Quelle: Insidekino

Ganz Deutschland erfreute sich vergangenes Wochenende am möglicherweise letzten heißen Sommer-Wochenende 2016 und das Letzte, das die meisten Bundesbürger im Sinn hatten, war es, ihre Zeit in dunklen Kinosälen zu verbringen. Das bekamen die Kinobesitzer schmerzlich zu spüren, denn die Gesamtbesucherzahl der Top 10 brach um 57% gegenüber der Vorwoche ein und erreichte nur knapp mehr als 600,000. Gegenüber dem Vorjahr ging es um 5% runter. Nur an einem einzigen anderen Wochenende dieses Jahr (während der Europameisterschaft) waren die Kinos in Deutschland noch schwächer besucht. Die meisten Filme, insbesondere diejenigen mit Familien als Zielpublikum, fielen um 65% oder mehr. Eine Rolle spielte dabei natürlich auch die Konkurrenz. Obwohl keiner der fünf breiten Neustarts wirklich überzeugen konnte, liefen sie alle in mehr als 200 Kinos an und raubten vielen älteren Filmen Spielzeiten und Leinwände.

Suicide Squad hatte keine Schwierigkeiten, an seinem zweiten Wochenende den Spitzenplatz zu verteidigen. Mit einem Rückgang von 61% gegenüber seinem starken Startwochenende gelang der Comicverfilmung sogar einer der besseren Drops in den Charts, auch wenn es natürlich trotzdem ein sehr heftiger Einbruch der Besucherzahlen war. Etwa 195,000 weitere Tickets verkaufte Suicide Squad an seinem zweiten Wochenende und steht nach elf Tagen bei 953,000 Besuchern in Deutschland. Damit liegt der Film 11% hinter The First Avenger: Civil War und 16% hinter Batman v Superman: Dawn of Justice im selben Zeitraum. Wie weit der Film in Deutschland noch kommen wird, wird natürlich davon abhängen, ob das Wetter in den nächsten Wochen mitspielt, doch immerhin muss Suicide Squad noch mehrere Wochen lang keine nennenswerte Blockbuster-Konkurrenz befürchten. Daher traue ich ihm weiterhin mindestens 1,5 Mio Besucher zu, mit Potenzial für mehr.

Der Animationshit Pets fiel an seinem fünften Wochenende um 67%, blieb jedoch auf Rang 2 und brachte seine vorläufige Gesamtbesucherzahl auf fantastische 2,885,000. Damit ist Pets an Deadpool und The Revenant – Der Rückkehrer vorbeigezogen und belegt jetzt nach Zoomania Platz 2 unter den besucherstärksten Filmen 2016 in Deutschland. Der steile Drop aufgrund des Sommerwetters verpasste den Chancen des Films auf 4 Mio Besucher natürlich einen deutlichen Dämpfer, doch wenn das Wetter wieder kinofreundlicher werden sollte, könnte Pets die Marke dennoch packen, denn vor Findet Dorie Ende September kommt keine direkte Konkurrenz auf ihn zu.

Auch Platz 3 der Wochenendcharts blieb unverändert und wurde wieder von Jason Bourne belegt. Der fünfte Film der Bourne-Reihe und vierte Beitrag mit Matt Damon gab um 65% nach und lockte weitere 60,000 in die deutschen Kinos. Insgesamt hat Jason Bourne 692,000 Zuschauer nach 18 Tagen eingesammelt und steuert auf mindestens 900,000 Besucher zu. Auch eine Million würde ich nicht ausschließen. Damit wäre Jason Bourne zwar immer noch der besucherschwächste Bourne-Film mit Damon, allerdings ist es auch der erste Teil der Reihe, der ab 16 Jahren freigegeben wurde.

Die Unfassbaren 2 belegte zum Start mit 55,000 Besuchern von 410 Kinos Rang 4 und erzielte einen schwachen Schnitt von nur 133 Zuschauern pro Kino. Es sieht nicht so aus, als seien die Zuschauer in Deutschland sonderlich heiß auf ein Sequel gewesen. Einschließlich der Sneaks und Previews erreichte Die Unfassbaren 2 93,000 Besucher mit Sonntag – 35% weniger als sein Vorgänger zum Start vor drei Jahren. Bereits der erste Film war in Deutschland, im Gegensatz zu den USA und vielen anderen Ländern, kein Überflieger an den Kinokassen und kam auf insgesamt nur knapp mehr als eine halbe Million Zuschauer. Der Nachfolger wird wohl nicht mehr als eine Viertelmillion erreichen.

Platz 5 ging an Mechanic: Resurrection mit Jason Statham, der mit 51,000 Besuchern von 270 Kinos immerhin einen soliden Schnitt schrieb (187 Zuschauer pro Spielstätte), jedoch auch deutlich hinter dem ersten Teil startete, der 2011 mit 90,000 Besuchern (inkl. Sneaks und Previews) aus den Startlöchern kam. Genau genommen ist es sogar einer der schwächsten Starts überhaupt für Jason Statham in Deutschland. Insgesamt wird Mechanic 2 vermutlich nicht einmal 200,000 Besucher erreichen.

Ähnlich schwach schnitt auch der Haithriller The Shallows mit Blake Lively ab, der hierzulande nicht seinen Erfolg aus den USA replizieren konnte und mit 44,000 Besuchern von 283 Kinos (71,000 einschließlich Sneaks und Previews) auf Platz 6 landete. Mehr als 250,000 Tickets wird The Shallows auch nicht verkaufen.

Ein weiterer Newcomer platzierte sich auf Rang 7. Obwohl Elliot, der Drache mit 541 Kinos breiter gestartet wurde als alle anderen neuen Filme, reichte es lediglich für 35,000 Besucher. Mit kinofreundlicherem Wetter wird sich der Familienfilm zwar noch erholen, aber mehr als 200,000 Besucher erwarte ich dennoch nicht.

Fast genau so peinlich war der Start von Mother’s Day – Liebe ist kein Kinderspiel. Der finale Film des Pretty-Woman-Regisseurs Garry Marshall lief außerhalb der Top 10 mit 17,000 Besuchern von nur 241 Kinos am regulären Wochenende an (50,000 Zuschauer einschließlich der Sneaks und Previews) und erreichte lediglich einen Schnitt von 70 Zuschauern pro Kino. Da hat auch das namhafte Ensemble aus Julia Roberts, Jennifer Aniston und Kate Hudson nicht geholfen. Mother’s Day wird mit maximal 100,000 Besuchern aus den deutschen Kinos verschwinden.

Star Trek Beyond musste sich nach sechs Wochen aus der Top 10 verabschieden, erreichte aber immerhin insgesamt schon 1,25 Mio Besucher und ist jetzt nur noch knapp 30,000 Tickets davon entfernt, Star Trek von 2009 zu übertreffen.