Kinos sind jetzt gezählt, jedoch könnte er noch auf 3,75 Mio Besucher kommen. Damit würde er vor zwei Twilight-Filmen liegen und auf dem gleichen Niveau wie Breaking Dawn I.

Robert Redfords One-Man-Show All Is Lost lief mit respektablen 44,000 Zuschauern von 125 Kinos an und belegte damit prompt Platz 1 der deutschen Arthouse-Charts. Außerdem gelang ihm ein solider Schnitt von 352 Zuschauern pro Kino. Bei Filmen wie diesen ist eine lange Laufzeit angesagt, sodass ich eine Gesamtbesucherzahl von einer Viertelmillion für möglich halte.

StreetDance Kids – Gemeinsam sind wir Stars hat nach 11 Tagen bereits 100,000 Zuschauer erreicht. Angesichts der Konkurrenz von Fünf Freunde 3 werden es nicht viele mehr sein. Auch Jim Jarmuschs Arthouse-Erfolg Only Lovers Left Alive durchbrach am Wochenende die 100,000-Marke und steht nach drei Wochen bei 117,000 Besuchern. Auf lange Sicht halte ich 200,000 für möglich.

Oliver Hirschbiegels Drama Diana floppte in Deutschland mit nur 17,000 Besuchern von 154 Kinos am Wochenende. Samt Sneaks und Previews waren es zwar 28,000 Zuschauer doch auch das wird nicht reichen, um in Deutschland sogar auf sechsstellige Zahlen zu kommen.

Das kleine Gespenst hat mittlerweile mehr als 750,000 Besucher erreicht und zielt immer noch auf mehr als 800,000 ab. Ein grundsolider Erfolg, der eine Fortsetzung nach sich ziehen sollte!

Der türkische Überraschungshit Dügün Dernek erreichte mittlerweile mehr als 250,000 Besucher und befindet sich nun auf Rang 12 der besucherstärksten türkischen Filme aller Zeiten in Deutschland. Mit ein wenig Glück sind sogar 300,000 und damit Platz 7 auf der Liste möglich.

Einen neuen Meilenstein hat auch Inside Llewyn Davis von den Coen-Brüdern erreicht. Das Musikdrama begeisterte mittlerweile mehr als 250,000 Besucher für sich in Deutschland und wird mit Sicherheit bei mehr als 300,000 landen.

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