Bel Ami (2012)

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ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

Bel Ami, UK/F 2012 102 Min • Mit: Robert Pattinson, Christina Ricci, Uma Thurman, Kristin Scott Thomas, Philip GlenisterRegie: Nick Ormerod, Decan DonnellanFSK: Ab 12 JahrenKinostart: 03.05.2012Deutsche Website

Handlung

Der mittellose ehemalige Soldat Georges Duroy (Robert Pattinson) kommt Ende des 19. Jahrhunderts nach Paris. Trotz seiner kleinbürgerlichen Herkunft hat Georges den Traum von großem Reichtum und Ansehen. Ein Wiedersehen mit seinem Armee-Kameraden Charles Forestier (Philip Glenister) verschafft ihm eine Anstellung als Journalist bei der Zeitung „La Vie Française“, für die auch Charles schreibt. Viel wichtiger für Georges, der über keinerlei schriftstellerisches Talent verfügt, ist dabei das Kennenlernen von Charles‘ Ehefrau Madeleine (Uma Thurman). Sie findet Gefallen am jungen Georges und fungiert, wie schon bei ihrem Ehemann, als begabte Ghostwriterin seiner Artikel. Durch sie lernt Georges, dass der wahre Weg zu Erfolg über die Ehefrauen der Männer der feinen Gesellschaft führt. Skrupellos und berechnend verdreht er einer Frau nach der anderen den Kopf, um die soziale Leiter hinaufzusteigen.

Kritik

Bel Ami ist die bereits 7. Leinwandadaption des berühmten Romans von Guy de Maupassant aus dem Jahre 1885. So spielte unter anderem auch Johannes Heesters 1955 den charmanten Frauenhelden. Daneben gab es bereits zahlreiche Versionen für das Fernsehen. Wer mit dem neuen Bel Ami eine definitive Version des bekanntest Stoffes (wie z. B. Gefährliche Liebschaften von Stephen Frears) oder eine besonders innovative Herangehensweise erwartet, wird enttäuscht. In Bel Ami wird klassischer Kostümkino zum Leben erweckt, ohne jedoch, dass der Film der Bissigkeit der Vorlage gerecht wird.

Trotz der namhaften Nebenbesetzung steht natürlich Robert Pattinsons rücksichtsloser Charmeur im Mittelpunkt des Geschehens. Man kann davon ausgehen, dass einer der Gründe für Pattinson die Rolle anzunehmen, darin bestand, mit seinem Twilight Bubi-Image abzurechnen. Schließlich ist die Serie bald zu Ende und alle Beteiligten arbeiten bereits fleißig an der Karriere danach. Nicht allen Stars von solchen Franchises gelingt am Ende der Sprung. Man denke bloß an Elijah Wood, dessen größte Rolle nach der Herr der Ringe Trilogie wohl sein Auftritt als stummer Kannibale in Sin City war und auch dieser liegt schon sieben Jahre zurück. Der Part von Bel Ami (der Spitzname, den Georges von der Tochter seiner ersten Geliebten erhält) ist sicherlich eine mutige Wahl für den gar nicht untalentierten Schauspieler. Weiter entfernt von seiner romantischen Rolle in den Twilight Schmonzetten könnte der Charakter kaum sein. Es gibt nicht den kleinsten Hauch von Romantik oder Selbstlosigkeit bei seinem Charakter. Ihm geht es nur um den sozialen Aufstieg, zu dem er sich berechtigt fühlt und für den er alles bereits ist zu tun. Georges ist wahrlich kein Sympathieträger und die jungen Twilight Fangirls dürften ziemlich schockiert von der Skrupellosigkeit seines Charakters sein, mit der er eine Frau nach der anderen verführt. Auch an offenherzigeren Sexszenen mangelt es hier nicht, verglichen mit den züchtigen Vampirromanzen.

So interessant die Rolle in Theorie auch sein mag, so unglücklich wählte Pattinson den Film. Die Regie-Neulinge Nick Ormerod und Declan Donnellan inszenieren den Film ohne besondere Höhepunkte. Es handelt sich hier um eine 08/15 Variante eines Standard-Historienschinkens. Die Kostüme sind schön, die Ausstattung respektabel, aber nichts erhebt sich über den gediegenen Durchschnitt solcher Filme. Das Drehbuch erfasst nicht die Komplexität des Romans und seiner Figuren. Darunter leidet insbesondere Pattinson, der mit der Rolle vielleicht sowieso leicht überfordert wäre, dem das Drehbuch aber auch nicht hilft, den Charakter zu erforschen. Sein Emporkömmling ist sprunghaft, selbstverliebt und ehrgeizig, doch es wird wenig an Hintergründen seiner Handlungen oder seiner Motivation dargeboten.  Das starke weibliche Ensemble kommt schon etwas besser davon. Uma Thurman als eine Art „Proto-Feminstin“ macht einen guten Eindruck, bekommt aber wenig Raum zur Entfaltung. Kristin Scott Thomas als Ehefrau des Zeitungsverlegers liefert wohl die interessanteste schauspielerische Leistung des Films ab. Anfangs prüde und reserviert, wird sie nach ihrer Verführung durch Georges zu einem verknallten Teenager. Auch wenn das Drehbuch auch sie stark einschränkt, so bleibt ihre lebhafte Performance am meisten in Erinnerung. Etwas blasser kommt Christina Ricci daher, als Clotilde, eine von Georges‘ ersten Eroberungen.

Technisch stellt Bel Ami eine durchaus passable Literaturverfilmung da, doch seine Charaktere und Emotionen bleiben stets distanziert und kühl. Pattinsons Figur ist unsympathisch genug, um sie nicht zu mögen, aber nicht faszinierend genug (wie beispielsweise Isabelle de Merteuil, dargestellt von Glenn Close), um an deren Schicksal sonderlich interessiert zu sein. Die durchaus interessante Sicht auf einen Mann (und nicht eine Frau!), der sich hochschläft, verkommt hier zu einem routiniert langweiligen Drama ohne Esprit. Für anspruchsvolle Zuschauer wird der Film zu platt sei, die Twilight Fans dürfte der Charakter von Pattinson hingegen kaum erfreuen. Die Versuche, durch Anspielungen auf einen bevorstehenden Krieg Frankreichs gegen einen namenslosen nordafrikanischen Staat dem Stoff mehr Aktualität zu verleihen, gehen dank der absoluten Nebensächlichkeit dieses Plots schnell unter. Lediglich die kurzen Szenen des rauschenden Pariser Nachtlebens hinterlassen hier einen guten Eindruck.

Fazit

Plumpe Charakterzeichnung, unterforderte Schauspieler und durch das Drehbuch arg zusammengestauchter Plot lassen Bel Ami zu einem seelenlosen Kostümdrama werden, an dem keine Zuschauergruppe so richtig Gefallen finden könnte.

Trailer

https://youtu.be/8ykyhtD-ST4